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Kreis Bautzen: Freude und Enttäuschung über Astrozentrum

Im Zuge des Strukturwandels entsteht in der Lausitz ein Großforschungszentrum für Astronomie. Nachdem die Entscheidung gefallen ist, gibt es viele Reaktionen.

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Das Deutsche Zentrum für Astrophysik, das den Zuschlag für Großforschungszentrum in der Lausitz bekommen hat, plant unter anderem, ein unterirdisches Labor einzurichten. Der Standort dafür könnte im Landkreis Bautzen sein.
Das Deutsche Zentrum für Astrophysik, das den Zuschlag für Großforschungszentrum in der Lausitz bekommen hat, plant unter anderem, ein unterirdisches Labor einzurichten. Der Standort dafür könnte im Landkreis Bautzen sein. © Visualisierung: Marco Kraan; Nikhef

Bautzen. Die Entscheidung ist gefallen: Das Großforschungszentrum, das im Zuge des Strukturwandels in der Lausitz entsteht, wird sich mit Astronomie, Physik und Megadaten befassen. Das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) plant einen Forschungscampus in Görlitz und zudem ein unterirdisches Teleskop im Lausitzer Granit.

Kurz nach der Bekanntgabe der Entscheidung durch die Bundesforschungsministerin am Donnerstagmittag in Berlin hat der Bautzener Landrat Udo Witschas (CDU) dem Astrozentrum gratuliert. "Mit der Entscheidung besteht nun Klarheit für die Region - das ist gut. Wir bieten hier unsere volle Unterstützung an und werden als Landkreis Bautzen alles tun, damit das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann."

Udo Witschas: Bauforschungszentrum trotzdem umsetzen

Der Landkreis Bautzen hatte für das Großforschungszentrum das Projekt "Lausitz Art of Building - LAB" der TU Dresden favorisiert, das den Einsatz ressourceneffizienter, klimaneutraler Hochleistungswerkstoffe und neuer Materialien beim Bauen zum Inhalt hat. Auch wenn das Projekt im Wettbewerb nicht zum Zuge gekommen sei, sollte an einer Umsetzung dringend festgehalten werden, so der Landrat.

"Die Lausitz verträgt durchaus zwei Großforschungszentren", nennt Witschas seine Überzeugung. Es müssten weitere Entscheidungen getroffen werden, die den Wirtschaftsstandort Lausitz schnell und nachhaltig stärken - mit Firmenansiedlungen sowie der Sicherung und Weiterentwicklung bestehender Unternehmen und Arbeitsplätze. Dazu zähle auch die Umsetzung des Projekts "Lausitz Art of Building“.

Dawid Statnik: Ein großer Erfolg für die sorbische Region

Der Vorsitzende der Domowina, Dawid Statnik, nennt die Entscheidung für das Projekt des Deutschen Zentrums für Astrophysik einen großen Erfolg für die Lausitz und besonders für die sorbische Region. "Wir erwarten einen wichtigen Standort der neuen Großforschungseinrichtung mit globaler Bedeutung innerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes." Die Jugend freue sich auf vielfältige attraktive Berufsperspektiven. Denn das DZA bringe Angebote aufs Land, die qualifizierte junge Menschen bisher in weit entfernten Metropolen gesucht haben.

Kathrin Michel: Lausitz bekommt international Beachtung

Auch Kathrin Michel, SPD-Bundestagsabgeordnete für Bautzen und Görlitz, freut sich sehr, dass für das Lausitzer Revier das Deutsche Zentrum für Astrophysik den Zuschlag bekommen hat. "Das DZA wird uns helfen, mit modernen Technologien das Weltall zu verstehen. Aber vor allem werden im Technologiezentrum in Görlitz neue Technologien entstehen, und die Region wird durch Ausgründungen prosperieren", sagt sie.

Die seismische Ruhe, die der Lausitzer Granit 200 Meter unter der Erde im Landkreis Bautzen bietet, werde insbesondere die Halbleitertechnik und die optische Technologie voranbringen und vor Ort ansiedeln, ist Michel überzeugt. 3.000 zukunftsfähige Arbeitsplätze würden so am Zentrum und in der Umgebung geschaffen. Allein durch das Auswahlverfahren habe die Lausitz international Aufmerksamkeit und Beachtung bekommen. Auch dadurch erwartet sie in der Zukunft die eine oder andere Unternehmensansiedelung.

Caren Lay: Standort ist kritikwürdig

Weniger begeistert ist die Bautzener Linken-Bundestagsabgeordnete Caren Lay. Sie findet "sowohl die Wahl der Standorte als auch die Entscheidung für den inhaltlichen Fokus kritikwürdig". Sie habe immer gefordert, dass die Investitionen für den Strukturwandel hauptsächlich den betroffenen Kerngebieten zugutekommen müssen. Daher hätte sie sich für das Großforschungszentrum einen Standort in dieser Gegend gewünscht. "Fraglich ist zudem, ob ein Forschungszentrum für Astrophysik den erforderlichen industriellen Umbau in der Lausitz adäquat voranbringen wird. Ein Innovationszentrum für Bauen und Wohnen hätte der Lausitz mit ihrer reichhaltigen Baukultur besser zu Gesicht gestanden", so Lay. Ob die Astrophysik ein Ersatz für tausende wegfallende Arbeitsplätze der Kohlekumpel sei, bleibe abzuwarten.

Torsten Herbst: Wirtschaftliche Chance für Region verpasst

Torsten Herbst, FDP-Bundestagsabgeordneter aus der Bautzener Region, bedauert, dass das "Lausitz Art of Building" nicht zum Zug gekommen ist. "Dies ist leider eine verpasste wirtschaftliche Chance für die Region", so Herbst. Ein Bauforschungszentrum, das unmittelbar mit der mittelständischen Wirtschaft hätte kooperieren können, wäre seiner Meinung nach für positive wirtschaftliche Effekte in der Lausitz und den Strukturwandel die bessere Wahl gewesen.

Als zweites Großforschungszentrum in Sachsen wird im Mitteldeutschen Revier bei Delitzsch das Zentrum für Transformation der Chemie (CTC) gegründet. Die Ansiedlung der Institute ist Teil der Strukturentwicklung in den Braunkohlerevieren. Aus dem Strukturstärkungsgesetz stellt der Bund bis einschließlich 2038 je 1,2 Milliarden Euro pro Zentrum bereit. Jedem Forschungszentrum stehen jährlich 170 Millionen Euro zur Verfügung. Sie sollen je um die 1.500 Angestellte haben. (SZ)