merken
PLUS Bautzen

Hochwasserschäden: So ist die Lage im Kreis Bautzen

Geflutete Freibäder, gesperrte Straßen, ausgefallene Veranstaltungen - Städte und Gemeinden im Kreis Bautzen ziehen nach dem Unwetter am Wochenende Bilanz.

Auf dem Wilthener Bauhof hat die Stadtverwaltung einen großen Container aufstellen lassen. Hier können betroffene Einwohner und Gewerbetreibende ihren Sperrmüll kostenfrei entsorgen.
Auf dem Wilthener Bauhof hat die Stadtverwaltung einen großen Container aufstellen lassen. Hier können betroffene Einwohner und Gewerbetreibende ihren Sperrmüll kostenfrei entsorgen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Heftige Regengüsse, schnell steigende Pegelstände, überflutete Straßen - die Bilder des vergangenen Wochenendes ließen Erinnerungen an die Jahre 2010 und 2013 hochkommen. Gerade vor diesem Hintergrund herrscht im Landkreis Bautzen am Montag Erleichterung: "Glimpflich" ist vielerorts das Wort der Stunde. Und dennoch: Das endgültige Ausmaß der Unwetter-Schäden wird sich erst zeigen. Sächsische.de hat sich deshalb in den Städten und Gemeinden im Kreis umgehört.

Bautzen: Schwerpunkt in der Seidau

Wie die Bautzener Stadtverwaltung mitteilt, gab es in der Stadt im Zusammenhang mit dem Starkregen 14 Einsätze. Deren Schwerpunkt lag erneut in der Seidau. Dort hatte das Wasser den Schmoler Weg überflutet – und war in den Keller des Pflegeheims Bautzen-Seidau eingedrungen. „So schlimm wie 2018 war es nicht“, sagt Geschäftsführerin Ursula Fleischer. „Aber es war heftig.“

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Schon zum vierten Mal in elf Jahren sei das Heim vom Hochwasser betroffen. „Es muss jetzt schnell gehandelt werden“, sagt sie. Noch immer warte der Stadtteil auf den versprochenen Hochwasserschutz. Immerhin: Das Heim hatte zwischenzeitlich selbst Maßnahmen ergriffen. „Die haben das Schlimmste verhindert“, ist Ursula Fleischer überzeugt.

Raum Bischofswerda: Freibad überflutet

In Steinigtwolmsdorf trat die Wesenitz im Ortsteil Ringenhain über die Ufer. Von den starken Regenfällen sei außerdem der Kork auf dem Steinigtwolmsdorfer Kunstrasenplatz angehoben worden, heißt es aus Kreisen der SG Steinigtwolmsdorf. Erst am Freitag war das neue Spielfeld eingeweiht worden. In Mitleidenschaft gezogen wurde auch das Freibad "Wasserwelt": Wie Steinigtwolmsdorfs Bürgermeisterin Kathrin Gessel (CDU/Bürgerbündnis) mitteilt, sei die Anlage überschwemmt worden und habe für die Reinigung abgelassen werden müssen.

Die Gemeinde Neukirch war am Montag damit beschäftigt, die von Überschwemmungen betroffenen Straßen zu begutachten und Schäden aufzunehmen. Wie Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) erklärte, habe niemand im Notquartier im Rittergut übernachten müssen. Betroffene Haushalte können ihren Sperrmüll am Straßenrand deponieren, wo die Gemeinde ihn am Dienstag und Mittwoch abholen wird.

Laut Schmölln-Putzkaus Bürgermeister Achim Wünsche (parteilos) waren Einsatzkräfte am Montag noch mit Aufräumarbeiten in den betroffenen Ortsteilen Putzkau und Tröbigau beschäftigt. Im Gegensatz zur Nachbargemeinde Neukirch seien die großen Verkehrswege aber befahrbar geblieben.

"Das Wasser hätte nicht höher kommen dürfen", bilanzierte Bischofswerdas Pressesprecher Sascha Hache. Die Wesenitz war dort in der Nacht zum Sonntag über die Ufer getreten. Laut Sascha Hache hat es vor allem das Gebiet an der Straße Zum Wiesengrund erwischt. An einer Brücke sei am Montag ein Baum entfernt worden. Weitere sollen auf ihre Statik hin überprüft werden. Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) wolle sich nun dafür einsetzen, dass ein weiterer Pegel flussaufwärts an der Wesenitz installiert werde. So wolle man bei künftigen Hochwasserereignissen mehr Vorwarnzeit erreichen.

Bautzener Umland: Straßen in Wilthen weiter gesperrt

Im nördlichen Landkreis verlief das Einsatzgeschehen verhältnismäßig ruhig. Am ärgsten traf es hier wohl Königswartha, wo auch am Sonntag die Pächter einer Gartensparte noch gegen hohe Wasserstände kämpften. Verhältnismäßig groß war das Ausmaß des Hochwassers im Bautzener Oberland. Insbesondere an Nebenflüssen seien hier die Pegel am Sonnabend schnell gestiegen, melden die Verwaltungen unisono.

