merken
PLUS Bautzen

Kreis Bautzen: So wird bei Gefahren gewarnt

Sirenen, Apps, Radio: Im Landkreis Bautzen soll eine Mischung aus verschiedenen Mitteln die Bürger warnen. Was dafür noch verbessert werden muss.

Im Landkreis Bautzen könnte es in Zukunft wieder mehr aktive Sirenen geben, um die Bevölkerung wie bei den jüngsten Hochwasserereignissen zu warnen.
Im Landkreis Bautzen könnte es in Zukunft wieder mehr aktive Sirenen geben, um die Bevölkerung wie bei den jüngsten Hochwasserereignissen zu warnen. ©  Symbolbild/dpa

Bautzen. Überschwemmte Grundstücke, Keller voller Wasser, überspülte Straßen: Die Menschen im Landkreis Bautzen hatten am 17. Juli und den darauffolgenden Tagen mit den Auswirkungen von Starkregen zu tun. Die Lage war vor allem an einigen Stellen im Bautzener Oberland, in Bischofswerda und in Bautzen kritisch. Kleine Flüsse wie die Wesenitz sowie diverse Bäche traten über die Ufer und verwandelten sich zeitweise zu reißenden Strömen.

Anzeige
Finde den Weg zu deinem Traumberuf!
Finde den Weg zu deinem Traumberuf!

Ausbilder und Azubis stellen dir auf dem „Aktionstag Bildung“ am 25.09.2021 verschiedenste Berufe vor. Jetzt schnell Plätze sichern!

Hinterher stellt sich vielerorts die Frage, ob die Schäden hätten geringer sein können, wenn entsprechend gewarnt worden wäre. Sächsische.de ist deshalb der Frage nachgegangen, wie im Landkreis Bautzen bei Gefahren eigentlich gewarnt wird.

Im Landkreis Bautzen gibt es 194 aktive Sirenen

Wie das Landratsamt erklärt, werden im Landkreis Bautzen „Sirenen mit dem Warnsignal ,Warnung vor einer Gefahr‘ genutzt“. Sinn und Zweck sei es, auf eine Gefahrenlage aufmerksam zu machen und die Bürger zu konkreten Maßnahmen aufzufordern, wie Fenster und Türen zu schließen oder das Radio anzuschalten, um weitere Informationen zu erhalten, führt Sprecherin Mandy Noack aus. Derzeit gebe es dafür 194 aktive Sirenen. Die Bedeutung der verschiedenen Signale und Verhaltensregeln sind auf einem Merkblatt des Freistaates Sachsen zu finden.

Zudem nutze die Integrierte Regionalleitstelle Ostsachsen für Informationen zu konkreten Gefahrenlagen oder Handlungsanweisungen das Warnsystem Mowas (Modulares Warnsystem) vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Laut Mandy Noack können darüber Warngebiet, -stufe und -text eingegeben sowie die Warnmittel festgelegt werden. Dazu gehören etwa Apps, Radiosender oder Textband im Fernsehen. „Durch diese zentrale Steuerung müssen die einzelnen Warnmittel nicht mehr jeweils separat ausgelöst werden.“

Stadt Bautzen setzt auf eine Mischung der Warnmittel

Mowas liefert zum Beispiel Daten an die Warn-Apps Nina vom BBK oder Katwarn vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme. Zwar gab es darüber am 17. Juli keine Warnung vor möglichen Hochwassern im Landkreis Bautzen, aber am Folgetag Warnungen und Empfehlungen wegen Trübstoffen im Trinkwasser im Sohlander Ortsteil Wehrsdorf.

Auch die Stadt Bautzen plädiert für eine Mischung, wie Sprecher Markus Gießler zusammenfasst. Wer unterwegs ist, könne mittels Warn-App erreicht werden. Sirenen würden dagegen vor allem Menschen ohne Smartphone helfen oder während sie schlafen beziehungsweise bei einem Ausfall des Mobilfunknetzes.

Bei bestimmten Hochwasserwarnstufen nutze die Feuerwehr Bautzen eine mobile Sirene und Lautsprecherdurchsagen. Das könne durch Warn-Apps oder Informationen im Radio oder Fernsehen unterstützt werden. „Ebenfalls warnen der Deutsche Wetterdienst (DWD) und das Landeshochwasserzentrum per Nina-App über drohende Unwetter oder steigende Pegel“, führt Markus Gießler weiter aus.

