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Großdubrau: Wo die Jugend selbst anpackt

Im Ortsteil Spreewiese gab es bislang keinen Treffpunkt für Jugendliche. Weil die Gemeinde nicht helfen konnte, suchten die jungen Leute selbst - und wurden fündig.

"Es gibt keinen Platz für die Jugend", finden Leonard Stier, Arthur und Hannes Lieschke sowie Hans Golchert (v.l.) aus Spreewiese. Deswegen wollen sie jetzt selbst einen Jugendclub aufbauen.
"Es gibt keinen Platz für die Jugend", finden Leonard Stier, Arthur und Hannes Lieschke sowie Hans Golchert (v.l.) aus Spreewiese. Deswegen wollen sie jetzt selbst einen Jugendclub aufbauen. © SZ/Uwe Soeder

Großdubrau. Wer dörfliches Leben mag, dem wird Spreewiese gefallen. In dem Gassendorf, das zur Gemeinde Großdubrau gehört, gibt es knapp über 100 Einwohner, ein sehenswertes Schloss, einen Mehrgenerationenplatz und ringsherum viele Seen, Felder und ein bisschen Wald.

Eines aber fehlt, fanden vier Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren: "Für Jugendliche gibt es hier keine Orte. Wir langweilen uns", sagt Hans Golchert. Gemeinsam mit Leonard Stier und den beiden Brüdern Arthur und Hannes Lieschke hat er an die Rast- und Wanderhütte am Mehrgenerationenplatz geladen. Hans Golchert deutet auf den Fußballplatz nebenan und sagt: "Wir könnten hier den ganzen Tag Fußball spielen. Aber bei schlechtem Wetter ist das nichts."

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Die Vierer-Truppe wandte sich deswegen an Lutz Mörbe (parteilos). "Wir haben gedacht, es ist eine gute Möglichkeit, sich an den Bürgermeister zu wenden. Er hat mehr Plan von den Dörfern ringsum und weiß, wo es Möglichkeiten gibt", sagen die vier jungen Männer. Dabei hatten sie das ehemalige Sportlerheim im Großdubrauer Ortsteil Särchen im Blick - reichlich anderthalb Kilometer von Spreewiese entfernt.

Gemeinde hat keine geeigneten Immobilien

Doch das wollte Lutz Mörbe nicht hergeben. Denn die Gemeinde plant, das ungenutzte Flurstück an der Straße Am Flugplatz, zu dem neben dem Sportlerheim auch der Sportplatz gehört, zu veräußern. Seit Ende Februar gibt es einen entsprechenden Grundsatzbeschluss des Gemeinderates. Lutz Mörbe sagt: "Eine Zwischennutzung lohnt sich nicht, wenn wir in sechs Monaten in den Verkauf gehen." Die Jugendlichen zeigen für diese Haltung so etwas wie Verständnis: "Die Gemeinde hat offenbar einen besseren Plan für die Zukunft des Geländes", sagt Leonard Stier.

Und auch Mörbe versteht: "Natürlich wollen die Jugendlichen einen Ort, an dem es im Winter nicht so kalt ist. Aber das Sportlerheim wäre eine Nummer zu groß gewesen. Die Jugendlichen sind alle noch nicht 18. Wer trägt die Verantwortung? Und wer die Betriebskosten von rund 7.500 Euro pro Jahr", fragt er und hat eine traurige Botschaft: "Ich sehe in der Ecke Spreewiese leider keine kommunale Liegenschaft, die ich zur Verfügung stellen könnte."

Jugendliche richten sich eine Hütte als Treffpunkt her

Private Eigentümer ungenutzter Bauten gibt es im Umkreis aber durchaus. Die wurden durch den Bürgermeister und die Jugendlichen gleichermaßen angefragt. Hannes Lieschke stieß dabei im Rahmen ehrenamtlicher Arbeit auf die Lösung: "Die Möglichkeit mit der Hütte ist ganz zufällig entstanden", sagt er. 15 massiv gebaute Quadratmeter stellt ein privater Eigentümer den Jugendlichen unentgeltlich zur Verfügung.

"Eine bessere Gartenlaube", sagen sie - und zeigen sich begeistert und tatendurstig: "Wir haben die Hütte ausgeräumt, den Putz runtergekratzt, jetzt kommt neuer Putz dran, und außerdem warten wir darauf, dass ein Dachdecker kommt und das Dach dichtmacht. Wir wollen ein gutes Ding daraus machen", sagen die vier enthusiastisch. In zwei bis vier Wochen wollen die Jugendlichen mit den Renovierungsarbeiten, die sie mit Unterstützung ihrer Familien finanzieren, fertig sein.

Bürgermeister schließt Unterstützung nicht aus

Mit dieser Lösung sind die vier jungen Männer zufrieden. Dass sie mit ihrem Vorhaben wachsen, schließen sie nicht aus. Das tut auch Lutz Mörbe nicht, der in Zukunft eine Unterstützung des Engagements durch die Gemeinde nicht ausschließt, daran aber klare Bedingungen knüpft - allerdings auch Bedenken äußert. "Was kommt, wenn die Jugendlichen zur Lehre gehen und nur am Wochenende zu Hause sind?", fragt er. Ein Objekt, das die ganze Woche leer stehe, sei nicht im Sinne der Gemeinde, so der Bürgermeister.

Für ihr Vorhaben können die Jugendlichen sowohl Geld- als auch Sachspenden gebrauchen. Gesucht wird etwa ein Stromversorgungsgerät für das neue Domizil. Wer etwas spenden will, bekommt alle nötigen Informationen von Alexander Golchert unter 01525/9344425.

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