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Umleitungschaos am Kirschauer Berg

Zwei Ausweichstrecken führen derzeit durch Kirschau. Der Verkehr hat deutlich zugenommen. Die Anwohner sind genervt - nicht nur, weil es schon zwei Unfälle gab.

Jens Beddies wohnt in Kirschau an der Bautzener Straße. Dort entlang führen derzeit zwei Umleitungen, weil die Bundesstraßen in Wehrsdorf und Oppach gebaut werden. Die Anwohner leiden unter Lärm, Schäden an den Häusern und erhöhter Unfallgefahr.
Jens Beddies wohnt in Kirschau an der Bautzener Straße. Dort entlang führen derzeit zwei Umleitungen, weil die Bundesstraßen in Wehrsdorf und Oppach gebaut werden. Die Anwohner leiden unter Lärm, Schäden an den Häusern und erhöhter Unfallgefahr. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Die Anwohner der Bautzener Straße in Kirschau sind Leid gewohnt. Die Fahrbahn am Kirschauer Berg gleicht einem Flickenteppich. Die wenigsten Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern, die vor der Kita "Körse-Geister" und der Grundschule gilt. Mit all dem haben sich die Anwohner des Kirschauer Berges arrangiert. Derzeit aber ergibt sich auf dem Straßenabschnitt eine Situation, die Jens Beddies und seine Nachbarn nicht mehr stillschweigend hinnehmen wollen.

Seit Mai hat der Verkehr auf der Bautzener Straße spürbar zugenommen. Damals hatten die Arbeiten zur Fahrbahnerneuerung auf der B 98 in Wehrsdorf begonnen. Die Umleitung nach Steinigtwolmsdorf führt über Kirschau. Doch nicht nur die: Auch auf der B 96 in Oppach wird seit Mitte Juni gebaut; auch hier führt die Umleitung über die Kirschauer Ortsdurchfahrt.

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Um zu verstehen, was die Anwohner an diesem Zustand ärgert, bedarf es bei einem Besuch vor Ort nicht vieler Worte. Die wären ohnehin kaum zu verstehen, denn vor dem Gartentor von Jens Beddies lärmt an diesem Nachmittag der gesamte Verkehr aus dem und ins Bautzener Oberland vorbei.

Rita Schäfer, die gegenüber von Jens Beddies wohnt, zeigt auf die Fahrbahn zu ihren Füßen und sagt: "Der Breitbandausbau hat uns noch den Rest gegeben." An drei Stellen wurde im vergangenen Jahr die Fahrbahn über ihre gesamte Breite aufgeschnitten. Geblieben sind Asphaltflicken. Wie zum Beweis kommt ein Lastwagen den Berg hinaufgefahren. "Jetzt rumpelt es gleich dreimal", sagt Rita Schäfer - und behält recht.

Das Geschirr in ihren Küchenschränken klirrt in solchen Momenten, erzählt sie. Das sei aber nicht das größte Problem, fährt Rita Schäfer fort und zeigt auf Risse in der Außenfassade ihres Wohnhauses: "An den Krach haben wir uns gewöhnt, aber wer haftet für die Schäden an unseren Häusern", fragt sie.

Fahrbahninstandsetzung lässt auf sich warten

Jens Beddies wandte sich mit dieser Frage bereits am 25. Mai an das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Auf eine Antwort musste er über einen Monat warten. Befriedigend war sie nicht: Um Ansprüche für etwaige Schäden an den Häusern geltend zu machen, müssten die Anwohner ein Sachverständigengutachten anfertigen lassen - auf eigene Kosten.

Und auch sonst haben die Kirschauer wenig Aussicht auf Besserung: Zwar ist die Bautzener Straße zum grundhaften Ausbau vorgesehen. Wann die Fahrbahn aber in Ordnung gebracht wird, sei derzeit noch nicht absehbar, teilt das Lasuv mit: "Bei dem Vorhaben befinden wir uns aktuell in der Phase der Vorplanung. Aufgrund der noch ausstehenden Planungsschritte können wir noch keinen belastbaren Zeitraum für die Umsetzung benennen." Zuletzt hatte Sven Gabriel (FDP), der Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau, davon gesprochen, dass die Arbeiten wohl frühestens in acht Jahren beginnen werden.

Landratsamt lehnt zeitweise 30-km/h-Zone ab

Auch auf eine schnelle Zwischenlösung können die Kirschauer nicht hoffen. Ihrem Wunsch, für den Zeitraum der Bauarbeiten die gesamte Ortsdurchfahrt in eine Tempo-30-Zone umzuwandeln, erteilte das Bautzener Landratsamt Ende letzter Woche eine Absage.

Zur Begründung teilt die Behörde am vergangenen Donnerstag mit: "Bei einer Ortsbesichtigung heute Vormittag haben wir festgestellt, dass die Fahrbahn dort uneben und teilweise auch schadhaft ist. Vor allem leere Lkw verursachen deshalb beim Überfahren einen gewissen Lärm. Jedoch: In Anbetracht der gegenwärtig bestehenden Verkehrsfunktion und der festgestellten geringen Anzahl leerer und damit klappernder Lkw halten wir eine Geschwindigkeitsbeschränkung derzeit nicht für vertretbar."

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gab es am 22. Juni einen Verkehrsunfall im Kreuzungsbereich von Wilthener und Bautzener Straße. Der Rückstau reichte an diesem Tag den gesamten Kirschauer Berg hinauf.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gab es am 22. Juni einen Verkehrsunfall im Kreuzungsbereich von Wilthener und Bautzener Straße. Der Rückstau reichte an diesem Tag den gesamten Kirschauer Berg hinauf. © privat

Unbegreiflich ist das für Jens Beddies, der in dem erhöhten Verkehrsaufkommen auch eine steigende Unfallgefahr erkennt. Gleich zweimal krachte es innerhalb weniger Tage Mitte Juni an der Kreuzung von Bautzener und Wilthener Straße. Beddies zeigt ein Foto vom 22. Juni - dem Tag, als beim zweiten Verkehrsunfall an dieser Stelle zwei Menschen verletzt wurden. Der Rückstau, der durch die Beseitigung der Unfallfolgen entstand, reicht den gesamten Kirschauer Berg hinauf. Beddies sagt: "Wir haben inzwischen Angst, wenn wir unsere Kinder die paar Meter in den Kindergarten schaffen."

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Die Kirschauer wollen deshalb nun selbst handeln. Gemeinsam mit dem Ortschaftsrat sollen drei große Planen in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache Vorbeifahrende vom Fahrbahnrand aus auffordern, die Geschwindigkeit freiwillig auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Das Landratsamt kündigt jetzt an, während der Sommerferien den Straßenbelag auszubessern. Gebaut wird dann unter halbseitiger Sperrung. "Es wird keine weiteren Umleitungen geben", verspricht die Behörde.

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