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Falsche Verdächtigung: Wende im Prozess

Einem Jugendamtsmitarbeiter wurde zu Unrecht eine Vergewaltigung vorgeworfen. Deshalb stand ein Mann vor Gericht. Doch plötzlich gibt's einen neuen Angeklagten.

Im Prozess um eine falsche Verdächtigung am Bautzener Amtsgericht gab es jetzt eine überraschende Wendung.
Im Prozess um eine falsche Verdächtigung am Bautzener Amtsgericht gab es jetzt eine überraschende Wendung. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein Gerichtsprozess um eine falsche Verdächtigung hat am Amtsgericht Bautzen eine überraschende Wendung genommen. Ein Wilthener musste sich bereits im Januar den Fragen des Richters stellen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, einen Brief an das Bautzener Jugendamt verfasst zu haben. Darin soll er sich als Elfjährige ausgegeben haben. In dem Brief hieß es, das Mädchen sei von einem Jugendamtsmitarbeiter vergewaltigt worden.

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In einem Notizbuch des Wiltheners hatte das Gericht Aufzeichnungen entdeckt, die in einer ähnlichen Handschrift verfasst worden waren wie der Brief an das Jugendamt.

Es gab einen Streit mit dem Jugendamtsmitarbeiter

Vor Gericht hatte der Mann auch bestätigt, den beschuldigten Jugendamtsmitarbeiter zu kennen – und sich einst mit ihm gestritten zu haben. Dabei ging es um das Kind einer Freundin. Das Jugendamt wollte das Kind in Obhut nehmen – obwohl der Wilthener angeboten hatte, sich um den Jungen zu kümmern.

Dennoch hatte schon der erste Prozesstag Fragen aufgeworfen. So hatte der Angeklagte geleugnet, den Brief verfasst zu haben. Und er hatte behauptet, die Notizen in dem Buch stammen nicht von ihm. Stattdessen könnten diese, so hatte er erklärt, von einem anderen Mann stammen. Einem, der ihm im Haushalt geholfen hatte. Dieser Mann sei der Vater des Kindes, wegen dem der Angeklagte mit dem Jugendamt gestritten hatte. An dem Kind habe der Vater nie Interesse gehabt, hieß es vor Gericht.

Zeuge sagt aus: "Ich war's!"

An diesem Dienstag wurde der Vater des Kindes nun als Zeuge verhört – und das sorgte für die überraschende Wendung in dem Prozess. Denn der Mann erklärte, den Brief an das Jugendamt verfasst zu haben. Das empfand das Gericht als glaubhaft – und kam zu der Überzeugung, dass der Angeklagte nicht der Täter ist.

Ob der Wilthener den Vater des Kindes dazu angestiftet hatte, ließ sich laut Gericht nicht klären. So stellte das Gericht das Verfahren gegen ihn ein.

Zu Ende ist das Ganze damit aber noch nicht. Ermittelt wird weiterhin – nun gegen den Vater des Jungen.

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