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Großdöbschütz hat jetzt eine Feuerwehrfrau

Anfang März unterzeichnete Elisa Böhmer ihren Mitgliedsvertrag. Im alten Gerätehaus wäre vieles für sie schwierig gewesen, doch das neue bietet beste Voraussetzungen.

Elisa Böhmer ist die erste Feuerwehrfrau in der Wehr von Großdöbschütz-Obergurig. Ortswehrleiter Daniel Kalley hofft, dass viele neue Kameraden ihrem Beispiel folgen. Ein Anreiz dafür könnte das neue Feuerwehrgerätehaus sein.
Elisa Böhmer ist die erste Feuerwehrfrau in der Wehr von Großdöbschütz-Obergurig. Ortswehrleiter Daniel Kalley hofft, dass viele neue Kameraden ihrem Beispiel folgen. Ein Anreiz dafür könnte das neue Feuerwehrgerätehaus sein. © SZ/Uwe Soeder

Obergurig. Hose und Helm hat sie schon. Auf ihre eigene Jacke wartet sie noch. Genau wie auf ihre Grundausbildung. Trotzdem ist es offiziell: Seit Anfang März hat die Freiwillige Feuerwehr im Oberguriger Ortsteil Großdöbschütz mit Elisa Böhmer die erste Kameradin in ihren Reihen.

Für die 33-Jährige ist gesellschaftliches Engagement eine Selbstverständlichkeit. Vor drei Jahren ist sie mit ihrer Familie von Bautzen aufs Dorf gezogen. Seit vergangenem Jahr ist ihr Mann Mitglied der Wehr. "Wir sind als Familie so gesegnet mit allem, da ist es für uns selbstverständlich, der Gesellschaft ehrenamtlich etwas zurückzugeben," sagt Elisa Böhmer. Für sie sei es deshalb bereits seit Längerem ein Thema gewesen, der Feuerwehr beizutreten.

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Seit Ende Februar im neuen Depot

Den Moment für ihren Beitritt hat sie günstig abgepasst: Ende Februar dieses Jahres bezogen die Kameraden aus Großdöbschütz-Obergurig ihr neues Feuerwehrgerätehaus an der Hainitzer Straße. "Wir wohnen um die Ecke. Ich hatte also immer ein Auge auf den Bau", erinnert sich Elisa Böhmer.

Was da vor ihren Augen entstand, ist in vielerlei Hinsicht ein Novum für die Freiwillige Feuerwehr Großdöbschütz-Obergurig. Ortswehrleiter Daniel Kalley erinnert sich zurück an den alten Standort an der Drohmbergstraße. Und daran, wie Einsätze bisher begannen und endeten: "Das alte Feuerwehrgerätehaus lag wahnsinnig verwinkelt. Um das Fahrzeug auszuparken, musste man die Spiegel einklappen, Ein- und Aussteigen war nur vor der Fahrzeughalle möglich. Gegenverkehr war ein riesen Problem, die Unfallgefahr enorm", sagt er.

An das bestehenden Gebäude, einen ehemaligen Landwarenhandel, baute die Gemeinde eine neue Fahrzeughalle an.
An das bestehenden Gebäude, einen ehemaligen Landwarenhandel, baute die Gemeinde eine neue Fahrzeughalle an. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Auf den neuen Standort ist Daniel Kalley vor diesem Hintergrund nachvollziehbar stolz. In einer kleinen Fotogalerie im Eingangsbereich haben er und seine Kameraden den Wandlungsprozess des Gebäudes vom ehemaligen Landwarenhandel Paul zum Feuerwehrgerätehaus etappenweise festgehalten. Der begann damit, dass die Gemeinde Gebäude und Grundstück für rund 50.000 Euro kaufte. Weitere 932.988 Euro waren nötig, um den Altbau zu sanieren und um eine Fahrzeughalle zu erweitern. Diese Bilanz zieht Obergurigs Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU) nach Bauabschluss. 360.000 Euro für das Vorhaben kamen aus einer Fachförderung von Landkreis und Freistaat, weitere 40.800 Euro für die Gestaltung der Außenanlagen von der Leader-Projektförderung. Den Restbetrag von rund 600.000 Euro stemmt die Gemeinde selbst.

Gute Zusammenarbeit von Wehr und Gemeinde

Daran, dass sich die Investition, um die die 2000-Seelen-Gemeinde lange rang, gelohnt hat, lässt Daniel Kalley keinen Zweifel, als er durch das Gebäude führt. Auffällig ist dort die liebevolle Dekoration. Wimpel und Auszeichnungen schmücken die Wände. Gerahmte Fotos komplettieren sie. Das beeindruckendste Detail findet sich im großzügigen Gemeinschaftsraum. Dort wurde ein Wandbild, bestehend aus zahlreichen einzelnen Steinfliesen, in handwerklicher Fleißarbeit von der Drohmberg- an die Hainitzer Straße gebracht. Kurzum: Die Akzeptanz für den neuen Standort scheint groß. Vielleicht auch, weil die Zusammenarbeit von Gemeinde und Feuerwehr offenbar tadellos funktioniert hat: "Wir wurden von Anfang an in alle Entscheidungen einbezogen", betont Daniel Kalley mehrfach. Von anderen Wehren habe er gehört, dass das keinesfalls das Standard-Prozedere sei.

Die Gemeinde entschied sich gegen ein Feuerwehrgerätehaus von der Stange und verband stattdessen ein Bestandsgebäude mit einem Neubau. Von Anfang an wurde die Feuerwehr in das Vorhaben einbezogen.
Die Gemeinde entschied sich gegen ein Feuerwehrgerätehaus von der Stange und verband stattdessen ein Bestandsgebäude mit einem Neubau. Von Anfang an wurde die Feuerwehr in das Vorhaben einbezogen. © Visualisierung: Gemeindeverwaltung

Und damit sind die positiven Neuerungen noch nicht vollzählig: "Alles ist so positioniert, dass im Einsatzfall perfekte Bedingungen herrschen", sagt Daniel Kalley und zählt auf: Die Wege im Gerätehaus sind barrierefrei, Parkplätze gibt es sowohl vor als auch hinter dem Gebäude. Und noch etwas ist neu: Umkleide- und Sanitärbereiche sind hier neuerdings nach Geschlechtern getrennt.

Noch genügend Spinde frei

"Natürlich", sagt Daniel Kalley, "hat solch ein neues Feuerwehrdepot auch Strahlkraft." Mit guter Infrastruktur könne man neue Mitglieder locken - so, wie Elisa Böhmer. Die hat noch viel Platz für sich allein. Die Damenumkleide verfügt über acht Spinde. Nur einer ist bislang belegt. Und auch mehr Männer könne die Truppe noch vertragen, fügt Daniel Kalley hinzu.

Wer sich beeilt, kann vielleicht noch erleben, wie das neue Feuerwehrgerätehaus endgültig in Betrieb geht. Ein Einsatz wurde von hier aus nämlich bislang nicht gefahren. Und auch Elisa Böhmer muss sich noch gedulden, bis ihr Dienst wirklich beginnt: Zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus kann die 70-stündige Grundausbildung für Feuerwehren derzeit nicht angeboten werden.

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