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Heinrich Schleppers druckt nicht mehr

Der Bautzener Heinrich Schleppers verlässt seine Druckerei Ende Februar. Nach mehr als 45 Jahren Betriebsleitung will er aber noch ein wichtiges Ereignis miterleben.

Von David Berndt
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Noch für wenige Wochen steht Heinrich Schleppers an den Maschinen der gleichnamigen Digitaldruckerei in Bautzen. Dann verabschiedet er sich in den Ruhestand, der gar nicht so ruhig wird.
Noch für wenige Wochen steht Heinrich Schleppers an den Maschinen der gleichnamigen Digitaldruckerei in Bautzen. Dann verabschiedet er sich in den Ruhestand, der gar nicht so ruhig wird. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Heinrich Schleppers hat sein Ziel erreicht. Wenn seine Druckerei am 8. Februar ihr 90-jähriges Bestehen feiert, wird er noch als aktiver Mitarbeiter dabei sein. „Damit bin ich ein Jahr länger im Amt als mein Vater“, erzählt der Bautzener erfreut. Wobei es seine Druckerei, rein rechtlich gesehen, schon jetzt nicht mehr ist. Seit 31. Dezember 2021 ist er kein Teilhaber der Digitaldruckerei Schleppers mehr.

Als Angestellter seines neuen Chefs bleibt er nun noch bis Ende Februar im Dienst, unter anderem um seine Schränke auszuräumen und Kunden zu verabschieden. „Ich bin 52 Jahre im Beruf, 45 Jahre selbstständig, und ich glaube, nach der Zeit sollte man gehen. Hier ist junges Kollektiv, und sie sollen sich ihre Sporen verdienen“, blickt der gelernte Buchdrucker und spätere Buchdruckermeister auf seine Nachfolger. In diesem Jahr wird er 69. „Ich gebe den Betrieb in gute Hände. Wir haben rechtzeitig eine Nachfolgeregelung gefunden, und das ist gut gewesen.“

Sowjet-Dokument war "Freibrief"

„Seine“ Druckerei wird seit Jahresbeginn allein durch Robert Czyzowski vertreten. Bereits seit 2013 hatten sie das Unternehmen gemeinsam als Digitaldruckerei Schleppers geführt. Der Offsetdruck spielte seitdem keine Rolle mehr. Digital war und ist der neue Maßstab. So können etwa Formate in dreifacher A4-Größe gedruckt werden. Östlich von Dresden sei das einzigartig, erklärt Heinrich Schleppers. Ein anderes Produkt sind wasserfesten Folien für Krankenhäuser, auf die Hinweise für Patienten gedruckt werden.

Dass Heinrich Schleppers überhaupt so lange in der Druckerei arbeiten konnte, hat er seinem Vater, aber auch seinem unternehmerischen Geschick zu verdanken. 1932 gründete der damals 20-jährige Schleppers senior mit einem Geschäftspartner eine Steindruckerei. Sein Vater sei der einzige von 13 Druckern in Bautzen gewesen, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg einen Betrieb führten, aber nicht in der NSDAP waren. „Zwölf wurden mehr oder weniger geschliffen. Mein Vater war der Einzige, der weitermachen durfte, weil er kein Nazi war“, führt Heinrich Schleppers aus.

So hätten es die sowjetischen Besatzer entschieden. „Das war für uns ein gewisser Freibrief. Das Dokument stammt aus dem Frühjahr 1946. Da steht, dass der Betrieb nicht zu requirieren ist und der Druckerei Schleppers jegliche Hilfe zuteil werden muss. Das war sein Glück, und auf dieser Karte konnte ich wirklich bis 1989 fahren.“

Polygrafie-Studium blieb Heinrich Schleppers verwehrt

1956 trennten sich die Wege von Schleppers Vater und dessen Partner im Einvernehmen, da sie für einen privaten Betrieb zu groß gewesen und sonst verstaatlicht worden wären. Der Partner blieb beim Stein- und Offsetdruck, Schleppers Vater beim Buchdruck. Diesen Beruf erlernte Sohn Heinrich ab 1969 in der großen stattlichen Noba-Dowa-Druckerei in Bautzen, wo er auch seine Frau kennenlernte.

Die Lehre beendete er 1971, musste dann zur Armee, um seinen 18-monatigen Grundwehrdienst abzuleisten, und wollte danach eigentlich Polygrafie in Leipzig studieren, erinnert sich Heinrich Schleppers. Als fertiger Ingenieur hätte er dann etwa Anlagen und Maschinen für die Druckerei, Buchbinderei, die Papierherstellung und die Verpackungsmittelindustrie entwerfen und konstruieren können.

Nur wurde daraus nichts. „Mir wurde im Ausbildungsbetrieb gesagt, dass ich nicht geeignet wäre, und ich müsste erst in die Partei eintreten.“ Die SED kam für Heinrich Schleppers aber nicht infrage. „Ich bin dann in die CDU eingetreten, wieder hin und habe gesagt: ,Ich bin in die Partei eingetreten'. War nur die Falsche, und so war es nichts mit Studium.“

500.000 Gutscheinhefte für Drogeriemarkt gedruckt

Nach einem Gespräch mit seinem Vater stellte er ihn bei sich im Betrieb an, und Heinrich Schleppers machte seinen Meisterbrief, mit 24 Jahren. „Ich war damals einer der jüngsten Handwerksmeister in der DDR.“ Im Juli 1976 übernahm er die Druckerei des Vaters. Seine Ehefrau arbeitete dann ebenfalls dort.

In die neue Zeit nach der Wende hat Heinrich Schleppers seine Druckerei erfolgreich geführt. Da hatte er sich auch wieder von einer schweren Krebserkrankung in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre erholt. 1990 stellte er auf Offset-Druck um. 1992 wurde das neue Firmengebäude an der Baschützer Straße eingeweiht, und es wurden die ersten großen Aufträge ergattert: eine halbe Million Gutscheinhefte für die Drogeriemarktkette Schlecker und 250.000 Prospekte mit Werbung für die Oberlausitz. „Das war der erste Auftrag von der Wirtschaftsförderung Oberlausitz-Niederschlesien. Die haben damals noch in der Region drucken lassen.“

Es folgten aber auch Schwierigkeiten durch Wirtschaftskrisen und die große Konkurrenz durch die Internet-Druckereien. Pleite sei er trotzdem nie gewesen, auch wenn es mal Konsolidierungsmaßnahmen gegeben habe. Mittlerweile befindet sich die Druckerei im Gewerbegebiet an der Bautzener Spreegasse.

Dass am 8. Februar das Jubiläum 90 Jahre Druckerei Schleppers nur intern und nicht groß gefeiert werde, hänge nicht nur mit Corona zusammen. Das werde vielleicht in ein paar Monaten nachgeholt, wenn der Betrieb in die neuen Räume gleich nebenan umgezogen sein wird. Die Sanierung und der Umbau eines ehemaligen Speisesaals sind aber noch nicht abgeschlossen. Für Heinrich Schleppers bleibt aber auch im Ruhestand mehr als genug zu tun. Als CDU-Stadtrat und mit seinem Engagement bei der Initiative „Bautzen gemeinsam“ ist er voll ausgelastet.