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Notfall am Badesee: So handeln Sie richtig

Jedes Jahr verunglücken Menschen beim Baden. Andreas Hentschel von der DRK-Wasserwacht in Bautzen erklärt, wie man sich und andere schützen kann.

Im Bautzener Spreebad üben die Retter der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Bautzen unter Anleitung von Ausbilder und Jugendwart Andreas Hentschel (links) den Ernstfall.
Im Bautzener Spreebad üben die Retter der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Bautzen unter Anleitung von Ausbilder und Jugendwart Andreas Hentschel (links) den Ernstfall. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Kein Sommer vergeht ohne Nachrichten wie diese: Innerhalb weniger Tage verunglückten Ende Juni drei Menschen allein in Ostsachsen beim Baden tödlich. Vom Olbasee und von der Kiesgrube in Niesendorf kam je ein 80-jähriger Mann vom Baden nicht zurück. Am Berzdorfer See bei Görlitz verstarb ein 19-Jähriger nach der Reanimation. Andreas Hentschel ist Rettungsschwimmer, Ausbilder und Jugendwart bei der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Bautzen. Sächsische.de sprach mit ihm darüber, wie es immer wieder zu solchen Unglücken kommen kann und hat nachgefragt, was jeder tun kann, um sich und andere zu schützen.

Herr Hentschel, mussten Sie schon einmal jemanden vor dem Ertrinken retten?

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Mit einem Menschen, der kurz vor dem Ertrinken gestanden hat, war ich bislang noch nicht konfrontiert. Aber wir hatten mal einen Fall, wo wir einen jungen Patienten mit einer lebensgefährlichen Unterkühlung aus dem Wasser holen mussten. Zum Glück ging alles glimpflich aus.

Seit 2018 ist Andreas Hentschel für die DRK Wasserwacht im Einsatz, übernimmt etwa ehrenamtlich Dienste als Rettungsschwimmer am Olbasee.
Seit 2018 ist Andreas Hentschel für die DRK Wasserwacht im Einsatz, übernimmt etwa ehrenamtlich Dienste als Rettungsschwimmer am Olbasee. © SZ/Uwe Soeder

Heißt das, solch gefährliche Situationen sind seltener, als man wahrnimmt?

Man muss zwischen Ertrinkungs- und Badeunfällen unterscheiden. Bei Ertrinkungsunfällen stirbt der Patient, weil er Wasser in die Atemwege oder die Lunge bekommen hat. Badeunfälle haben medizinische Ursachen - also Zwischenfälle, bei denen das Wasser nicht primär die Ursache ist. Diese passieren deutlich häufiger als Ertrinkungsunfälle

In vielen dieser Zusammenhänge hört man oft von "stillem Ertrinken" - was versteht man darunter?

Stilles Ertrinken kommt eher bei Kindern vor. Wenn sie mit dem Kopf ins Wasser fallen, kann der Körper beispielsweise reflexartig mit einem Stimmritzenkrampf reagieren. So kann keine Luft mehr in die Lunge gelangen. Das Kind erstickt dann, ohne sich bemerkbar zu machen.

Nun waren ja die Badetoten in diesem Jahr allesamt keine Kleinkinder. Wie konnten sie trotzdem weitestgehend unbemerkt sterben?

Auch bei medizinischen Ursachen, etwa bei Herzinfarkten, werden die klassischen Ertrinkungsphasen nicht durchlaufen - man hat also weniger Möglichkeiten, auf den Betroffenen aufmerksam zu werden.

Wenn also jemand zu ertrinken droht, merkt man das auch als Laie vom Strand aus?

Ja. Jemand, dem etwa die Kraft ausgegangen ist, wird während der Erregungsphase, der ersten Phase des Ertrinkens, versuchen, um Hilfe zu rufen und sich gegen den Ertrinkungstod zu wehren. Diese Phase ist, genau wie die nachfolgende Krampfphase, auch für Retter gefährlich. Dann sollte man nicht an den Patienten heranschwimmen, weil es zur Umklammerung kommen kann. In der Lähmungsphase geht der Patient schließlich unter.

Wie viel Zeit hat man, um jemanden vor dem Ertrinken zu retten?

Im Idealfall erreicht man den Patienten noch vor der Erregungsphase. Da ist er ansprechbar und kann mithelfen. In jedem Fall sollten auch erfahrene Retter Hilfs- oder Rettungsmittel einsetzen - irgendetwas, woran der Patient sich festhalten kann. Das ist eine Frage von Minuten. Voraussetzung ist natürlich immer, dass man den drohenden Ertrinkungstod auch erkennt.

Hilfsmittel, wie diese schwimmende Rettungstrage, sind im Ernstfall wichtig, damit die Retter nicht selbst unter Wasser gezogen werden. Ist solch professionelles Gerät nicht greifbar, helfen auch eine Luftmatratze oder ein Ball.
Hilfsmittel, wie diese schwimmende Rettungstrage, sind im Ernstfall wichtig, damit die Retter nicht selbst unter Wasser gezogen werden. Ist solch professionelles Gerät nicht greifbar, helfen auch eine Luftmatratze oder ein Ball. © SZ/Uwe Soeder

Ein Ertrinkungstod ist also relativ gut zu bemerken. Wie sieht es mit medizinischen Notfällen aus?

Dabei sind auch Rettungsschwimmer darauf angewiesen, dass eine Begleitperson am Strand das Verschwinden bemerkt. Nur dann können die Rettungsschwimmer noch reagieren, rausfahren, den Notarzt verständigen und reanimieren.

Was muss ich als Badegast beachten, wenn ich an einem Waldsee, einer Kiesgrube oder einem Steinbruch baden gehe?

Viele Ursachen für Ertrinkungsunfälle lassen sich vermeiden. Es ist ratsam, nur an ausgewiesenen Badegewässern baden zu gehen. Wichtig ist, sich nicht selbst zu überschätzen. Unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen sollte man nie schwimmen gehen und auch, wenn der Körper mit der Verdauung beschäftigt ist, ist er geschwächt.

Wie sollten Badegäste reagieren, wenn sie jemanden im Wasser bemerken, der offensichtlich Hilfe braucht?

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Man sollte sich selbst nie in Gefahr bringen, sondern zuerst einen Notruf absetzen. Wenn man ins Wasser geht, sollte man geeignete Hilfsmittel mitnehmen. Das kann alles sein, was schwimmt. Erst wenn der Betroffene sich beruhigt hat, sollte man ihn anschwimmen.

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