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Königswartha: Plattenbauten werden modernisiert

Die Gemeinde will ihre Häuser in dem Viertel verkaufen, weil sie die Blöcke nicht mehr unterhalten kann. Ganz anders dagegen die Genossenschaft.

Die Fassade eines Blocks der Wohnungsgenossenschaft Königswartha wurde mit aufwendiger 3-D-Malerei verziert. Fahrstühle gibt es jetzt auch. Dafür investiert die Genossenschaft rund um Geschäftsführer Frank Woithe etwa eine Million Euro.
Die Fassade eines Blocks der Wohnungsgenossenschaft Königswartha wurde mit aufwendiger 3-D-Malerei verziert. Fahrstühle gibt es jetzt auch. Dafür investiert die Genossenschaft rund um Geschäftsführer Frank Woithe etwa eine Million Euro. © SZ/Uwe Soeder

Königswartha. Als jüngst die Neuigkeit die Runde machte, dass die Gemeinde Königswartha ihren Plattenbaustandort an einen privaten Investor verkaufen will, hob Frank Woithe den Finger und sagte: "Wir sind auch noch da."

Die beiden Blöcke der Wohnungsgenossenschaft in Königswartha befinden sich, genau wie jene der Gemeinde, am Kastanienring, rechts kurz hinter dem Ortseingang aus Richtung Bautzen. Auf der einen Seite sind sie umzingelt von den kommunalen Plattenbauten, nach hinten raus ist Feld und Wald. Ein Standort mit Widersprüchen und Vorzügen.

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Die 175 Wohnungen der Genossenschaft erfreuen sich großer Nachfrage: "Wir haben keinen Leerstand", sagt Frank Woithe, als sei das im Plattenbau die größte Selbstverständlichkeit der Welt. Guten, preiswerten und sicheren Wohnraum wolle die Genossenschaft bereitstellen. Das Credo steht mannshoch an der Fassade von Block eins.

Der rosaroten Wirklichkeit tritt die Realität entgegen. Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt: Die Wohnblöcke der kommunalen Wohnbau GmbH, die demnächst an einen privaten Investor aus Jena verkauft werden sollen, wirken ob des Leerstands teils gespenstisch; tote Fensteraugen blicken in die Welt. Aus den Eingängen treten Mieter mit klimpernden Jutebeuteln. Statt Spielplätzen findet man vergessene Sandflächen.

Ein besonderes Kunstwerk für den Giebel

Die beiden Blöcke der Wohnungsgenossenschaft wirken vor diesem Hintergrund wie eine Insel der Glückseligkeit: Gläserne Fahrstühle schmiegen sich an einem Block an die Fassade, die in diesem Jahr mit einer aufwendigen 3-D-Malerei zum Leben erweckt wurde. Rund 650.000 Euro haben die Verbesserungen des Komforts für die Mieter und die optische Aufhübschung nach außen hin die Genossenschaft gekostet.

Ähnliche Aufwendungen wird es laut Frank Woithe 2021 geben. Im nächsten Jahr sollen Fahrstühle und die Erneuerung der Fassade an Block zwei folgen. Die westliche Giebelseite soll ein besonderes Kunstwerk erhalten. "Da gibt es tolle Sachen; Menschen, die riesige Bücherregale an die Fassade malen", sagt Frank Woithe mit einem lustigen Blitzen in den Augen. "Ich habe unserem Planer gesagt, er soll sich dazu mal Gedanken machen." Die Kosten für die Mieter sind überschaubar: Um nicht einmal einen Euro steigt der Mietpreis pro Quadratmeter durch den Fahrstuhl - von 3,08 Euro auf knapp unter vier.

Ein Gespür für die Probleme der Mieter

Das ganz Kleine, das Individuelle - dafür hat Genossenschafts-Geschäftsführer Frank Woithe ein Gespür. Das merkt man, wenn man ihm zuhört. Manchmal ist er aber auch mit seinem Latein am Ende. Er erzählt zum Beispiel von diesem einen Mieter, ein Trunkenbold, dem einfach nicht mehr zu helfen war. Doch da war auch ein anderer, zu dem man den Gerichtsvollzieher schicken musste. Er wohne aber immer noch auf dem Kastanienring, in einer schöneren Wohnung sogar, und habe sich gefangen, erzählt Woithe. Und dann sind da noch all jene, die ein hübsches Bad bekommen.

Woithe zeigt Bilder kontrastreicher Fliesenspiegel. Weitestgehend, erzählt er, überlasse man die Wohnungen den Mietern in unsaniertem Zustand. Weil ja doch jeder eine andere Wandfarbe wolle. Wohnungen, in deren Bädern aber noch die Öltapete an der Wand klebe, findet er, könne man guten Gewissens nicht mehr vermieten "Bei manchen Besichtigungen habe ich mich richtig geschämt", sagt Woithe. Deswegen werde saniert, auch in bewohntem Zustand. Und auch, weil die Mieter es wollen.

Bäder werden auf den neusten Stand gebracht

Um ein Bad auf den neuesten Stand zu bringen, brauche es zwei Wochen und einen speziellen Menschen: "Einen Klempnermeister aus dem Ort, der auch noch fliesen kann", hat Woithe aufgetan. Die Mieter, die für die Aufwertung nicht zahlen müssen, konnotieren das. "Bis Ende 2021 haben wir keinerlei Kapazitäten mehr zur Badsanierung", sagt Frank Woithe. Während der Maßnahme gehen etwa zwei Wochen lang Handwerker in den jeweiligen Wohnungen ein und aus. Zwei bis drei Tage kann die Toilette mal ausfallen. Für den Ernstfall hat die Wohnungsgenossenschaft aber ein Campingklo angeschafft.

Ausbesserung, Erneuerung - damit müssen die Mieter der Wohnungsgenossenschaft momentan leben. Ab dem kommenden Jahr ist die Erneuerung der Wasserversorgung geplant. Woithe bleibt gelassen. Eine Sorge hat er aber: "Die Stelle des Geschäftsführers ist keine Vollzeitstelle. Wer soll das machen, wenn ich im Ruhestand bin?"

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