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Cunewalder Physiotherapie mit neuem Inhaber

Marcus Pelka hat die Praxis am Cunewalder Kirchweg übernommen und ist jetzt Chef von insgesamt 16 Mitarbeitern. Was er beibehalten und was er ändern will.

Marcus Pelka betreibt seit 1. September die Physiotherapie-Praxis am Cunewalder Kirchweg.
Marcus Pelka betreibt seit 1. September die Physiotherapie-Praxis am Cunewalder Kirchweg. © Steffen Unger

Cunewalde. Um zur Praxis von Marcus Pelka zu gelangen, muss man die Hauptstraße in Cunewalde verlassen. Steil bergan geht es dann durch enge Gassen bis an den Fuß des Czorneboh. Dort, kurz vor der Waldkante, in der Kirchstraße 15, hat der gelernte Physiotherapeut und Berufsschullehrer seit 1. September sein neues Domizil.

Die Praxis im ehemaligen DDR-Ambulatorium ist bereits die vierte, die der 32-Jährige als Inhaber leitet. Er erzählt: "Aufgewachsen bin ich in Singwitz, habe in Görlitz Physiotherapeut gelernt. In Kubschütz bin ich dann in den Beruf eingestiegen." Die dortige Praxis, die er "eine Riesen-Immobilie" nennt, übernahm er am 1. Januar 2019. Weitere folgten - in Löbau und Malschwitz.

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Insgesamt 16 Angestellte beschäftigt Marcus Pelka inzwischen. In Cunewalde will er zunächst klein beginnen - anfangs mit einer Physiotherapeutin und einer Beschäftigten an der Anmeldung. In Zukunft sollen drei bis vier Mitarbeiter hier arbeiten.

Nachfolge klappte erst im zweiten Anlauf

Langjährigen Physiotherapiekunden ist die Adresse Kirchweg 15 in Cunewalde nicht unbekannt: 30 Jahre lang betrieb Veronika Grosche hier ihre Massagepraxis als selbstständige Physiotherapeutin. Sie ist erleichtert, ihr Lebenswerk nunmehr in guten Händen zu wissen, denn der erste Versuch ging schief: Bereits am 1. Januar 2020 übergab Grosche ihre Praxis und ihren Patientenstamm an jemanden, ging in den Ruhestand. "Leider gingen meine Wünsche für die Weiterführung der Praxis nicht in Erfüllung, weil es diverse Schwierigkeiten gab", führt sie dazu mit schwungvoller Handschrift in einem Brief aus.

Alte Geschichten aufwühlen, gar ins Detail gehen, will sie aber nicht. Denn ihre Hoffnung, mit Marcus Pelka endlich den richtigen Nachfolger gefunden zu haben, ist groß. Und auch er wirkt motiviert: "Es wäre schade gewesen, wenn die alten Räume ungenutzt geblieben wären. Es ist niedlich hier und familiär. Das macht den Charme der Praxis aus."

Übernahme beim Handballtraining besprochen

Auf die Räume am Kirchweg wurde Marcus Pelka durch einen Zufall aufmerksam. Er erklärt: "Ich spiele gemeinsam mit Michael Grosche, dem Sohn meiner Vorgängerin, Handball. Er hat mich angesprochen, ob ich die Praxis nicht übernehmen will."

Dessen Einsatz für das mütterliche Unternehmen kommt nicht von ungefähr. Michael Grosche erzählt: "Meine Mutter hatte bereits früher eine kleine Praxis in dem Ambulatorium. Damals gab es dort noch einen Zahnarzt, zwei Ärzte und Fußpflege. Irgendwann standen bestimmte Teile der Einrichtung leer. Die Gemeinde Cunewalde konnte das Gebäude nicht ertüchtigen. Also haben wir es gekauft." Auf die Anschaffung folgten etwa in den Jahren 2005 und 2006 umfangreiche Umbauarbeiten. Die alte Baracke bekam ein Obergeschoss.

An diese Zeit erinnert sich Veronika Grosche gern zurück. Denn umgebaut wurde bei laufendem Betrieb: "Das Schönste war, wenn die Männer unsere Patientinnen zur Behandlung brachten. Während wir uns um die Frauen kümmerten, verschwanden die Männer irgendwo auf der Baustelle."

2005/2006 wurde die Baracke am Cunewalder Kirchweg, die zu DDR-Zeiten ein Ambulatorium beherbergte, umgebaut und bekam ein Obergeschoss. So präsentiert sich das Gebäude heute.
2005/2006 wurde die Baracke am Cunewalder Kirchweg, die zu DDR-Zeiten ein Ambulatorium beherbergte, umgebaut und bekam ein Obergeschoss. So präsentiert sich das Gebäude heute. © Steffen Unger

Vier Behandlungsräume betreibt Marcus Pelka vorerst in Cunewalde. In absehbarer Zeit soll außerdem ein Sportraum für Gruppenkurse hinzukommen. Dass mit der Übernahme nunmehr die vierte Praxis für Physiotherapie in Cunewalde existiert, macht Pelka keine Angst. Auf die Frage, ob der Bedarf in der rund 4.600 Einwohner zählenden Gemeinde nicht allmählich gedeckt sei, schüttelt er den Kopf und erklärt: "Die Nachfrage ist da", sagt er bestimmt. Die Leute, die er in seinen Praxen behandelt, werde immer jünger, hat er beobachtet. Darüber hinaus steige der Anteil an Selbstzahlern. Für Pelka ist klar: "Die Leute sind zunehmend bereit, auch Geld für sich und ihre Gesundheit auszugeben."

Um die Nachfrage potenzieller Kunden macht er sich deshalb keine Sorgen - auch weil viele Patienten von Veronika Grosche während der kurzzeitigen Schließung der Cunewalder Praxis bereits in seine Einrichtung nach Kubschütz gekommen seien. Mehr Sorge macht dem neuen Inhaber die Situation auf dem Ausbildungsmarkt: "Physiotherapeuten bekommen in der Lehre kein Geld - höchstens Bafög", erklärt er, weshalb die Nachfrage nach dem Beruf in den vergangenen Jahren immer weiter geschwunden sei.

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Berufsschullehrer Marcus Pelka konnte viele seiner ehemaligen Schüler nach Abschluss ihrer Ausbildung in einer seiner Einrichtungen beschäftigen - und kann ihnen heute auch mehr bieten, als mache kleinere Praxis. "In so einem großen Team kann ich meinen Leute auch mal anbieten, den Standort zu wechseln", nennt er ein Beispiel.

Die Praxis in Cunewalde will er nach und nach seinen Vorstellungen entsprechend einrichten. Einen fünfstelligen Betrag, schätzt er, wird er dafür in der nächsten Zeit ausgeben.

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