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So wird Sächsische.de im Lockdown gemacht

Homeoffice, Video-Konferenzen und nebenbei Home-Schooling – so sieht der Arbeitstag für Journalisten aus. Wie die SZ für Bautzen und Kamenz jetzt entsteht.

Allein am Newsdesk: Redakteurin Madeleine Siegl-Mickisch sitzt im Produktionsraum der Redaktion in Bautzen, wo sonst bis zu sechs Mitarbeiter an der Print- und Online-Ausgabe arbeiten. Wegen Corona sind derzeit alle anderen im Homeoffice.
Allein am Newsdesk: Redakteurin Madeleine Siegl-Mickisch sitzt im Produktionsraum der Redaktion in Bautzen, wo sonst bis zu sechs Mitarbeiter an der Print- und Online-Ausgabe arbeiten. Wegen Corona sind derzeit alle anderen im Homeoffice. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn ich in diesen Tagen die Redaktionsräume in Bautzen betrete, begegnet mir – eigentlich nichts und niemand. In jedem der Büros sitzt höchstens ein Kollege oder eine Kollegin, wenn überhaupt. Wie Madeleine Siegl-Mickisch, die am Newsdesk - dem Herzstück der Redaktion, wo alle Nachrichten einlaufen - die Fäden zusammenhält. Normalerweise sind hier viele klappernde Tastaturen zu hören, Telefoninterviews und Gespräche zwischen den Kollegen. Auf dem Gang begegnet man fast immer jemandem, der gerade zum nächsten Termin eilt oder auf dem Weg zur Kaffeemaschine ist.

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Doch seit November arbeitet die Redaktion wieder im Corona-Sonder-Betrieb. Wann immer es möglich ist, arbeiten wir von zu Hause aus. Die Kommunikation läuft größtenteils über E-Mail, Messenger und Telefon. Einmal wöchentlich treffen wir uns in einer Videokonferenz, um die Themen für die kommende Woche zu besprechen. Vielen von uns fehlt der persönliche Austausch, das Gespräch zwischendurch. Aber es hat auch Vorteile, wie Timotheus Eimert meint: „Ich habe das Gefühl, dass die Kommunikationswege klarer sind.“

Corona als Dauerthema in allen Lebensbereichen

Interviews werden, wenn möglich, telefonisch geführt. Oder ebenfalls via Videokonferenz – wenn sich mitunter auftretende technischen Störungen und Audioprobleme überwinden lassen. „Ich habe in 40 Jahren noch nie so viel über Telefon und E-Mail recherchiert wie jetzt“, sagt mein Kollege Tilo Berger. Es ist anders, den Interviewpartnern nicht in ihrem Laden, in ihrer Schule oder auf der Baustelle zu begegnen. Man kann die Umgebung und Atmosphäre nicht kennenlernen, bekommt keinen direkten Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort.

Oft, so habe ich den Eindruck, klingen die Stimmen am Telefon leiser als sonst – gerade, wenn es um Corona geht. Manchmal scheint es aber auch, dass einige Menschen froh sind, wenn sie mal etwas von ihrer Situation erzählen können und jemand zuhört. Diese Erfahrung hat auch die Kamenzer Reporterin Ina Förster gemacht: „Die Menschen wollen reden und erzählen mehr am Telefon als sonst.“ Manche Termine werden aber auch abgesagt, weil sie unter den derzeitigen Bedingungen nicht möglich sind oder jemand in Quarantäne ist.

SZ-Volontär Timotheus Eimert arbeitet wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen derzeit im Homeoffice. Für Termine kommt er dennoch regelmäßig nach Bautzen und Bischofswerda.
SZ-Volontär Timotheus Eimert arbeitet wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen derzeit im Homeoffice. Für Termine kommt er dennoch regelmäßig nach Bautzen und Bischofswerda. © privat

Gerade im November kam es mir so vor, als gebe es keine anderen Themen mehr als Corona. Inzwischen gibt es auch wieder andere Geschichten zu erzählen, aber irgendwie steckt Corona meistens trotzdem noch darin. „Ich finde es jetzt fast einfacher, Themen zu finden“, sagt Timotheus Eimert. „Corona spielt in so vielen Lebensbereichen eine Rolle. Ich finde es wichtig, diese auch in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Und zugleich ist es eine schöne Herausforderung für mich, die Geschichten zu finden und zu erzählen, die Mut machen.“