In einer Gartensparte in Königswartha kämpfen die Pächter noch am Sonntag gegen die hohen Pegelstände.
In einer Gartensparte in Königswartha kämpfen die Pächter noch am Sonntag gegen die hohen Pegelstände. © Lausitznews.de/Maik Petrick

Stark betroffen war Wilthen. Am Montag war die Stadtverwaltung noch dabei, das Ausmaß der Schäden zu erfassen, berichtet Bürgermeister Michael Herfort (CDU). Er schätzt aber ab, dass die städtische Infrastruktur weitgehend in Takt geblieben sei. Demnach bleibe lediglich die Straße Am Fiebig noch vollgesperrt. Halbseitige Sperrungen gibt es an den Ortsdurchfahrten in Tautewalde und Irgersdorf. Gebäudeschäden habe es vor allem im Bereich der Mittelstraße gegeben. So berichtet Herfort, dass etwa die Betriebsstätten der Wilthener Weinbrennerei und der SLM Industrie-Service betroffen seien. In der Kfz-Werkstatt Teichert gingen die Aufräumarbeiten am Montag weiter. Noch schwerer traf es die Trainingsstätte der Sportgemeinschaft Wilthen. Dort war erst vor rund einem Jahr der Hartplatz eingeweiht worden. Der sei völlig weggespült worden, heißt es von dort.

Ebenfalls betroffen waren sämtliche Ortsteile der Gemeinde Doberschau-Gaußig. Wie Bürgermeister Alexander Fischer (CDU) sagt, habe besonders der Ortsteil Gaußig unter dem Starkregen gelitten. Dort sei der Kirchteich übergelaufen, das nahegelegene Gut und die Werkstätten deshalb betroffen. Darüber hinaus seien teils große Steinblöcke aus den Uferböschungen geschwemmt worden.

Mit den Wassermassen kämpfte auch die Nachbargemeinde Obergurig. Endgültig festlegen wollte Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU) sich am Montag nicht, aber er rechnet mit Schäden von bis zu 25.000 Euro. Immerhin: Der im Bau befindliche Hochwasserschutz im Ortsteil Blumenthal habe erste Wirkung gezeigt, so Polpitz weiter.

An der Hauptstraße in Obergurig hat das Wasser, das vom Mönchswalder Berg in den Ort drückte, die Straßenränder tief ausgespült.
An der Hauptstraße in Obergurig hat das Wasser, das vom Mönchswalder Berg in den Ort drückte, die Straßenränder tief ausgespült. © SZ/Uwe Soeder

Voraussichtlich noch bis Donnerstag werden die Einwohner des Sohlander Ortsteils Wehrsdorf die Folgen des Starkregens spüren. Hier können sich Trübstoffe im Wasser befinden, weshalb Anwohner angewiesen sind, Leitungswasser vorerst abzukochen. Es handele sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme, teilt Olaf Böhme vom Wasserversorger Kreiswerke Bautzen mit und erklärt, es könne sein, dass durch den Niederschlag Staub in das Trinkwasser gelangt sei.

Kamenz und Umgebung: Keine Hochwasser-Einsätze

In Kamenz und seinen Ortsteilen kam es am Wochenende zu keinerlei Einsätzen der Feuerwehren. „Wir hatten Glück in unserer Region. Und hoffen, dass wir auch weiterhin verschont bleiben“, so Ortswehrleiter Steffen Geisendorf.

Obschon es auch in der Pulsnitzer, Königsbrücker, Panschwitz-Kuckauer, Oßlinger und Großröhrsdorfer Region am Sonnabend stark geregnet hatte, blieb die Gegend von Überschwemmungen verschont.

Weiterführende Artikel

Kostenloses Ferienangebot für Flutopfer

Kostenloses Ferienangebot für Flutopfer

In Neukirch/Lausitz hat das Hochwasser bei 170 Haushalten Schäden hinterlassen. Jetzt lädt das Naturschutzzentrum betroffene Kinder ein.

Steinigtwolmsdorf: Acht Millionen Euro Schaden nach Hochwasser

Steinigtwolmsdorf: Acht Millionen Euro Schaden nach Hochwasser

Nach den Überschwemmungen von Mitte Juli liegt in Steinigtwolmsdorf jetzt eine erste Schadensbilanz vor. Vor allem zwei der drei Ortsteile sind betroffen.

So sind Wehren im Rödertal auf eine Flut vorbereitet

So sind Wehren im Rödertal auf eine Flut vorbereitet

Die Wetterkatastrophen im Westen Deutschlands haben auch die Einsatzkräfte überrascht. Wie schnell könnten die Feuerwehren im Rödertal reagieren?

Bischofswerda sperrt Sportplatz

Bischofswerda sperrt Sportplatz

Der Bolzplatz hinter dem Wesenitz-Sportpark in Schiebock darf vorerst nicht benutzt werden. Grund ist das Hochwasser vom vergangenen Wochenende.

Allerdings musste die für Sonnabendabend im Kloster Panschwitz-Kuckau geplante Gartennacht „Im Schein von 1.000 Lichtern“ wegen des anhaltenden Regens ausfallen. Darüber informierte Markus Schuster vom Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher Raum. „Wir haben uns kurzfristig dazu entschlossen, die Veranstaltung in den August zu verschieben“, teilte er mit.

Mehr zum Thema Bautzen