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Döberkitz: Was wird aus dem Rittergut?

1,5 Millionen Euro investierte der Landkreis Bautzen in die Sanierung des Herrenhauses, wo zeitweise Geflüchtete wohnten. Doch nun steht es leer.

Für etwa 1,5 Millionen Euro ließ der Landkreis das Döberkitzer Herrenhaus 2016 sanieren. Nun liegt es brach.
Für etwa 1,5 Millionen Euro ließ der Landkreis das Döberkitzer Herrenhaus 2016 sanieren. Nun liegt es brach. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ruhig und verschlafen liegt die kleine Ortschaft Döberkitz da. Die Zufahrt zum Herrenhaus in dem Bautzener Ortsteil versperrt ein eisernes Tor. Die Fenster des dreistöckigen Hauses starren leer in die Landschaft. Zuletzt waren hier unbegleitete minderjährige Geflüchtete untergebracht. Deren Anzahl wurde immer weniger. Wie der Landkreis bestätigt, wurde das Heim aus diesem Grund zum 31. Juli dieses Jahres geschlossen.

Am Dienstagmorgen putzt eine Nachbarin in der morgendliche Ruhe ihre Fenster. Sie sei froh, sagt sie, dass das Heim geschlossen sei. "Wir haben schon einige Male wegen nächtlichen Lärms angerufen", erinnert sie sich und verteidigt diesen Schritt: "Wir müssen früh raus." Früher, fährt sie fort, als das Haus noch ein Wohnheim für behinderte Menschen war, sei es anders zugegangen: "Die Behinderten waren wie Familie. Und sie hatten es gut hier. Konnten spazieren gehen, waren integriert. Jetzt sitzen sie in dem Neubau an der Neusalzaer Straße in Bautzen."

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Und mehr noch erzählt die Frau: Seit jeher habe die Diakonie, die das Heim damals betrieben habe, versucht, Umbauten an der Immobilie vorzunehmen. Die Frau deutet auf das Haus und sagt: "Feuertreppe, Feuerwehrzufahrt, das war alles gar nicht denkbar. Wegen des Denkmalschutzes. Plötzlich war es möglich."

Landkreis ließ die Immobilie für viel Geld sanieren

Mit "plötzlich" meint sie die Jahre 2015 und 2016. Im November 2015 zogen die ersten minderjährigen Geflüchteten in ein Nebengebäude des 1699 erstmals urkundlich erwähnten Rittergutes - absolut nicht nachvollziehbar für die Anwohnerin, die fragt: "Was sollen diese jungen Menschen hier mittelst auf dem Dorf? Ohne Auto und ohne Möglichkeit, mal wegzukommen?"

Nach Ankunft der ersten geflüchteten Jugendlichen ließ der Landkreis in Windeseile das Herrenhaus ertüchtigen, investierte dafür rund 1,5 Millionen Euro, wie aus einer Anfrage der Kreistagsfraktion der Linken hervorgeht. Rund 1,35 Millionen Euro kamen dafür aus Fördertöpfen. Ab September 2016 wurde das Gebäude für die Unterbringung zweier Wohngruppen genutzt, teilt das Landratsamt mit. Zuletzt wohnten dort ab 2020 nur noch neun Jugendliche. Als auch die gegangen waren, wurden die noch nutzbaren Einrichtungsgegenstände in andere Jugendhilfeeinrichtungen gebracht. Seit der Schließung liegt die Immobilie brach.

Muss der Landkreis Fördermittel zurückzahlen?

Langfristig und umfangreich bemühte sich der Landkreis Bautzen laut eigener Aussage um eine Nachnutzung des intakten Gebäudes. Eine neue Nutzung, heißt es weiter, habe dennoch bislang nicht gefunden werden können. "Auch aktuelle Bedarfsabfragen im sozialen Bereich brachten hier bislang keinen Erfolg", teilt Frances Lein von der Pressestelle des Landratsamtes weiter mit. Sollte eine Folgenutzung dauerhaft nicht gefunden werden, heißt es weiter, "wäre die Veräußerung des landkreiseigenen Objektes eine Handlungsoption".

In diesem Fall aber droht dem Landkreis eine Verpflichtung zur Rückzahlung wenigstens eines Teils der Fördermittel, ist der Antwort auf die Anfrage der Linken-Kreistagsfraktion zu entnehmen.

Wenn es nach der Anwohnerin aus Döberkitz geht, wäre das absolut überflüssig: "Für eine Pflegeeinrichtung - ganz egal, ob für behinderte oder alte Menschen - eignet sich das Haus doch jetzt wunderbar", sagt sie. Immerhin sei drinnen alles schick, und so käme wenigstens wieder etwas Leben ins Dorf: "Schließlich wohnen hier doch nur noch drei Menschen."

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