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Endlager: Neue Erkenntnisse für den Kreis Bautzen

Sachsens Umweltamt hat geprüft, wo im Freistaat die Bedingungen für ein Atommüll-Endlager stimmen. Der Kreis Bautzen bleibt im Rennen – mit Ausnahmen.

Große Teile des Landkreises Bautzen bieten aus geologischer Sicht einen geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager.
Große Teile des Landkreises Bautzen bieten aus geologischer Sicht einen geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager. © dpa-Zentralbild

Bautzen. Die Suche nach einem Endlager für Atommüll sorgt seit Jahrzehnten für Streit. Erst im Herbst hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) einen Bericht veröffentlicht, der zeigt, wo in Deutschland überall die geologischen Gegebenheiten für ein solches Endlager passen könnten. Mit darunter: weite Teile der Oberlausitz.

Nun hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) den Bericht der BGE geprüft – und eine Stellungnahme zur Lage in Sachsen veröffentlicht. Die Experten kommen dabei zu einem anderen Ergebnis als die BGE. Was das jetzt für den Kreis Bautzen bedeutet.

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Was ist das Ergebnis der sächsischen Stellungnahme?

Die BGE hat in ihrem Bericht in Sachsen Teilgebiete, die sich als Standort für ein Endlager eignen könnten, mit einer Gesamtfläche von 11.526 Quadratkilometern ausgewiesen. „Die fachliche Prüfung durch den Staatlichen Geologischen Dienst des LfULG ergab, dass circa 6.155 Quadratkilometer dieser Gesamtfläche nicht die erforderlichen Kriterien nach dem Standortauswahlgesetz erfüllen“, erklärt LfULG-Sprecherin Karin Bernhardt.

Wie das kommt? Für ein Endlager werden drei Gesteinsarten in Betracht gezogen: Steinsalz, Tonstein und kristallines Wirtsgestein. „Wichtig ist, dass das Gestein die Ausbreitung von Radionukliden verhindert und temperaturbeständig ist, da hochradioaktiver Abfall Wärme produziert“, sagt Karin Bernhardt.

An einigen Orten in Sachsen sei aber anderes Gestein vorhanden, als die BGE ausgewiesen habe. „Bei einer entsprechenden Korrektur würde sich die Fläche der potenziellen Teilgebiete in Sachsen von aktuell 62 Prozent auf 29 Prozent der Landesfläche reduzieren“, erklärt die LfULG-Sprecherin.

Die Unterschiede resultieren daraus, „dass die BGE die Gesteinsvorkommen bei der Ausweisung der Teilgebiete nicht detailliert genug herangezogen hat. Es wurde zu sehr vereinfacht“, erklärt Karin Bernhardt.

Welches Wirtsgestein gibt es im Landkreis Bautzen?

Tatsächlich tritt im Landkreis Bautzen großflächig kristallines Wirtsgestein auf; also Gestein, in dem ein Endlager möglich sein könnte. „Kristallines Wirtsgestein weist eine kompakte Struktur von miteinander verzahnten Kristallen auf. Es ist sehr fest, was sich günstig auf die Langzeitstabilität des Endlagers auswirkt“, erklärt die LfULG-Sprecherin. Außerdem sei kristallines Gestein nur sehr gering wasserlöslich oder -durchlässig. So könnten nur wenige oder gar keine Radionuklide in die Umwelt gelangen. Auch hohe Temperaturen halte das Gestein aus.

Aber es gebe auch Punkte, die gegen kristallines Wirtsgestein als Ort für ein Endlager sprechen: „Nachteilig ist, dass sich in kristallinem Wirtsgestein ein Kluftnetz ausbilden kann. Entlang dieser Klüfte können Fluide zirkulieren, sodass Radionuklide aus dem Endlager heraustransportiert werden könnten“, sagt Karin Bernhardt. Deshalb müsse bei der Betrachtung von kristallinem Wirtsgestein auch bewertet werden, wie zerklüftet das Gestein ist.

