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Gaußigs neuer Kantor kommt aus Südkorea

Sharon Moon wollte im Geburtsland seiner Lieblingskomponisten studieren - aber nicht Kirchenmusiker werden. Warum er in Gaußig nun doch Gottesdienste begleitet.

Am vergangenen Sonntag übernahm der Südkoreaner Sharon Moon erstmals die musikalische Leitung eines Gottesdienstes in der Gaußiger Kirche.
Am vergangenen Sonntag übernahm der Südkoreaner Sharon Moon erstmals die musikalische Leitung eines Gottesdienstes in der Gaußiger Kirche. © SZ/Uwe Soeder

Doberschau-Gaußig. 8.168 Kilometer - so weit ist Doberschau-Gaußig von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entfernt. Luftlinie, versteht sich. Acht Jahre hat Sharon Moon gebraucht, um diese Entfernung zurückzulegen - räumlich, inhaltlich und nicht ohne Umwege. Der 38-jährige Südkoreaner ist seit Mitte Juli der neue Kantor der evangelischen Kirchgemeinde in Gaußig. Am vergangenen Sonntag verantwortete er dort in dieser Funktion erstmals die Kirchenmusik während eines Gottesdienstes.

Moons Reise von seinem Heimatland Südkorea nach Gaußig war vor allem eine musikalische. Der Sohn eines Pastors beginnt zu erzählen: Davon, wie Musik schon immer Teil seines Lebens war, wie er als Achtjähriger mit dem Klavierspiel begann, nach seinem Schulabschluss nach Seoul ging, in diese Millionenstadt, um dort Musik und Komposition zu studieren. Er berichtet von seiner Begeisterung für die großen Klassiker der europäischen Musik, von Bach und Beethoven und von seinem Wunsch, sein Studium im Geburtsland dieser großen Komponisten zu vertiefen. Chor- und Orchesterleitung wollte er studieren, als er 2013 den Sprung nach Deutschland wagte.

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Zunächst lebte Moon in Großstädten, lernte die Sprache seiner Wahlheimat in Kiel, Berlin und Hamburg - und landete schließlich in Halle. "Ich habe dort an der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik meinen Masterabschluss gemacht", sagt er. Das sei eigentlich nicht sein Plan gewesen - aber genau die richtige Entscheidung, findet er rückblickend, denn: "Ich hatte dort viele Möglichkeiten, mehr vom kirchenmusikalischen Dienst zu erfahren - und vom Leben mit der Kirche." Das gefiel ihm. Er lernte das Orgelspielen - was im Wesentlichen das Gleiche sei wie das Klavierspielen, "aber viel bunter klingt", wie er sagt. In ihm reifte endgültig der Wunsch, Kirchenmusiker zu werden.

Kantorenstelle war drei Jahre lang vakant

Als er schließlich von einem Bekannten erfuhr, dass die Stelle des Kantors in der evangelischen Kirchgemeinde Gaußig zu besetzen ist, habe er deshalb nicht lange überlegen müssen und seine Bewerbung losgeschickt. Die war in Gaußig überaus willkommen. Schließlich war dort die Stelle des Kirchenmusikers seit drei Jahren vakant. Gottesdienste, Trauungen und Taufen konnten während dieser Zeit nur dank des Einsatzes einer ganzen Reihe haupt- und ehrenamtlicher Kantoren musikalisch begleitet werden. Damit ist jetzt Schluss, denn Gaußig ist für Sharon Moon mehr als nur eine weitere Zwischenstation, versichert er.

Als er die Gemeinde im März dieses Jahres das erste Mal besuchte, habe sie einen guten Eindruck auf ihn gemacht, erinnert er sich. An diesem ersten Eindruck hält er fest: "Es stimmt: Seit ich in Deutschland bin, werden die Städte, in denen ich wohne, immer kleiner", sagt er schmunzelnd. Aber das mache nichts. Er und seine Frau, eine koreanische Schriftstellerin und Dolmetscherin, die ihm drei Jahre nach seinem Umzug nach Deutschland folgte, mögen die dörfliche Ruhe und vermissen das Gewusel der Metropolen nicht, versichert er. Und: "Obwohl wir hier weit und breit die einzigen Südkoreaner sind, sind wir noch nie komisch angeschaut worden. Die Menschen hier sind sehr nett zu uns. Irgendeine Form der Abneigung habe ich hier noch nie gespürt."

Gemeinde soll musikalisch lebendiger werden

Die Stelle, der der 38-Jährige ab sofort besetzt, findet er faszinierend, denn: "Die Verbindung von Kirchenmusik und der Arbeit mit Kindern ist etwas Besonderes; etwas, auf das ich mich sehr freue." Außer auf die musikalische Leitung der Gottesdienste und die Arbeit mit dem Kirchenchor freut er sich besonders auf die Aufgaben, die er im Auftrag des Schulvereins des evangelischen Schulzentrums übernehmen wird. Dazu gehört fortan etwa auch die Leitung des Schulchores, an dessen Gesangskünsten er gemeinsam mit der Musiklehrerin des evangelischen Schulzentrums arbeiten wird.

Das ist mehr, als die Kantoren anderer Gemeinden zu leisten haben - schließlich kommt zu den sonntäglichen Gottesdiensten pro Woche noch je einer für die Grund- und Oberschüler sowie die Gymnasiasten des Schulzentrums hinzu. Doch selbst das ist noch nicht genug für Sharon Moon: "Ich möchte die Kirchgemeinde musikalisch um einiges lebendiger machen", verspricht er und meint die noch intensivere - vor allem spontanere - Zusammenarbeit mit den Schülern des Schulzentrums genau wie die Veranstaltung von beispielsweise Orgelkonzerten.

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Und auch privat hat das Ehepaar Moon, das inzwischen das Gaußiger Kantorat bezogen hat, Pläne für die gemeinsame Zukunft in der kleinen Landgemeinde: "Wir haben noch keine Kinder. Gaußig bietet sich an, um mit der Familienplanung zu beginnen", sagt Sharon Moon schmunzelnd.

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