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In Kirschau entsteht eine Attraktion für Fahrrad-Fans

Mitten im Ort können Mountainbiker künftig über Rampen springen und durch steile Kurven fahren. Doch die Anlage hat noch mehr Potenzial.

Unter Anleitung von erfahrenen Mountainbikern wie Christian Klaus (Mitte l.) bauen Kinder und Jugendliche derzeit in Kirschau ihren eigenen Bike-Park.
Unter Anleitung von erfahrenen Mountainbikern wie Christian Klaus (Mitte l.) bauen Kinder und Jugendliche derzeit in Kirschau ihren eigenen Bike-Park. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Das erregt Aufsehen: Seit gut einer Woche herrscht auf der Freifläche neben dem Kirschauer Jugendclub an der Callenberger Straße emsige Geschäftigkeit. Tonnen von schwerer Lehmerde wurden herbeigekarrt. Ein Radlader hat das Material zu zwei Haufen geschichtet. Seither wird die Erde mit Schaufeln und Spaten weiter bearbeitet. Zwischen fünf und zehn Jugendliche werkeln hier etwa zweimal pro Woche an den beiden Hügeln, die zunehmend Gestalt annehmen. Die umliegenden Anwohner beäugen die Arbeiten neugierig, denn was hier entsteht, gibt es im Oberland in dieser Form kein zweites Mal.

Eine Dirtline ist auf dem Areal hinter dem ehemaligen Gasthaus "Goldener Stern" auf einer Fläche von 19 Metern Breite und 43 Metern Länge geplant. So nennen Mountainbiker und BMX-Fahrer Trainingsstrecken, die dem Radfahrer schwierige Fahrmanöver und gewagte Sprünge abverlangen. Im Konzept zu dem Vorhaben heißt es: "Dirtjumps bestehen aus einem Absprung und einer Landung. Des Weiteren soll ein sogenannter Pumptrack entstehen. Das ist eine Kombination aus Wellen, Steilkurven und Rundungen, die Groß und Klein begeistern."

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Erdacht und aufgeschrieben hat die Idee Otto Thiemann aus Schirgiswalde. Seit 13 Jahren trainiert der gebürtige Bautzener Tricks und Sprünge mit dem Mountainbike, baute bereits in Sokulahora bei Kubschütz an einer entsprechenden Strecke mit. Als er vor einem reichlichen Jahr mit seiner Freundin nach Schirgiswalde-Kirschau zog, stellte er fest: "Hier gibt es viele fahrradbegeisterte Jugendliche mit großem Potenzial und Bock, was zu machen."

An geeigneten Möglichkeiten zum Trainieren aber mangelte es. Die Erfahrungen seiner eigenen Jugend motivierten Otto Thiemann zur Eigeninitiative. Er selbst, erzählt er, sei in der Anfangszeit seines Trainings ebenfalls an die Hand genommen worden, sei dazu ermuntert worden, selber Strecken zu schaffen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Dieses Gefühl wollte er auch den Jugendlichen geben, die er in Kirschau traf.

Mehrere Sprungrampen und ein Pumptrack, eine Art Geschicklichkeitsparcours, entstehen derzeit neben dem Jugendclub in Kirschau.
Mehrere Sprungrampen und ein Pumptrack, eine Art Geschicklichkeitsparcours, entstehen derzeit neben dem Jugendclub in Kirschau. © privat
Eine Runde auf der neuen Dirtline wird etwa 40 Meter lang sein. Befahrbar ist die Strecke in beide Richtungen.
Eine Runde auf der neuen Dirtline wird etwa 40 Meter lang sein. Befahrbar ist die Strecke in beide Richtungen. © privat

Gemeinsam errichteten die begeisterten Mountainbiker im Frühjahr dieses Jahres im Wald auf dem Callenberg eine geduldete Rampe. Freude hatten sie daran nicht lange. Otto Thiemann erzählt: "Das hat keine zwei Wochen gedauert, dann hat jemand die Rampe in Brand gesteckt", erzählt er. Ein Rückschlag für die Gruppe: "Danach war die Luft raus. Niemand hatte mehr richtig Lust", so Thiemann.

Er wandte sich mit seinem Anliegen an die Stadtverwaltung und fand Gehör. Das Angebot: Auf der unbebauten Fläche neben dem Kirschauer Jugendclub könne ein offizieller Bikepark entstehen. Die Bedingungen: Finanzierung und Umsetzuüng müssten in Eigenregie erfolgen. Der Verein Valtenbergwichtel aus Neukirch sicherte Unterstützung zu. Aus Thiemanns Sicht nahezu perfekte Voraussetzungen an einem gut geeigneten Standort: "Viel besser geht's eigentlich nicht. Wir haben dort einen zentralen Ort, der Platz für Anknüpfungspunkte bietet. Dort können neue Freundschaften und Kontakte entstehen. Außerdem haben wir einen Container, in dem wir unsere Werkzeuge so verstauen können, dass niemand sie klaut, - und Toiletten."

Kinder und Jugendliche bauen selbst mit

Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendclub, zu dessen Mitgliedern er inzwischen gehört, verlaufe problemlos: "Ich weiß nicht, ob wir hier mit unserer Idee einen Nerv getroffen haben, aber die sind alle total gespannt und happy, was hier passiert", erzählt der 26-Jährige.

Im kommenden Jahr, erzählen Thiemanns Bekannte Christian Klaus und Hannes Glaser, die am vergangenen Freitag mit fünf Kindern und Jugendlichen an den Formen von Absprung und Landepunkt der beiden ersten Rampen feilten, soll der Rundkurs fertiggestellt sein. Der zeitige Einbruch der Dunkelheit macht ihnen derzeit einen Strich durch die Rechnung. Dadurch können sie nachmittags nicht so lange bauen. Und viel mehr Lehmerde brauchen sie außerdem noch: Den derzeit verbauten 60 Kubikmetern sollen rund weitere 140 folgen, bis die Strecke fertig ist.

Auf einer Länge von etwa 40 Metern wird die Anlage dann in beide Richtungen befahrbar sein, wird verschiedene Möglichkeiten bereithalten, um die Abfolge der ganz unterschiedlichen Sprünge zu variieren - und außerdem Herausforderungen für Geübte und Anfänger.

Kosten für das neue Freizeitangebot sind niedrig

Der finanzielle Aufwand für das neue Freizeitangebot ist überschaubar: 1.000 Euro an Fördermitteln konnte die Initiative eintreiben. Das reicht, erklärt Otto Thiemann: "So ein Projekt ist ziemlich kostengünstig umsetzbar. Die Lehmerde ist bei Bauherren eher unbeliebt, weil sie teuer entsorgt werden muss. Eine Firma fährt uns die Erde kostenlos ran. Die Miete für den Radlader zahlen wir von der Förderung, und ansonsten brauchen wir nur ein paar Schaufeln und viele Helfer."

Ob der Bikepark nach seiner Fertigstellung mit einem Fest eingeweiht werden kann - das kann wegen Corona zurzeit niemand so recht sagen. Pläne für die Zukunft schmiedet Otto Thiemann dennoch schon jetzt: "Wenn unsere Welt sich wieder normal dreht, können wir dort Wettkämpfe veranstalten und den Ort so noch mehr beleben."

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