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Weißenberg: So schön ist die neue Schule

Hell, modern und top ausgestattet präsentiert sich das Gebäude. Ganz trennen wollten sich die Lehrer von der klassischen Einrichtung aber nicht.

Norman Retzlaff aus dem Vorstand des Schulträgervereins engagiert sich seit ihrer Gründung für die Freie Schule in Weißenberg.
Norman Retzlaff aus dem Vorstand des Schulträgervereins engagiert sich seit ihrer Gründung für die Freie Schule in Weißenberg. © SZ/Uwe Soeder

Weißenberg. Weit und hell wirkt die Aula der neu gebauten Freien Oberschule in Weißenberg. Ein großes Glasdach holt die Oktobersonne in den Lichthof. Orange und gelb leuchten die Gänge in dem doppelstöckigen Gebäude. Immer wieder ließen die Schulplaner diese beiden Farben in der Gestaltung der Räume zurückkehren, unterbrachen sie durch himmelblaue Akzente - und schufen so mit den Farben der Stadt Weißenberg eine fröhliche Atmosphäre in dem modernen Neubau an der Reichenbacher Straße.

Sieben Klassen mit 168 Kinder lernen derzeit noch in einem Containerbau hinter dem neu entstandenen Schulgebäude und in einem kleinen Haus nebenan. Die Platzverhältnisse seien zunehmend beengt geworden, seit die Schule und ihr Trägerverein 2005 ins Leben gerufen wurden, erzählt Norman Retzlaff aus dem Vorstand des Schulträgervereins Weißenberg. Und auch die Container, die man vor elf Jahren als Übergangslösung aus dem Bestand eines Pflegeheimes bekam, haben ihre besten Tage hinter sich. "Im Sommer ist es darin heiß, im Winter ist es kalt, und langsam sieht man ihnen eben die Zeit auch an", so Retzlaff.

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In Schweden und Finnland Anregungen geholt

Bereits bei Gründung der Freien Schule war daher klar, dass der Verein sich früher oder später an einen Neubau wagen muss. Der ist seit März vergangenen Jahres auf dem Areal entstanden, auf dem sich früher die staatliche Schule der Stadt befand.  Die war ein typischer Blockbau, wie sich Norman Retzlaff erinnert, mit dunklen Gängen und einem Investitionsbedarf von geschätzten 2,5 Millionen Euro. Die Übernahme des alten Gebäudes war daher für den Verein keine Option. Die Stadt nahm den Abriss vor und der Verein für den Neubau laut Planung 4,5 Millionen Euro in die Hand.

Die Summe wurde unterboten. "Momentan stehen wir bei Kosten von 4,2 Millionen Euro. Das ist der erste öffentliche Bau, den ich kenne, der billiger war, als die Planung", sagt Retzlaff lachend. 160.000 Euro kostete allein das große Glasdach. Aber gerade das war dem Schulförderverein wichtig. "Viel Licht fördert die Lernfähigkeit", erklärt Norman Retzlaff.

Um Form und Gestaltung des Neubaus habe sich vornehmlich ein Vereinsmitglied gekümmert, habe sich sogar in Schweden und Finnland Schulen angesehen und Inspiration mitgebracht. Ursprünglich sei die Planung noch heller, noch futuristischer gewesen, aber wirtschaftlich war das nicht darstellbar. Der Verein habe nach Kompromissen gesucht und sie gefunden.

Das Fachkabinett im Schulneubau kann sowohl für Biologie und Chemie als auch für Physik genutzt werden.
Das Fachkabinett im Schulneubau kann sowohl für Biologie und Chemie als auch für Physik genutzt werden. © SZ/Uwe Soeder

Auch technisch sind die Unterrichtsräume, die alle mit Beamer und Laptop ausgestattet wurden, auf neuestem Stand. Einzig die dunkelgrünen Tafeln, auf die mit Kreide geschrieben wird, stiften Verwirrung. "Unsere Lehrer wollten sich davon nicht verabschieden", sagt Sandra Heinisch aus dem Büro des Trägervereins. "Das Grün finden sie beruhigender und die klassische Kreidetafel besser für die Augen der Schüler."

Mit Fördermitteln in Höhe von 40 Prozent der Baukosten unterstützte der Freistaat das ambitionierte Vorhaben des Schulträgervereins. Die fehlenden 60 Prozent brachte der Verein selbst auf. Ein Darlehen der Sparkasse half dabei genau so, wie zahlreiche Geldspenden aus der Bevölkerung. Dabei mussten die Vereinsmitglieder die Bereitschaft, das Bauvorhaben finanziell zu unterstützen, sogar eindämmen. Retzlaff erklärt: "Hätten wir mehr als 35.000 Euro an Spenden eingeworben, wären uns die Fördermittel gekürzt worden. Die Summe war aber schon innerhalb von ein paar Tagen zusammen." Das sei natürlich nicht gewollt gewesen.

Steine erinnern an die Spender

Retzlaff: "Wir haben die Leute also gebeten, nicht mehr für den Bau, sondern für die Ausstattung der Schule zu spenden. Denn dafür bekommen wir keine Fördermittel."  Wie hoch die Spendensumme am Ende tatsächlich war, kann Norman Retzlaff deshalb gar nicht ganz genau sagen. Etwa 100.000 Euro, schätzt er, seien zusammengekommen.

Nach den Herbstferien können die Oberschüler ihr neues Schulhaus in Beschlag nehmen. Es bietet sechs Klassenzimmer, ein Fachkabinett für Biologie, Physik und Chemie sowie einem Gruppenraum. Derzeit sind die Küchenbauer noch dabei, die neue Lehrküche zu installieren. Auch Schulleitung, Sekretariat und Trägerverein kommen in dem Neubau unter. 

Bis der Neubau genutzt werden kann, sind noch viele kleine Handgriffe zu erledigen. Die letzten Wandgrafiken müssen noch vollendet, die Essensausgabe fertiggestellt werden. Und selbstverständlich werden auch die Spendensteine, die künftig im Eingangsbereich an die Hilfsbereitschaft der Unterstützer erinnern sollen, angebracht. Bis zum ersten Schultag nach den Ferien sollen schließlich auch die Klassenzimmer mit Mobiliar bestückt sein.

Auf steigende Schülerzahlen eingestellt

Ganz auf ihre gewohnten Räume verzichten müssen die Schüler auch in Zukunft nicht. Kreative Fächer wie Kunst und Musik werden weiterhin in dem Bau unterrichtet, in dem die Freie Schule 2005 mit nur einer fünften Klasse ihren Anfang nahm. Die Schülerzahlen, erzählt Norman Retzlaff, seien seither enorm gestiegen. Auch darauf sei man nunmehr gut eingestellt: "Derzeit lernen sieben Klassen bei uns. Die sechste Klasse ist aufgrund der großen Nachfrage sogar zweizügig. Mit dem Neubau bekommen wir in der Freien Schule Weißenberg maximal neun Klassen unter. Wir haben also noch bisschen Platz."

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