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Braucht Bautzen einen neuen Stausee-Radweg?

Der offizielle Rundweg führt weit ab vom Gewässer durch die Stadt. Ein Anwohner in Oehna will das ändern. Er hat eine Idee für einen neuen Abschnitt.

Rainer Schöne aus dem Bautzener Stadtteil Oehna wünscht sich einen neuen Abschnitt für den Radweg um den Stausee.
Rainer Schöne aus dem Bautzener Stadtteil Oehna wünscht sich einen neuen Abschnitt für den Radweg um den Stausee. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Rainer Schöne gibt nicht auf. Seit Jahren setzt sich der Radfahrer aus dem Bautzener Stadtteil Oehna für einen richtigen Rundweg um den Stausee ein. „Denn der jetzige führt durch die Stadt und ist damit kein Rundweg.“ Zudem würden immer wieder Familien und Rentner mit ihren E-Bikes in Oehna stranden.

Dort kommen sie zwar problemlos über die Vorstaumauer, können dann aber meist nicht mehr den teils unebenen und steilen Aufstieg mit knapp 80 Stufen bewältigen, wo Fahrräder kaum geschoben, sondern eher getragen werden müssen. Erst dort oben gelangen Radfahrer wieder auf den offiziellen Radweg, der rechts in Richtung Gesundbrunnen und links zum Campingplatz am See führt.

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Wer von Oehna über die Vorstaumauer an der Talsperre Bautzen fährt, landet an einem Hang. Der ist mit knapp 80 Stufen zu Fuß gut zu bewältigen. Aber wenn man auch noch sein Fahrrad hinaufschieben oder -tragen muss, sieht das anders aus.
Wer von Oehna über die Vorstaumauer an der Talsperre Bautzen fährt, landet an einem Hang. Der ist mit knapp 80 Stufen zu Fuß gut zu bewältigen. Aber wenn man auch noch sein Fahrrad hinaufschieben oder -tragen muss, sieht das anders aus. © SZ Grafik

Rainer Schöne schlägt vor, von diesem Radweg einen bestehenden Pfad bis zur Spitze des Flinzfelsens für Radfahrer auszubauen und von dort nach Süden in Richtung Vorsperre zu führen. Damit wäre Oehna an den Radweg am Stausee angebunden.

Auch eine Mitarbeiterin des Campingplatzes sagt: „Es wäre schön, wenn sich der Rundweg in Oehna schließen würde.“ Man höre regelmäßig, dass Radfahrer in Oehna landen und dort nicht weiterkommen. „Das liegt auch an der Beschilderung, die überhaupt nicht funktioniert.“

Einen sogenannten „Stauseerundweg“ gibt es bereits. Die Stadt Bautzen bewirbt diesen auf ihren Internetseiten. Er führt aber nicht komplett um den Stausee, denn das Stück durch Oehna bis zum Abzweig nach Neumalsitz fehlt. Stattdessen verläuft die vorgeschlagene Route von Neumalsitz, wo Radler dem See in Richtung Teichnitz den Rücken kehren, durch die Seidau bis zur Hammermühle, den Spreepark, den Stadtteil Gesundbrunnen und entlang der Vorsperre bis auf die Strandpromenade, wo dann endlich wieder der Stausee ins Blickfeld rückt.

Rainer Schöne sagt, er habe alle Seen der Lausitz befahren, aber nur in Bautzen führe der entsprechende Rundweg zum Teil durch die Stadt.

Bedenken wegen Eingriff in die Natur

Seine Bitte an die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) habe er Mitte Juni erneuert und den OB nach Oehna eingeladen, damit er sich die Sache vor Ort anschaut. „Ich habe gehört, dass der OB Radfahrer ist, und er muss für die Sache brennen. Sonst findet er wieder Gründe, das abzulehnen“, argumentiert Rainer Schöne beim Rundgang vor Ort.

Gegenüber Sächsische.de sagt Alexander Ahrens, dass auch er einen Radweg, der rund um den See nah am Gewässer entlangführt, als wünschenswert ansieht. Allerdings lasse sich der beschriebene Lückenschluss nicht so leicht umsetzen. Es wäre nicht nur eine Sache der Stadt Bautzen, sondern es müssten auch andere Orte und die Landestalsperrenverwaltung einbezogen werden.

Doch Rainer Schöne würde jetzt eigentlich erwarten, dass die Planungen beginnen. „Ehe gebaut wird, vergehen doch wieder fünf Jahre.“ Für die Planung der Spreebrücke sei schließlich auch Geld vorhanden. Das städtische Tiefbauamt hätte ihm bereits vor Jahren mitgeteilt, dass sein Vorschlag machbar wäre, auch wenn ihm bewusst ist, dass gerade das Stück vom Flinzfels‘ bis zur Vorsperre die größte Herausforderung ist. Aufgrund der Höhenunterschiede und des teils unwegsamen Geländes müsste man hier eine Trasse bauen und in die Landschaft setzen, meint Rainer Schöne. Ob der Eingriff in die Natur dann zu groß wäre, müsste natürlich geprüft werden.

Am Hang ein Aufzug für Fahrräder?

Diese Gefahr sieht auch die Bautzener Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Wir sehen das Radfahren als Zeichen der Energiewende und möchten nicht, dass durch Radwegeprojekte die Natur massiv zerstört wird“, erklärt Peter Stürzner. Wenn man den Weg direkt am Stausee haben wolle, mache das keinen Sinn, denn „der Hang müsste komplett umgebaut werden. Dass in den Bestand und die Felsformation so stark eingegriffen wird, wollen wir aber nicht unterstützen.“

Am fahrradfreundlichsten wäre laut ADFC ein Doppelaufzug am jetzigen Hang mit den Stufen. Aber „das würde keiner bauen, da es vom Bau und der Wartung her zu aufwendig ist und viel zu stark in die Natur eingreifen würde“, fügt Peter Stürzner hinzu.

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Dietmar Stange, Vorsitzender des Bautzener Tourismusvereins, kann das Anliegen von Rainer Schöne zwar nachvollziehen. „Ich hätte auch gern eine Umfahrung rund um den See.“ Aber auch er hat Bedenken wegen der Umsetzung. „Man müsste einige Höhenmeter überwinden und die Verhältnismäßigkeit sehen“, gibt Dietmar Stange zu bedenken. Wie groß ist der Nutzen und wie stark wäre der Eingriff in den Naturschutz?

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