Wie gut wird im Landkreis Bautzen gewarnt?

Nicht überall im Landkreis sind Sirenen aktiv. So wurde im Stadtrat von Elstra aufgrund der aktuellen Hochwasserereignisse in Deutschland jetzt angeregt, die Sirenen wiederzubeleben. Es gehe vor allem darum, die Bevölkerung vorzuwarnen. Aktuell wird in den Ortsteilen Rauschwitz und Prietitz mit Sirenen gearbeitet. Über mögliche weitere Standorte habe es schon Gespräche mit der Leitung der Feuerwehr Elstra gegeben.

Auch in Bautzen sei „der Wiederaufbau eines flächendeckenden Sirenennetzes sinnvoll“, erklärt Stadtsprecher Markus Gießler. Aktuell gebe es eine aktive Sirene im Ortsteil Kleinwelka. „Entscheidend ist ein einheitliches System, wodurch es für die Bürger übersichtlich bleibt.“ Für Bautzen wurden laut Gießler jetzt durch den DWD Warnungen zu drohenden Unwettern mittels TV, Radio oder Warn-App veröffentlicht.

Auch Kamenz und Schiebock für Ausbau der Sirenen

Deutlich mehr Sirenen gibt es in Kamenz, wie Stadtsprecher Thomas Käppler mitteilt. 13 Ortsteile der Stadt verfügen über entsprechende Anlagen, womit die Feuerwehren alarmiert würden sowie die Bevölkerung bei Gefahrensituationen gewarnt werde. Aufgrund der Hochwasserereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz prüfe man die Warnsituation in Kamenz, was auch dazu führen könnte, „dass Sirenen nachgerüstet werden. Am Ende wird es ein Geflecht verschiedener Warnmöglichkeiten sein müssen“, führt Thomas Käppler aus.

In Bischofswerda wurden bei den jüngsten Überschwemmungen laut Gemeindewehrleiter Martin Pfitzner keine der bislang genannten Warnmethoden genutzt. „In Bischofswerda können flächendeckende Warnungen wie TV, Radio oder App nicht das Mittel der Wahl sein. Für derartige kleinräumige Notsituationen müssen lokale Warnmöglichkeiten geschaffen werden.“

Dazu müsse das Sirenennetz ausgebaut werden, sodass Sprachdurchsagen möglich sind. „Allerdings sollte dies durch den Landkreis Bautzen flächendeckend initiiert werden“, führt der Wehrleiter aus. Wie die Bischofswerdaer Stadtverwaltung mitteilt, gibt es derzeit zehn Sirenen in der Stadt und ihren Ortsteilen.

Kreis Bautzen plant keine eigene App

Das Landratsamt setzt auf die „Kombination von Sirenen und Mowas“. Damit werde eine große Bandbreite an Warnmitteln abgedeckt. Derzeit sei im Landkreis Bautzen nicht geplant, diese „Warnmethoden zu erweitern“. Bereits im September 2020 hatte das Landratsamt mitgeteilt, keine eigene Warn-App einführen zu wollen.

Weiterführende Artikel

Hochwasser: So können Sie gewarnt werden

Hochwasser: So können Sie gewarnt werden

Die Flut offenbart Lücken beim Katastrophenschutz: Viele Sirenen wurden abgebaut. Apps, Radio und Internet warnen jetzt nur unter einer Bedingung.

Was läuft schief beim Katastrophenschutz?

Was läuft schief beim Katastrophenschutz?

Unwetter mit massiven Folgen: Auch wenn plötzlich viele helfende Hände und Sofort-Lösungen da sind, ist beim Krisenmanagement noch Luft nach oben.

Damals verlief der bundesweite Warntag im Landkreis Bautzen wie auch in einigen anderen Regionen nicht so wie gewünscht. Im kommenden September sollte eigentlich wieder solch ein Warntag stattfinden, der aber ausfällt und nach BBK-Angaben nun für September 2022 vorgesehen ist, da man erst eine umfassende Testlandschaft aufbauen wolle. (mit SZ/Hga)

Mehr zum Thema Bautzen