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PLUS Bautzen

Modellschule kommt nicht - Göda will trotzdem bauen

Für 23 Millionen Euro wollte die Gemeinde eine "Oberschule plus" errichten. Das Strukturwandel-Geld dafür kommt nicht. Dennoch hat Göda das Areal gekauft.

Eine "Oberschule plus" kann Bürgermeister Gerald Meyer vorerst nicht nach Göda holen. Vorbereiten will er das Vorhaben trotzdem - und mit dem Neubau der Grundschule neben der Bäckerei Fehrmann voran gehen.
Eine "Oberschule plus" kann Bürgermeister Gerald Meyer vorerst nicht nach Göda holen. Vorbereiten will er das Vorhaben trotzdem - und mit dem Neubau der Grundschule neben der Bäckerei Fehrmann voran gehen. © Steffen Unger

Göda. Es ist eine Frage, die Göda schon lange umtreibt: Wie soll es weitergehen mit der Grundschule der Gemeinde? Der alte DDR-Plattenbau an der Döberkitzer Straße, in dem die Bildungseinrichtung derzeit untergebracht ist, ist in die Jahre gekommen. Außerdem ist die Immobilie viel zu groß, seit die Gödaer Oberschule, die ebenfalls hier ihren Sitz hatte, im Jahr 2006 geschlossen wurde. Nur noch acht, statt ehemals 20 Klassen lernen heute hier.

Soweit zum Stand der Dinge, der die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat bereits seit einigen Jahren beschäftigt. Zentral dabei stets die Frage: Wo sollen die Gödaer Grundschüler in Zukunft lernen? 2019 wurde über diese Frage monatelang diskutiert, etliche Antwortmöglichkeiten wurden gefunden, geprüft und verworfen. Schließlich stand fest: Der ideale Standort für den Schulneubau wäre die freie Feldfläche am Gödaer Ortseingang aus Richtung Bautzen kommend.

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An der Fläche hält Gödas Bürgermeister Gerald Meyer (parteilos) fest. Die Gemeinde begann mit den Planungen, rechnete mit Neubaukosten in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro. Dann wurden Pläne laut, dass hohe Millionenbeträge als Fördermittel im Rahmen der Strukturförderung zum Kohleausstieg in die Region fließen sollen. Gerald Meyer erinnert sich zurück: "Bei Förderung von 90 Prozent wird jede Kommune hellhörig."

Schließung der Oberschule hat Folgen für die Gemeinde

Das traf auch auf die Gemeinde Göda zu, die in den Fördermitteln eine Chance sah, die Wunde zu heilen, die die Schließung der Oberschule gerissen hatte. Denn inzwischen zeigen sich die Folgen der Entscheidung: Die Oberschüler seien in Göda weniger verwurzelt, Unternehmen auf Lehrlings-Suche falle es zunehmend schwer, Kontakte zu zu knüpfen, und auch die Vereine klagten über Nachwuchssorgen, heißt es dazu aus der Gemeinde, die 3.150 Einwohner hat.

Da kam das neue Schulgesetz vom Herbst 2020 gerade recht. Dieses ebnet den Weg für die Umsetzung der "Oberschule plus". Das neue Schulmodell zielt darauf ab, Schülerinnen und Schülern ein längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Darüber hinaus sieht es individuelle Förderung von bestimmten Begabungen und Bildungsabsichten vor.

Nach Göda, das war damals der Gedankengang, könnte eine solche Schule mit besonderem Fokus auf Handwerk und Technik gut passen. Nicht allein, weil es der Gemeinde gut zu Gesicht stünde, sondern auch, weil davon die gesamte Region, darunter auch die beiden nahen Städte Bischofswerda und Bautzen, profitieren könnten. Mit einer Initiativbewerbung bemühte sich die Gemeinde um einen Teil der Kohlemillionen.

Grundschule soll neu gebaut und bei Bedarf erweitert werden

Nun steht fest: Die kommen nicht. "Schulneubauten werden vom Strukturstärkungsgesetz nicht gefördert", begründet Gerald Meyer. Und der Landkreis Bautzen, fährt er fort, wolle keine "Oberschule plus" bauen.

So richtig enttäuscht wirkt Meyer nicht. Die Gemeinde, begründet er seine Gelassenheit, hätte sich frühzeitig mit dem Landratsamt in Verbindung gesetzt. "Dort sagte man uns, dass die derzeit bereits vorhandene Anzahl an Oberschulplätzen den Neubau nicht rechtfertigt."

So ganz verabschieden will sich die Gemeinde aber vom Traum von der Modellschule noch nicht - hat inzwischen die Feldfläche neben der Bäckerei Fehrmann von einem Privatbesitzer erworben und plant die Aufstellung eines Bebauungsplans. Denn: Wenigstens die Grundschule soll an diesem Ort ihren neuen Platz finden.

Zur Finanzierung des Vorhabens schielt Göda in Richtung des Schul-Infra-Fördertopfes, der Zuschüsse bis zu 60 Prozent verspricht. Aber auch der Neubau energetischer Gebäude wird gefördert - Meyer denkt hier etwa an die Nutzung von Synergien mit der benachbarten Bäckerei, die durch Abwärme Energieüberschüsse produziert.

Bis der Bau starten kann, wird es aber noch dauern. Frühestens im August 2023 kann die Gemeinde mit den Planungen so weit vorangekommen sein, dass sie Fördermittel beantragen kann. Ein bis zwei Jahre wird der Bau dauern, rechnet Meyer vor.

Gebäude an der Döberkitzer Straße wird weiter in Schuss gehalten

Eltern von Grundschülern, die die Gödaer Grundschule jetzt oder in den kommenden Jahren besuchen, brauchen sich aber keine Sorgen machen, dass das Bestandsgebäude nun dem Verfall preisgegeben wird. Größere Investitionen sind laut Meyer vorerst nicht notwendig - der Brandschutz wurde 2014 verbessert, erst kürzlich in die Digitalisierung der Schule investiert. Wo Bedarf bestünde, werde man reparieren, versichert der Bürgermeister.

Ganz wichtig ist ihm außerdem, dass auf dem Areal neben der Bäckerei Fehrmann ausreichend Fläche für eine eventuelle Erweiterung der Grundschule zur "Oberschule plus" nebst moderner Mehrzweckhalle besteht. Denn die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn sich die Geburtenrate ändert und der Bedarf an Schulplätzen wächst, ist es schwer, geeignete Flächen zu finden. So werde die "Oberschule plus" in Göda wenigstens vorbereitet, ganz ohne Groll, dafür mit Weitblick.

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