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Kirschauer Körse-Therme öffnet wieder

Anderthalb Jahre war das Bad zu. So lange wird auch um die Rettung des Bades gerungen. Hinter den Kulissen bewegt sich nun viel Gutes - und manch Bedenkliches.

Bis zur Sanierung, die ab dem Jahr 2023 geplant ist, wird die Kirschauer Körse-Therme ab Anfang Oktober wieder regulär öffnen. Das hatte Verbandsvorsitzender Sven Gabriel bereits im Juni verkündet.
Bis zur Sanierung, die ab dem Jahr 2023 geplant ist, wird die Kirschauer Körse-Therme ab Anfang Oktober wieder regulär öffnen. Das hatte Verbandsvorsitzender Sven Gabriel bereits im Juni verkündet. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Einige Liegen sind noch abgedeckt. Im Gastrobereich wird geräumt. Auf dem Außengelände sind Techniker unterwegs. Sonst ist alles beim Alten am Freitagmittag in der Kirschauer Körse-Therme. In einer Woche soll hier wiedereröffnet werden.

Ziemlich genau 18 Monate ist es her, dass die überraschende Nachricht von der dauerhaften Schließung des 23 Jahre alten Hallenbades die Runde machte. Da begann die Corona-Pandemie gerade, sich in all ihrer Heftigkeit abzuzeichnen. Und genau das - der Wegfall von Einnahmen infolge des Lockdowns - zwang den Zweckverband, der die Körse-Therme betreibt, den ohnehin defizitären Badbetrieb endgültig einzustellen.

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Seither wurde viel geredet. Über Verantwortlichkeiten, Profiteure und Mitgliedsgemeinden. Letztere müssen für eine mehr als zwei Jahrzehnte alte Entscheidung heute in jedem Jahr bares Geld zahlen. Das alleinige Ziel dabei: Das Bad trotz prekären Haushalts am Leben zu halten. Weil das nicht einfach ist, waren die Mitglieder des Zweckverbandes in den vergangenen Monaten besonders laut.

Einigung zwischen Landkreis und Zweckverband

Ihr Ruf ging stets in Richtung des Landkreises. Der Inhalt ihrer Appelle variierte kaum: Die Sanierung der Einrichtung sei unabdingbar, übersteige aber die Möglichkeiten der Verbandsmitglieder. Da waren sich die Stadt Schirgiswalde-Kirschau und die Gemeinden Sohland, Obergurig und Beiersdorf aus dem Nachbarlandkreis Görlitz einig. Gemeinsam bilden sie den Zweckverband.

Der Landkreis hörte die Rufe, der Kreistag bekannte sich frühzeitig zur Rettung der Therme. Dann wurden die Bürotüren geschlossen. Die Verhandlungen über die Verantwortungsübernahme des Landkreises für den Weiterbetrieb des Bades begannen. Nur wenig drang dabei nach außen. Die offizielle Stellungnahme war stets dieselbe: Es gebe noch offene Fragen zwischen den Verhandlungspartnern.

Die, bestätigen Bautzens Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) und Verbandsvorsitzender Sven Gabriel (FDP) am Freitag unisono, seien nun vom Tisch. Der Plan, den sie nennen, wirkt konkret: Derzeit sei die Landkreisverwaltung damit beauftragt, eine Beschlussvorlage für die Sitzung des Kreistages am 6. Dezember zu erarbeiten. Diese beinhalte vorerst den Verzicht auf die Neugründung einer Betreibergesellschaft und favorisiere stattdessen den Beitritt des Landkreises zum Zweckverband. "Wirtschafts- und steuerrechtlich ist dies die günstigste Variante", begründet Witschas.

Neue Betreibergesellschaft ist vorerst vom Tisch

51 Prozent der Anteile des Zweckverbandes will der Landkreis übernehmen, sobald die Zusage über die beantragten Fördermittel für die rund 15 Millionen Euro schwere Sanierung kommt. Gerechnet wird damit 2022. Bis dahin zahlt der Landkreis den seit Jahren üblichen Zuschuss von 200.000 Euro an die Körse-Therme weiter. Ab 2023 könnte das Bad mithilfe der Zuwendungen grundlegend saniert und modernen Standards angepasst werden. Dann, denkt Udo Witschas, könnten sich vielleicht auch andere Gemeinden berufen fühlen, sich zu der Einrichtung zu bekennen und dem Zweckverband beizutreten.

Aber all das ist noch Zukunftsmusik. Derzeit stehen die Zeichen im Zweckverband weniger auf Mitgliederzuwachs, denn auf -verlust: Am kommenden Dienstag werden die vier Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden sich zur Verbandsversammlung zusammenfinden. Auf der Tagesordnung wird dann das Ausscheiden der Gemeinde Beiersdorf aus dem Zweckverband stehen. Angestrebt sei der Schritt schon länger, sagt Beiersdorfs Bürgermeister Hagen Kettmann (parteilos) am Telefon. Weil er "die Sinnhaftigkeit des Zweckverbandes nicht mehr gegeben" sieht. Die Hoffnung, dass sich die Mitgliedschaft für Beiersdorf irgendwann rentiere, hat er offenbar aufgegeben.

Nach anderthalb Jahren Badschließung haben Vize-Landrat Udo Witschas (l.), Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (M.), Henriett Pietsch, die Geschäftsführerin der Körse-Therme, und Verbandsvorsitzender Sven Gabriel (r.), Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirs
Nach anderthalb Jahren Badschließung haben Vize-Landrat Udo Witschas (l.), Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (M.), Henriett Pietsch, die Geschäftsführerin der Körse-Therme, und Verbandsvorsitzender Sven Gabriel (r.), Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirs © Steffen Unger

Darauf angesprochen wird Udo Witschas ernst: "Ich frage mich, wo das Prinzip der Solidarität in diesem Zusammenhang bleibt", sagt er. Und: "Beiersdorf sollte sich fragen, ob es die Gesamtrettung der Körse-Therme aufs Spiel setzen will, weil dafür der politische Wille fehlt." Den anderen Verbandsmitgliedern empfiehlt er entschieden, den Antrag aus Beiersdorf abzulehnen. Laut Verbandssatzung braucht es dafür eine Mehrheit von 75 Prozent.

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Auch nach der jüngsten Sitzung des Kreistages gibt es keinen konkreten Plan zur Rettung des Kirschauer Bades. Öffnen soll es trotzdem so bald wie möglich.

Die Besucher der Körse-Therme brauchen sich von diesen Ränkespielen im Hintergrund indes nicht verunsichern zu lassen. Die Körse-Therme wird am 1. Oktober öffnen - zu den gewohnten Öffnungszeiten, denn seit Donnerstagabend ist klar: Mit der Unterstützung der Stadt Wilthen und der Gemeinden Sohland, Cunewalde, Steinigtwolmsdorf und Oppach werden ausreichend Schwimmmeister für den regulären Badbetrieb zur Verfügung stehen.

Bis zu 200 Besucher gleichzeitig, so sieht es das bisherige Hygienekonzept vor, können sich dann gleichzeitig auf dem Areal aufhalten. Für den Zutritt gilt die 3-G-Regel.

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