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Edeka kommt nach Schirgiswalde

Die Unternehmensgruppe hat das einstige Halatex-Gelände gekauft. Dass dort ein Supermarkt entstehen soll, sorgt in der Stadt für Freude - und auch Kritik.

Edeka kündigt den Bau eines Einkaufsmarktes in Schirgiswalde an. Das sorgt in der Stadt sowohl für Begeisterung als auch für Zukunftsangst.
Edeka kündigt den Bau eines Einkaufsmarktes in Schirgiswalde an. Das sorgt in der Stadt sowohl für Begeisterung als auch für Zukunftsangst. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Schirgiswalde-Kirschau. Sohland hat drei, Wilthen ebenfalls drei, in Kirschau gibt es immerhin einen. In Schirgiswalde allerdings sucht man vergeblich. Die Rede ist von Supermärkten und Discountern. Doch für die reichlich 2.500 Schirgiswalder, die für den Wocheneinkauf bereits seit Jahren in die Nachbarorte ausweichen müssen, naht Abhilfe: In der jüngsten Stadtratssitzung verkündete Bürgermeister Sven Gabriel (FDP), die Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen (NST) habe das ehemalige Halatex-Gelände an der Sauerstraße in Schirgiswalde von privaten Eigentümern erworben.

Edeka habe in Verbindung mit dem Kauf die Absicht signalisiert, auf dem leerstehenden Areal einen Einkaufsmarkt zu errichten, teilte der Bürgermeister weiter mit. Welcher Markt konkret entstehen soll, sei derzeit noch offen. Neben einem Edeka wäre etwa auch ein Netto möglich, denn der Lebensmitteldiscounter ist ein Tochterunternehmen von Edeka. Darüber hinaus sei das Grundstück viel zu groß, um nur einen reinen Supermarkt zu bauen. "Darüber zu spekulieren, was auf dem Areal außerdem noch entstehen kann, würde aber bedeuten, über ungelegte Eier zu sprechen", so Sven Gabriel weiter.

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Planungen dauern noch mindestens zwei Jahre

Auch Jan Hašek, Regionalleiter für Expansion und Immobilien bei der Edeka-Regionalgesellschaft, hält sich bezüglich der Pläne vorerst noch bedeckt. Er teilt auf Anfrage von Sächsische.de mit, man sei ständig bemüht, das Filialnetz zu optimieren, und habe deswegen ein gesteigertes Interesse an dem Grundstück an der Sauerstraße, das immerhin schon lange brachliege. Um die Möglichkeiten einer Ansiedlung zu prüfen, werde die Fläche jetzt unter die Lupe genommen. Mit einem konkretem Vorschlag sei aber erst in zwei bis drei Jahren zu rechnen. 

Die Edeka-Gruppe hat das Halatex-Areal in Schirgiswalde erworben. Bis hier ein Markt entsteht, dauert es noch mindestens zwei Jahre.
Die Edeka-Gruppe hat das Halatex-Areal in Schirgiswalde erworben. Bis hier ein Markt entsteht, dauert es noch mindestens zwei Jahre. © Stadtverwaltung

Die Neuigkeit jedenfalls sorgte bereits jetzt auf der Facebook-Seite der Stadt für mehrheitliche Begeisterung: "Durch die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes werden der Ortskern weiter belebt und vor allem unsere Stadt als Lebens- und Arbeitsstandort noch attraktiver", ist dort vonseiten der Verwaltung zu lesen. Es sei richtig und wichtig, dass in das Vorhaben Bewegung komme, kommentiert daraufhin ein Nutzer. Eine weitere Kommentatorin schreibt: "Ich finde es gut, besonders für die Einwohner, die nicht Auto fahren können!"

Einzelhändler fühlen sich von Handelsketten bedroht

De facto fehlt es in der Stadt an einer größeren Einkaufsgelegenheit, seit der Penny-Markt am Lärchenberg Ende 2016 dichtmachte. Der Grund für die Schließung war nach Aussagen des Unternehmens damals ein Mangel an Kunden. Der Markt habe zwar keine roten Zahlen geschrieben, der Umsatz sei aber zu gering gewesen. Um einzukaufen, steigen seither die meisten Schirgiswalder ins Auto. Dass die Aussicht auf einen Nahversorger nahe des Stadtzentrums Zuspruch findet, verwundert da kaum.

Doch auch kritische Stimmen zur Neuansiedlung werden laut. Christina Kloß von der gleichnamigen Bäckerei etwa findet die Aussicht auf einen weiteren Bäcker im Ort "nicht so prickelnd". Die Backshops, die es in immer mehr Supermärkten gibt, sagt sie, machen dem Handwerksbetrieb das Leben ohnehin schon schwer genug. Die Preise, die dort für Backwaren aufgerufen werden, könne die Kloß-Mühle nicht bieten. "Wir verarbeiten nun einmal keine Teiglinge. Bei uns entsteht noch alles in Handarbeit", sagt Christina Kloß. Das aber interessiere immer weniger Leute - ob aus Bequemlichkeit oder Geiz. Fakt sei: "Bei jedem Laden, der schließt, wird geschimpft. Aber ihren Beitrag gegen das Ladensterben leisten die Leute auch nicht", beklagt die Chefin des Familienunternehmens.

Regelrecht frustriert klingt Carsten Mildner aus der gleichnamigen Fleischerei am Schirgiswalder Markt. Die Innenstädte, sagt er, verödeten bereits seit Längerem. Die kleinen Einzelhändler seien darüber hinaus ohnehin schon von allen Seiten durch die großen Ketten umzingelt. Er sagt: "Wir sterben so oder so. Ob mit oder ohne Edeka."

Supermarkt-Ansiedlung als Chance für kleine Läden?

Das Ehepaar Maria und Gregor Hocke, das mit dem Markt am Kirchberg den letzten verbliebenen Lebensmittelladen in der Stadt betreibt, hat sich indes schon Gedanken über die Zukunft gemacht. "Mein Mann wird in zwei Jahren 65", erklärt Maria Hocke. "Wir überlegen, ob wir den Laden schließen, sobald Edeka kommt, oder aber, ob wir uns auf unsere Besonderheiten beschränken - also auf Regionales, wie unsere frischen Eier oder die Erzeugnisse aus dem Spreewald." Einen Supermarkt in Schirgiswalde - das findet sie schon gut. Ein Lidl wäre ihr allerdings lieber gewesen, denn dafür müsse man derzeit noch bis Neukirch oder gar Bautzen fahren.

Bürgermeister Sven Gabriel versteht die Bedenken der Gewerbetreibenden und kündigte bereits in der Stadtratssitzung an, mit den Einzelhändlern in Kontakt zu treten. Bei den Gesprächen solle es um die Frage gehen, was man tun könne, um die Supermarkt-Ansiedlung zur Chance für die kleineren Läden vor Ort zu machen, erklärte er im Anschluss und appellierte, nicht immer nur das Negative an einer solchen Entwicklung zu sehen. Er findet: "Es sind ja noch mindestens zwei Jahre Zeit bis zur Eröffnung. Die sollten wir für eine Planung nutzen."

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