Wie stellt sich die Lage im Landkreis nun konkret dar?

Von der BGE sind 78 Prozent der Fläche des Landkreises Bautzen als für ein Endlager passend ausgewiesen worden. Der Geologische Dienst des LfULG schätzt die Gesamtfläche als kleiner ein und geht davon aus, dass nur 56 Prozent der Fläche dafür in Betracht gezogen werden können.

Zum selben Ergebnis kommen sowohl LfULG als auch BGE beispielsweise mit Blick auf den Westen von Kamenz und Teile des Haselbachtals: Dort wäre kein Endlager möglich. Auch durch andere Gemeinden und Städte, wie Elstra, Demitz-Thumitz, Doberschau-Gaußig und Wilthen, ziehen sich Gesteinsarten, die kein Endlager zulassen würden.

Ebenfalls zum selben Ergebnis kommen die beiden Institutionen in Bezug auf die Gemeinden Nebelschütz, Ralbitz-Rosenthal, Neschwitz, Malschwitz und Teile der Stadt Bautzen. Hier wäre demnach passendes Gestein vorhanden.

Alle weißen Flächen hat die BGE bereits als Endlager ausgeschlossen. Farbig markiert sind jene Orte, die laut der BGE in Frage kommen. In den roten Bereichen schätzt das LfULG das aber anders ein.
Alle weißen Flächen hat die BGE bereits als Endlager ausgeschlossen. Farbig markiert sind jene Orte, die laut der BGE in Frage kommen. In den roten Bereichen schätzt das LfULG das aber anders ein. © SZ Grafik

Vor allem im Norden des Landkreises kommt das LfULG aber zu einem anderen Ergebnis als die BGE. Dort gibt es viel sedimentäres Gestein, das porös ist, erklärt Karin Bernhardt. Radionuklide könnten dort ins Freie gelangen. In einer Grafik hat das LfULG deshalb die Städte Bernsdorf und Lauta, Teile von Hoyerswerda sowie die Gemeinden Elsterheide und Lohsa rot markiert.

Und auch durch Großdubrau, Teile von Bautzen und Göda zieht sich ein Streifen von Gestein, das nach LfULG-Einschätzung nicht infrage für ein Endlager kommt – laut BGE-Bericht hingegen schon. „Hier verläuft eine Störungszone, die sogenannte Bautzenstörung“, erklärt Karin Bernhardt. Eine solche aktive Tektonik sei ein Ausschlusskriterium nach dem Standortauswahlgesetz.

Kommt der Kreis nun noch als Endlager infrage?

Ja, der Kreis Bautzen kommt noch immer für ein Atommüll-Endlager infrage – wie die anderen als passend bewerteten Gebiete auch. „Die Gebiete fallen mit unserer Fachstellungnahme nicht einfach weg. Wie damit weiter verfahren wird, liegt nicht in unserer Hand“, erklärt Karin Bernhardt. Dennoch: Vor allem im nördlichen Teil des Landkreises sei das Gestein ungeeignet für ein Endlager.

Wie geht es jetzt weiter mit der Endlagersuche?

Die Endlagersuche ist Aufgabe des Bundes, sie folgt dem Standortauswahlgesetz, erklärt Karin Bernhardt. Als nächstes soll der Bericht der BGE öffentlich diskutiert werden im Rahmen der „Fachkonferenz Teilgebiete“.

Die Fachkonferenz, die an drei Wochenenden stattfindet, richtet sich an Bürger, Gebietskörperschaften, gesellschaftliche Organisationen und Wissenschaftler. Der erste digitale Termin findet vom 5. bis 7. Februar statt. „Die BGE ist verpflichtet“, sagt Karin Bernhardt, „das Beratungsergebnis der Fachkonferenz im weiteren Verfahren zu berücksichtigen.“

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