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Bye Bye, Bombardier

Das Bautzener Waggonbauwerk bekommt bald französische Chefs und damit einen neuen Namen. Hinter Betriebsratschef Gerd Kaczmarek liegt ein intensives Jahr.

Gerd Kaczmarek steht seit 14 Jahren an der Spitze des Betriebsrates im Bautzener Bombardier-Werk. In den vergangenen Monaten verhandelte er mit die Übernahme von Bombardier durch den französischen Alstom-Konzern.
Gerd Kaczmarek steht seit 14 Jahren an der Spitze des Betriebsrates im Bautzener Bombardier-Werk. In den vergangenen Monaten verhandelte er mit die Übernahme von Bombardier durch den französischen Alstom-Konzern. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Auch den Betriebsratsvorsitzenden freut so ein Auftrag, wie er wenige Tage vor dem Jahreswechsel noch dem Bautzener Bombardier-Werk ins Haus flatterte: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestellen mehr als 100 neue Straßenbahnen. Fast 50 von Bombardier rollen schon auf dem Gleisnetz der Hauptstadt, noch mehr sollen es werden.

Der Bau dieser Bahnen beginnt noch unter dem Namen Bombardier. Wenn die erste Tram Ende 2022 nach Berlin geliefert wird, ist der alte Firmenname längst Geschichte. Schon in wenigen Wochen wird der größte Industriebetrieb der Spreestadt nicht mehr zum kanadischen Schienenfahrzeugbauer gehören, sondern zum Noch-Konkurrenten Alstom mit Sitz in Frankreich. Die entscheidenden Weichen dafür wurden im zweiten Halbjahr 2020 gestellt.

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Bei den Verhandlungen immer mit dabei, in doppelter Mission: Gerd Kaczmarek. Als Zweiter Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall für Ostsachsen verhandelt er mit, wenn die Tarifpartner über Geld reden. Und als Betriebsratsvorsitzender des Bautzener Bombardier-Werkes vertritt er die Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen in den Gesprächen um die Konzernstrategie. Und da gibt es vor so einer Firmenfusion einiges zu klären.

Während Bombardier seit Jahren schwächelt und von einer Umstrukturierung in die nächste fährt, laufen die Geschäfte von Alstom solide. Der französische Schienenfahrzeugkonzern, der unter anderem die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge baut, möchte wachsen. Insofern waren die Kanadier nicht böse, als es bereits im Februar 2020 zu ersten Gesprächen über eine mögliche Fusion kam.

„Der Konzern will jede Möglichkeit nutzen, um die finanzielle Situation zu verbessern“, sagt Kaczmarek. Dass für die deutschen Bombardier-Werke in Sachsen und Brandenburg, in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg vier unterschiedliche Tarifverträge gelten, macht die Gespräche nicht einfacher.

Im Juli gab es die entscheidenden Abstimmungen mit den Wettbewerbshütern der Europäischen Union. Die EU-Kommission möchte vermeiden, dass einzelne Unternehmen auf dem europäischen Markt das alleinige Sagen haben. Um der EU-Kommission entgegenzukommen, kündigten beide Konzerne an, sich von Teilen ihrer Produktion zu trennen. Bombardier will sich vor dem Verkauf von dem Teil des Hennigsdorfer Werkes trennen, der den Regionalzug vom Typ Talent 3 baut. Mit dieser Ankündigung konnte Bombardier mögliche Bedenken der EU-Wettbewerbskommission ausräumen, denn der künftig größere Alstom-Konzern würde bei Regionaltriebwagen den Markt in Frankreich allein und in Deutschland zu rund 70 Prozent beherrschen. So eine Dominanz aber ist nicht gewollt.

Wenn Bombardier nun die Fertigung der Talent-3-Züge an einen noch nicht bekannten Konkurrenten abgibt, betrifft das auch das Bautzener Werk. Denn eigentlich hatte Bombardier geplant, dass künftig Bautzen statt Hennigsdorf diese Züge bauen soll. Dazu wird es nicht mehr kommen. „Es müssen also andere Aufträge her, um hier die Arbeitsplätze zu sichern, die für den Talent 3 gedacht waren“, erläutert Gerd Kaczmarek, der seit 14 Jahren an der Spitze des Bautzener Betriebsrates steht. Zurzeit arbeiten im Werk an der Spree etwa 1.100 Beschäftigte, davon rund 950 Bombardier-Angestellte und knapp 150 Leiharbeiter.

Der Betriebsrat und die IG Metall schauen erwartungsvoll auf die ersten Wochen des neuen Jahres. Denn spätestens im März möchte Alstom die Übernahme des Noch-Konkurrenten Bombardier abschließen. „Wir schauen darauf mit Spannung. Die Chancen überwiegen“, sagt Jan Otto, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall für Ostsachsen. Er weiß sich da einer Meinung mit Gerd Kaczmarek.

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