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Gezielter Angriff auf die sorbische Kultur?

Im Landkreis Bautzen wurden ein Denkmal zerstört und eine Infotafel beschmiert. Betroffene werten das als bewusste feindliche Aktion.

Jan Nuck hatte sich 2018 für die Restaurierung dieses sorbischen Denkmals, das zwischen Radibor und Großdubrau steht, eingesetzt. Nun ist er empört über die Zerstörung.
Jan Nuck hatte sich 2018 für die Restaurierung dieses sorbischen Denkmals, das zwischen Radibor und Großdubrau steht, eingesetzt. Nun ist er empört über die Zerstörung. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Jan Nuck ist sich sicher: Bei der Beschädigung und dem Diebstahl eines Teils des sorbischen Denkmals, das zwischen Radibor und Großdubrau steht, handelt es sich um eine gezielte Aktion. „Es ist ein Angriff gegen die sorbisch-christlich-katholische Gemeinde“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Domowina, des Bundes der Lausitzer Sorben.

Anfang September ist das Denkmal umgestoßen und beschädigt worden. Der oder die Täter entwendeten zudem das Kreuz. „Man könnte auch Vandalismus oder die Tat eines Schrotthändlers vermuten“, sagt Nuck, aber auf der etwa 50 Meter entfernten Informationstafel zu diesem und anderen Denkmälern seien die sorbischen, nicht aber die deutschen Texte durchgestrichen worden. Daraus resultiere für ihn der Vorwurf der Sorbenfeindlichkeit. 

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Das Betkreuz an der Straße erinnert an das verschwundene Dorf Ronow. Der Legende nach bestand es aus drei Gehöften sowie einer Mühle und soll „im 14. Jahrhundert von plündernden Banden ausgeraubt und vernichtet“ worden sein, wie die Infotafeln verraten.

Ob die Beschädigung und der Diebstahl sowie das Durchstreichen der sorbischen Texte in einem Tatzusammenhang stehen, ist laut Polizeidirektion Görlitz Gegenstand der Ermittlungen, wie Sprecherin Anja Leuschner sagt. „Eine Sorbenfeindlichkeit wird geprüft." Am Tatort sei die Spurensuche durch Polizisten erfolgt. "Das Dezernat Staatschutz übernimmt auf Grund des Anfangsverdachts die Ermittlungen und befragte bereits mehrere Zeugen, ob eine Sorbenfeindlichkeit bejaht werden kann.“

30 Straftaten in drei Jahren

Bislang sei der Polizei in diesem Jahr kein weiterer ähnlicher Fall bekannt. In den Jahren 2018 und 2019 seien drei Vorfälle mit beschädigten Kreuzen gemeldet, aber keine „Sorben- oder Religionsfeindlichkeit festgestellt“ worden. „In einem Fall konnten die Kriminalisten einen sorbischen Jugendlichen ermitteln. In einem weiteren wurde ein Kreuz durch einen Verkehrsunfall beschädigt, und im dritten lag vermutlich ein Materialverschleiß vor“, so Leuschner.

Laut der Polizeisprecherin sind in den vergangenen drei Jahren 30 Straftaten angezeigt worden, „denen entweder eine Körperverletzung, eine Beleidigung oder eine Sachbeschädigung, im Kontext einer angenommenen oder tatsächlichen sorbischen Herkunft der jeweiligen Geschädigten, zugrunde lag. Außer bei der Sachbeschädigung durch Graffiti wurden alle Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige geführt.“

Für Dawid Statnik, den aktuellen Domowina-Vorsitzenden, bildet die Polizeistatistik nicht die Realität, sondern nur die Anzeigen ab. Er wisse nicht, ob es sich im vorliegenden Fall allein um eine Kreuz-Schändung handelt oder ob diese mit der beschmierten Infotafel in Verbindung steht. Letztere lasse auf eine sorbenfeindliche Straftat schließen. „Wir erleben immer wieder, dass es in der Region Übergriffe auf Sorben oder sorbische Kultureinrichtungen gibt“, so Statnik. Generell sei das Zusammenleben zwischen Deutschen und Sorben friedlich. „Anfeindungen und Straftaten kommen meist aus der rechtsnationalistischen Szene.“ 

"Wir dürfen nicht klein beigeben"

Solche Denkmäler oder Kreuze wie das jetzt beschädigte seien oft Familieneigentum und meist in eigener Arbeit und mit viel Geld restauriert worden. Beim Denkmal für das verschwundene Dorf Ronow ist das ähnlich. Zwar befindet es sich auf einem Flurstück des Landkreises Bautzen, erklärt Jan Nuck, aber die Restauration vor rund zwei Jahren sei Ergebnis einer privaten Initiative gewesen und durch Geld der Stiftung für das sorbische Volk sowie Spenden der Kirchgemeinde Radibor finanziert worden. „Bereits kurz vor der Restauration war das Kreuz mit dem Sockel abgeschlagen worden.“

1910 wurde das Kreuz errichtet. Nachdem es 1945 umgeworfen und beschädigt wurde, ließen es Benno und Hanna Tschemmer aus Camina wieder aufstellen.
1910 wurde das Kreuz errichtet. Nachdem es 1945 umgeworfen und beschädigt wurde, ließen es Benno und Hanna Tschemmer aus Camina wieder aufstellen. © Julian Nyca

Nach der Restauration war die sorbische Inschrift wieder gut lesbar. Übersetzt steht dort: „Mein Jesus, sei mir gnädig. Hier stand im 14. Jahrhundert das Dorf Ronow, eine Mühle und drei Gehöfte.“ Nicht nur für Jan Nuck ist es weit mehr als ein Denkmal. „Es ist auch eine Identitätsfrage, diesen Ort im Bewusstsein zu halten. Zudem gibt es einen historischen Roman, der sich mit der Legende des Dorfes beschäftigt. Auch deshalb ist der Ort so wichtig.“ Ziel sei es, das Denkmal wiederherzustellen. „Wir dürfen nicht klein beigeben und sagen, wir räumen es weg.“ Vielleicht könne man das Denkmal in Zukunft auch besser sichern, sagt Jan Nuck.

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