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Göda will Standort für Schul-Modellprojekt sein

Die Mittelschule wurde geschlossen, das Gebäude der Grundschule entspricht nicht mehr den Anforderungen. Jetzt denkt die Gemeinde an einen besonderen Neubau.

Auf der grünen Wiese am Ortseingang aus Richtung Bautzen will Göda einen neuen Schulstandort errichten. Grund- und Oberschüler sollen hier unterrichtet werden - und Unternehmen ihre Lehrlinge finden.
Auf der grünen Wiese am Ortseingang aus Richtung Bautzen will Göda einen neuen Schulstandort errichten. Grund- und Oberschüler sollen hier unterrichtet werden - und Unternehmen ihre Lehrlinge finden. © Visualisierung: Atelier Ulrike Mickan

Göda. 23 Millionen Euro sind kein Pappenstiel - erst recht nicht für eine kleine 3.150-Seelen-Gemeinde wie Göda. Trotz der geschätzten Investitionssumme wagt die Verwaltung gemeinsam mit dem Gemeinderat einen Vorstoß: "Unsere Grundschule ist um die 50 Jahre alt. Da muss so oder so etwas passieren. Warum nicht also gleich für etwas planen, das weitere 50 Jahre Bestand hat", fragt Gödas Bürgermeister Gerald Meyer (parteilos).

Der Hintergrund: Bis 2006 verfügte der Ort über eine Grund- und eine Mittelschule. Weil die Geburtenzahlen rückläufig waren, wurde die Mittelschule geschlossen - ein Rückschlag für die Gemeinde, denn: "Göda ist ein Schulstandort", heißt es in Veröffentlichungen der Verwaltung. Zwischen den beiden Städten Bischofswerda und Bautzen gelegen, so die Argumentation, wäre die Gemeinde inmitten beider Ballungszentren der perfekte Puffer, um auf hohe Schülerzahlen zu reagieren - und trüge sogar noch einen Mehrwert davon.

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Schulgesetz ebnet Weg für besondere Lernform

Denn 15 Jahre nach Schließung der Mittelschule zeigen sich die Folgen der Entscheidung: Die Kinder würden sich in der Region nicht mehr verwurzeln, die Unternehmen fänden keinen Anschluss mehr zu potenziellen Lehrlingen, die Vereine hätten Nachwuchssorgen, zählt Gödas Gemeinderätin Dr. Ulrike Mickan (Freie wähler) auf.

Und: Der Plattenbau an der Döberkitzer Straße, in dem einst die Mittelschule untergebracht war und der jetzt noch von der Grundschule genutzt wird, entspricht immer weniger den aktuellen Ansprüchen. "Diese Schule ist nicht mehr ewig betriebsbereit", so Gerald Meyer. Die Sanierung des bestehenden Gebäudes wäre kostenintensiv; unwirtschaftlich sogar, weil dem gestiegenen Betreuungsbedarf von Göda und den Umlandgemeinden damit nicht Rechnung getragen würde.

Die Gemeinde sieht deshalb die Zeit für einen Vorstoß gekommen. Mit dem neuen Schulgesetz, das im Herbst 2020 verabschiedet wurde, wurde der Weg für eine besondere Form des Lernens geebnet: die Oberschule Plus. Dabei geht es vorrangig darum, den Schülern ein längeres gemeinsames Lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse zu ermöglichen. Darüber hinaus, heißt es im entsprechenden Gesetzestext, sollten Schülerinnen und Schüler während des schulischen Unterrichts "entsprechend ihrer Begabungen und Bildungsabsichten (...) individuell gefördert werden."

Oberschule für Handwerk und Technik soll entstehen

In Göda soll der Fokus dabei künftig auf Handwerk und Technik liegen. Diesem Gedanken liegen mehrere Überlegungen zugrunde: Die Betriebe der Region, teilen Bürgermeister und Vertreter des Gemeinderates mit, suchten händeringend nach Lehrlingen. Außerdem, so Gerald Meyer, gehe man davon aus, das mit Digitalisierung und Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen und Görlitz und Dresden der Speckgürtel rund um die Landeshauptstadt größer werde. "Da zieht es die Leute plötzlich aufs Land", schätzt Meyer die künftige Lage ein.

Freilich, fährt er fort, seien diese Annahmen derzeit noch Spekulation, aber mit der Änderung des Schulgesetzes und der Aussicht auf die Fördermittel aus dem Gesetz zur Strukturförderung zum Kohleausstieg ergäbe sich jetzt eine einmalige Gelegenheit für die 23 Millionen schwere Investition: "Wir haben jetzt die Chance, ein Modellprojekt auf den Weg zu bringen, das es so bisher im Landkreis nicht gibt", betont Meyer und fährt fort: "Das kleine Göda hat mit Sicherheit nicht vor, sich eine goldene Schule zu bauen. Bei dem Projekt geht es vielmehr um die Aufwertung der gesamten Region."

Sichtbar werden soll dieses Vorhaben an Gödas östlichem Ortseingang. Dort, wo sich zwischen der Bäckerei Fehrmann und dem Sportplatz grüne Wiese auftut, könnte der Neubau entstehen. Die Grundschule ist zweizügig vorgesehen - mit acht Klassenzimmern, zwei Fachkabinetten, Mehrzweck- und Horträumen. Die Oberschule soll sechs Klassenzimmer und sechs Fachkabinette umfassen; außerdem zwei Mehrzweckräume mit besonderem Nutzwert: Firmen sollen Ganztagsangebote unterbreiten können. Auch Bildungsmessen seien denkbar.

Finanzierung und Trägerschaft sind noch unklar

Fraglich sind bislang noch Finanzierung und Trägerschaft. Die Gemeindeverwaltung rechnet mit Kosten von rund 17 Millionen für den Schulneubau. Weitere fünf Millionen Euro soll die geplante Zwei-Feld-Turnhalle kosten. Dort sollen neben dem Schulsport auch Sportvereine aus Göda und den umliegenden Gemeinden ein neues Wirkungsfeld finden.

Sollte sich das Vorhaben umsetzen lassen, gibt es sogar schon Pläne für das Gebäude, in dem die Grundschule derzeit untergebracht ist. Es soll auch weiterhin zentraler Ort im Gemeindegebiet bleiben. Denkbar wäre laut Gerald Meyer hier etwa ein medizinisches Versorgungszentrum. Auch ein altenbetreutes Wohnen kann der Bürgermeister sich vorstellen.

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