Gespaltene Meinung zu Corona zeigt sich deutlich

Redaktionsleiter Ulli Schönbach sieht vor allem, dass wir in unserer Berichterstattung schneller und aktueller geworden sind. „Es gibt ein großes Bedürfnis nach Informationen. Die aktuellen Entwicklungen betreffen die Leser direkt in ihrem Alltag. Das hat bei uns das Gefühl dafür, was unsere Leser bewegt, noch einmal geschärft.“ Über unseren Newsblog informieren wir deswegen immer aktuell über die neuesten Entwicklungen rund um Corona im Landkreis Bautzen.

Aber auch die Organisation von Interview-Terminen ist anders geworden. „Man bekommt direkt mit, wie die Gesellschaft gespaltener wird“, meint meine Kollegin Theresa Hellwig. Sie habe es schon öfter erlebt, dass Menschen sich nicht zu Corona äußern oder nicht mit ihrem Namen genannt werden wollten, weil sie Angst vor Anfeindungen haben. „Und viele Fakten werden infrage gestellt. Da fühlt man sich oft machtlos“, sagt sie. Aber sie prüfe auch ihr journalistisches Arbeiten immer wieder – noch mehr als ohnehin schon, um die Zusammenhänge so treffend wie möglich zu beschreiben. „Und um Leute nicht über einen Kamm zu scheren, die nicht über diesen Kamm gehören.“

Die Erfahrungen mit dem Homeoffice sind verschieden

Für Land-Reporterin Franziska Springer hat sich an der Arbeitsweise nicht viel verändert. Sie ist noch immer fast jeden Tag in den Gemeinden im Landkreis unterwegs. „Aber ich habe mir jetzt extra einen Bürostuhl gekauft, nachdem ich am Heimarbeitsplatz Rückenschmerzen bekommen habe“, erzählt sie lachend. Zumindest sei es nun im zweiten Lockdown unkomplizierter, die Leute vor Ort zu treffen, weil man weiß, wie es möglich ist – mit Abstand und Maske.

Auch im Arbeitsalltag von SZ-Fotograf Uwe Soeder hat sich nicht viel verändert. Aber: „Oft ist es für mich effektiver, wenn ich zwischen den Terminen im Homeoffice arbeiten kann und nicht erst in die Redaktion muss. Bei dem großen Bereich, den ich als Fotograf abdecke, kann ich so Zeit und Wege sparen.“ Tilo Berger findet ein gutes Zeitmanagement im Homeoffice wichtig. "Es gibt nämlich zwei Versuchungen: keinen Anfang und kein Ende zu kennen, weil der Arbeitsweg wegfällt und man praktisch jederzeit arbeiten kann."

Den Tag gut zu strukturieren ist auch für Ina Förster wichtig. Seit Dezember betreut sie neben der Arbeit noch ihren Drittklässler zu Hause. "Das ist schon manchmal nicht ganz einfach, aber ich finde, wir können froh sein, dass wir überhaupt arbeiten können", sagt sie.

Sehnsucht nach direktem Austausch

Für die Arbeit der Redaktion war der Schritt hin zur Digitalisierung ohnehin dran, wie Redaktionsleiter Ulli Schönbach sagt. „Wir werden das mobile Arbeiten beibehalten. Sodass die Reporter mehr Zeit bei den Menschen vor Ort verbringen und weniger in der Redaktion.“ Dass die schnelle und aktuelle Berichterstattung über den digitalen Weg von vielen Lesern genutzt wird, findet er motivierend, um diese weiterzuverfolgen.

Trotzdem ist die Hoffnung groß, bald wieder mehr persönlich und vor Ort über die Themen im Landkreis berichten zu können. Eine Atmosphäre einfangen und aufschreiben zu können. Sich direkt mit den Kollegen auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Hin und wieder zusammen Mittag zu essen. Und mal wieder über andere Themen als Corona zu berichten.

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