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Lerndefizite: So gehen die Schulen damit um

Für das nächste Schuljahr gibt es ein "Aufholprogramm" von Bund und Ländern. So lange können Schüler, Lehrer und Eltern im Landkreis Bautzen aber nicht warten.

An den Schulen im Landkreis Bautzen läuft der Präsenzunterricht wieder. Jetzt geht es auch darum zu ermitteln, wer welche Lerndefizite hat und wie diese behoben werden können.
An den Schulen im Landkreis Bautzen läuft der Präsenzunterricht wieder. Jetzt geht es auch darum zu ermitteln, wer welche Lerndefizite hat und wie diese behoben werden können. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Schulschließungen, Wechselunterricht, Homeschooling: Vielen Schülerinnen und Schülern im Landkreis Bautzen haben in den vergangenen Monaten nicht nur eine Tagesstruktur und wichtige soziale Kontakte gefehlt, sondern ebenso die entsprechende pädagogische Vermittlung von Bildung. Jetzt geht es auch darum, die Corona-bedingten Lerndefizite zu erfassen, wie etwa Martina Lentz erklärt.

Laut der Leiterin der Dr.-Gregor-Mättig-Grundschule in Bautzen wurde nach der Rückkehr in die Schule geprüft, wie der Stand bei den Schülern ist. „Ich muss ein großes Lob an unsere Lehrer, die Eltern und Schüler aussprechen. Sie haben alle viel geleistet.“ Trotz Homeschooling oder Notbetreuung gebe es so nur ganz wenige Erstklässler, die das Schuljahr wiederholen müssten. „Da bin ich wirklich positiv überrascht, weil das Lesen, Schreiben oder Rechnen auf Distanz zu lernen, wirklich sehr schwierig ist.“

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Mättig-Grundschule engagiert Nachhilfelehrer

Wie Vincent Richter, Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) in Bautzen mitteilt, gelte es nun, „mit dem Aufholen und Lückenschließen zu beginnen.“ Grundschulen könnten sich etwa auf die Kernfächer konzentrieren und andere außen vor lassen. Das Sächsische Kultusministerium (SMK) habe für alle Schularten, Klassenstufen und Fächer erarbeiten lassen, was in diesem Schuljahr behandelt sein sollte und wo man im kommenden Schuljahr weitermache.

An der Mättig-Grundschule werde schon aus eigenem Antrieb heraus zusätzlich gefördert, sagt die Leiterin. „Wir nutzen Gelder, die für Ganztagsangebote (GTA) zur Verfügung stehen, und haben damit zwei Nachhilfelehrerinnen engagiert.“ Eine ehemalige Kita-Leiterin und eine ehemalige Hort-Erzieherin seien aus dem Ruhestand geholt worden und fördern Schüler jetzt in Kleingruppen oder im Einzelunterricht. Auch der FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) der Schule helfe beim Einzelunterricht und übe mit den Kindern zum Beispiel die Malfolgen.

„Wo die Grundlagen fehlen, müssen wir ran“, führt Martina Lentz aus. Die Förderstunden laufen parallel zum Unterricht. Am Nachmittag würde das wenig Sinn machen, weil die Kinder dann nicht mehr in der Lage seien, konzentriert zu lernen.

Mehr versetzungsgefährdete Schüler am Goethe-Gymi

Bautzens Kreiselternsprecher Mario Metzner bestätigt, dass derzeit erfasst wird, wie groß die Defizite bei den Schülern sind. „In den Gesprächen mit Elternvertretern ist aktuell noch kein pauschales klares Bild abzuleiten.“ Angebote wie Förderunterricht seien innerhalb der Schulen ein erster Ansatz. Auch Schulbegleiter könnten ein Teil der Lösung sein. Problematisch sei allerdings der Lehrermangel. „Bereits in der Vergangenheit wurden aufgrund des Lehrermangels Klassen bis zum maximalen Klassenteiler gebildet“, fügt Mario Metzner hinzu, obwohl kleinere Klassen ein Weg gewesen wäre, Lerndefizite zu beheben.

Am Goethe-Gymnasium in Bischofswerda ist die Bestandsaufnahme laut Jacqueline Winkler abgeschlossen. Die vorsitzende Elternrätin erklärt, dass die Zahl versetzungsgefährdeter Schüler größer ist als in „normalen Schuljahren“. Elternrat und Schule haben sich auf ein Vorgehen geeinigt. „Im ersten Schritt wurden Gespräche mit den Eltern geführt, deren Kinder in mehreren Fächern auf Note fünf stehen“, führt Jacqueline Winkler aus. Dann habe man gemeinsam nach individuellen Lösungswegen gesucht. So würden etwa freiwillig wiederholte Schuljahre nicht auf die Schulzeit angerechnet.

95 Millionen für Förder- und Nachhilfeangebote

Man konzentriere sich zudem voll auf schulische Inhalte. Ausflüge wie Wandertage oder Ähnliches gebe es vorerst nicht. Dafür werde aber kein Druck ausgeübt, jetzt unbedingt noch eine bestimmte Anzahl an Zensuren zu liefern. „Es geht darum, das Wissen wieder auf einen einheitlichen Stand zu bringen“, sagt die vorsitzende Elternsprecherin.

Für das kommende Schuljahr haben sich Bund und Länder auf ein „Aufholprogramm“ geeinigt, für das es in Sachsen 95 Millionen geben soll. Geplant seien Förder- und Nachhilfeangebote „unter Einbeziehung auch externer Bildungsanbieter“, ein Ausbau von Ganztagsangeboten oder die Verstärkung der Schulassistenz.

Es mangelt an ausgebildeten Lehrern

Aber Defizite und den Bedarf, diese zu decken, gibt es schon jetzt. Das bestätigt Achim Bär, Leiter der Oberschule in Cunewalde. Gerade Schüler, die sich schlecht organisieren können, hätten nach dem langen Zu-Hause-Lernen Schwierigkeiten. Dazu käme, dass einige Eltern ihre Kinder nach wie vor nicht in die Schule schicken, sondern weiter im Homeschooling betreuen.

„Wir versuchen, das Versäumte erstmal über die Wiederbelebung der Schulstrukturen aufzuholen", sagt Bär und gibt zu bedenken: "Wissen kann man nicht mit Geld kaufen.“ Und auch mehr Personal käme dadurch nicht automatisch an die Schulen. Es fehle an ausgebildeten Lehrern.

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Auch Martina Lentz wäre an der Mättig-Grundschule mit mehr Lehrern viel besser geholfen als mit Geld. „Die Schulen müssen sich kümmern, aber das ist ja nichts Neues“, sagt die Schulleiterin. Sie will im kommenden Jahr den Förderunterricht noch ausbauen und die Klassen stundenweise in verschiedene Gruppen einteilen, je nach Bedarf. Da könne es um Unterrichtsinhalte, aber auch um bessere Konzentration oder um Bewegung gehen. „Wenn die Gruppe nicht so groß ist, gelingt die Förderung auch besser.“

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