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Kreis Bautzen: Wirte und Veranstalter setzen auf 3G

Im Landkreis Bautzen wäre für bestimmte Bereiche jetzt auch das 2G-Modell möglich. Betroffene erklären, warum sie es nicht anwenden wollen.

Annett Schneider leitet das Moments Boutique Hotel mit eigenem Restaurant in Bautzen. Sie setzt auf das 3G-Modell.
Annett Schneider leitet das Moments Boutique Hotel mit eigenem Restaurant in Bautzen. Sie setzt auf das 3G-Modell. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die große G-Frage stellt sich coronabedingt nun auch im Landkreis Bautzen. Veranstalter, Betreiber von Freizeiteinrichtungen oder Gastronomen könnten ab Sonntag ausschließlich die Besucher in ihre Innenräume lassen, die gegen das Coronavirus geimpft oder von Covid-19 genesen sind. Negativ Getestete hätten dann keinen Zutritt.

Annett Schneider, Leiterin des Moments Boutique Hotels in Bautzen, zu dem auch das Restaurant Wolfgang’s gehört, lehnt 2G ab. „Mit dem 2G-Modell würden wir potenzielle Besucher ausschließen. Das wollen wir nicht, sondern möglichst alle Gäste weiterhin begrüßen.“

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In ihrem Haus werde es beim 3G-Modell bleiben, sollte dies wegen der aktuellen Inzidenz nötig sein. „Wir sind überzeugt, dass das 3G-Modell mit den dazugehörigen Tests und weiteren Hygieneregeln für die nötige Sicherheit sorgt und wir auch so Infektionen vermeiden können“, führt Annett Schneider aus.

Ab Sonntag gilt für viele Bereiche 3G

Da die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Bautzen auch an diesem Freitag über 35 liegt, gilt ab Sonntag das 3G-Modell. Das heißt, etwa für den Zugang zur Innengastronomie, zu Freizeiteinrichtungen oder körpernahen Dienstleistungen sowie Sport in Hallen oder anderen Räumen muss ein Impf oder Genesenen-Nachweis oder ein negativer Test vorgelegt werden.

Im Rahmen der neuen Corona-Schutzverordnung des Freistaates Sachsen können Veranstalter oder Betreiber entsprechender Einrichtungen aber auch das 2G-Modell anwenden. Dan hätten nur geimpfte und genesene Besucher Zutritt. Vorgaben für den Mindestabstand oder das Tragen von Masken würden für sie dann entfallen. Für Kinder unter 16 Jahren gilt dabei eine Sonderregel. Sie dürfen generell an 2G-Veranstaltungen teilnehmen, im Gegensatz zu Personen, die sich nicht impfen lassen können.

Doch neben Annett Schneider halten auch andere Hoteliers und Gastronomen aus dem Landkreis Bautzen nichts vom 2G-Modell. Claudia Winter, Inhaberin der Villa Weiße in Kamenz, schließt es aus. „Wir haben zu viele Stammgäste, die nicht geimpft sind. In Großstädten kann man auf diese Gäste vielleicht verzichten, wir aber nicht.“ Auch sie wolle niemanden ausschließen.

Wirte wollen keine Gäste aussperren

Romano Porsche betreibt mit seiner Frau Vanessa den Gasthof Erbgericht in Neukirch/Lausitz und hat sich auch schon Gedanken zu dem Thema gemacht. „Ich persönlich bin der Meinung, dass die 2G-Regel zu weit reicht. Ich finde es nicht richtig, dass Leute, die immer auf Abstände gehalten haben oder wie auch immer nicht erkrankt sind, dafür bestraft werden.“

Karl-Heinz John vom Gasthof Butterberg in Bischofswerda hält vom 2G-Modell gar nichts. „Wir brauchen die Gäste, wenn sie jetzt wieder kommen können“, sagt der Gastwirt und fügt hinzu: „Wir wollen und können nicht die Gäste aussperren, die uns unterstützt haben, als sie das Essen nur abholen oder später nur die Außengastronomie nutzen konnten.“

Auch Veranstalter im Kreis Bautzen setzen auf das 3G-Modell. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen erklärt, dass ab einer Inzidenz über 35 momentan die 3G-Regel vorgesehen sei. Daran halte man sich laut Intendant Lutz Hillmann. „Als Volkstheater, wie der Name schon sagt, möchten wir den Zutritt zu unseren Veranstaltungen möglichst vielen Menschen ermöglichen. Alles andere kann nicht unsere Intention sein.“ Daher bevorzuge das Theater das 3G-Modell.

Partyveranstalter wendet 3G bereits bei Inzidenz ab 10 an

Gerade in der Vorweihnachtszeit seien auch Familien ein sehr wichtiger Teil des Publikums, „die wir mit 2G unter Umständen ausschließen würden, wenn sich ein Elternteil nicht impfen lässt“, fügt Lutz Hillmann hinzu. Dazu zählten auch Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. „Sollte es der Gesetzgeber aber vorschreiben, dass bestimmte Veranstaltungen nur mit 2G stattfinden dürfen, werden wir uns dem nicht verschließen können“, sagt Bautzens Intendant.

Auch für die Stadt Kamenz, die etwa die Hutbergbühne und das Stadttheater betreibt, ist 3G das Modell der Wahl, wie Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) mitteilt. Er sehe „keinen Grund, Menschen, die nicht geimpft sind, von Veranstaltungen auszuschließen, sodass weiter Testangebote unterbreitet werden.“

Toni Heide ist Geschäftsführer des Unternehmens Gastrobande, das Tanzveranstaltungen vor allem in der Oberlausitz organisiert, etwa „Bautzen tanzt“ an diesem Sonnabend in der Stadthalle Krone. Heide setzt bereits ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von zehn auf das 3G-Modell.

Es habe sich mittlerweile beim Publikum etabliert. „Gerade das dritte G, die Getesteten, sind doch die einzige Gruppe, von der man zu diesem Zeitpunkt weiß, dass sie nicht infiziert ist und so auch niemanden ansteckt. Wir können die Besucher am Eingang kontrollieren und so für eine sichere Veranstaltung sorgen. Zudem haben wir weitere Hygienemaßnahmen.“

Allerdings kann diese vermeintliche Sicherheit trügerisch sein. So hat etwa der Hallenser Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé vor Kurzem in der ZDF-Sendung von Markus Lanz erklärt, dass auch Geimpfte mit Corona infiziert und ansteckend sein können. Und bei Getesteten müsse man im pessimistischsten Fall davon ausgehen, dass etwa jeder fünfte Negativtest falsch ist.

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Die Regelungen für die Veranstaltung "Bautzen tanzt" wurden vorab mit Rolf-Alexander Scholze abgestimmt. „Wir haben Checklisten, die wir mit jedem Veranstalter frühzeitig durchsprechen“, sagt der Krone-Manager. Dabei gehe es etwa darum, wer die Einlasskontrollen übernimmt, welchen Abstand Stühle voneinander haben müssen, ob die Lüftungsanlage genutzt wird oder stattdessen Fenster geöffnet werden. „Man muss immer schauen, was zum jeweiligen Zeitpunkt erlaubt und wie geregelt ist. Unsere Verantwortung ist, dies frühzeitig zu besprechen.“ (mit SZ/rw)

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