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Jenkwitz: Anwohnerärger nach Straßenbau

Vor einem Jahr wurde die verbesserte Ortsdurchfahrt fertiggestellt. Nun leiden die Anwohner einer Nachbarstraße unter den Folgen des Umbaus.

Agnes Mittasch, Kathrin Brandt, Rainer und Christine Hupka sowie Gisela Reusner (v.l.) wohnen an der Straße Am Steigerturm in Jenkwitz. Die steht seit der Erneuerung der Ortsdurchfahrt regelmäßig unter Wasser. Die Gemeinde will das jetzt ändern.
Agnes Mittasch, Kathrin Brandt, Rainer und Christine Hupka sowie Gisela Reusner (v.l.) wohnen an der Straße Am Steigerturm in Jenkwitz. Die steht seit der Erneuerung der Ortsdurchfahrt regelmäßig unter Wasser. Die Gemeinde will das jetzt ändern. © SZ/Uwe Soeder

Kubschütz. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, da titelte Sächsische.de zum Ausbau der Ortsdurchfahrt im Kubschützer Ortsteil Jenkwitz: "Mehr Komfort für Anwohner". Der Beitrag damals steckte voller guter Nachrichten: Statt der ursprünglich kalkulierten Bauzeit von drei Jahren konnten die Arbeiten bereits nach zwei Jahren abgeschlossen werden. Billiger als veranschlagt war die Maßnahme auch geworden. Und: Das Wasser, das bei Regen von den Feldern geflossen war und das Ortszentrum unter überflutet hatte, hieß es damals, werde dank Regenwasserüberläufen und neuer Stützmauern an vereinzelten Grundstücken nun kontrolliert abgeleitet.

Seither ist viel Regen auf die Felder rund um Jenkwitz geprasselt - und die Äußerungen von Bürgermeister Olaf Reichert (parteilos) und der zuständigen Baufirma mussten sich der kritischen Prüfung durch die Jenkwitzer unterziehen. Einige von ihnen stellen der Maßnahme nun ein kritisches Zeugnis aus. Sie alle bewohnen Grundstücke an der kleinen Anliegerstraße Am Steigerturm, vis-à-vis des neu gepflasterten Dorfplatzes.

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In einer Senke sammelt sich Wasser

Die Nachricht über den Ausbau der einst maroden Ortsdurchfahrt sei für sie alle eine gute gewesen, erinnern sie sich zurück. Natürlich habe der zweijährige Umbau Einschränkungen mit sich gebracht. Mit denen habe man sich aber gern arrangiert, fahren sie fort. Und auch die Baufirma sei sehr rücksichtsvoll mit den Anwohnern umgegangen.

Der Ärger habe erst begonnen, als die Baumaschinen abgerückt seien. Denn durch die Straßenbaumaßnahme habe sich das Höhenverhältnis zwischen der sanierten Straße Am Monarchenhügel und dem Gemeindeweg Am Steigerturm verändert, sagt Agnes Mittasch. Bei Regen sammle sich das Wasser nun in einer Senke, weil es dort keine Abflussmöglichkeit gibt. Gullideckel kann man dort zwar entdecken, die liegen aber vor oder hinter der Senke - jedenfalls deutlich zu hoch.

Die Folge: "Man müsste vielleicht einen kleinen Fährbetrieb einrichten, damit wir von und auf unsere Grundstücke kommen. In jedem Fall geht es nicht ohne Gummistiefel", sagt Anwohner Rainer Hupka mit einer gehörigen Portion Galgenhumor.

Bei Regen sammelt sich Wasser in einer Senke auf die Straße Am Steigerturm in Jenkwitz. Um die Stelle passieren zu können, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Der eine führt über ein Privatgrundstück. Der andere funktioniert nur mit Gummistiefeln.
Bei Regen sammelt sich Wasser in einer Senke auf die Straße Am Steigerturm in Jenkwitz. Um die Stelle passieren zu können, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Der eine führt über ein Privatgrundstück. Der andere funktioniert nur mit Gummistiefeln. © privat

Und auch wenn das Wasser sich einen Weg gesucht und abgeflossen sei, höre der Ärger für vier Familien, die hier wohnen, nicht auf. "Der Dreck und die Pampe sind dann unerträglich", sagt Rainer Hupka und deutet auf einen Bord mit Pflanzsteinen, den er auf seinem Grundstück errichtet hat. An dessen Rändern haben sich Häufchen von Sand, Kies und Dreck gebildet. Der kommt nicht von ungefähr: Die Deckschicht des Weges besteht aus einer sogenannten Schlesischen Wegdecke. Das ist eine Oberfläche, die aus einem Sand-Splitt-Gemisch besteht. Im Bereich des Weges Am Steigerturm hat diese im vergangenen Jahr bereits sichtbar gelitten. Der Regen hat Löcher ausgeschwemmt. Die Fahrrinnen sind sichtbar eingefahren.

Noch vor Ende der Bauarbeiten wandte sich Rainer Hupka deshalb mit einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung. "Wir müssen Sie darauf hinweisen, dass bei Regen unsere Einfahrt und unsere Stellplätze massiv unter Wasser stehen", formulierte er darin am 14. Oktober 2020 in Richtung von Bürgermeister Olaf Reichert. Da sei die Baufirma noch vor Ort gewesen. Doch der Bürgermeister reagierte laut Hupka nicht. Ende Juli dieses Jahres schrieb der Anwohner einen weiteren, eindringlicheren Brief. Darin heißt es unter anderem: "Die Schäden werden immer größer. Müssen erst Menschen zu Schaden kommen?" Eine Antwort von der Gemeindeverwaltung erhielt er auch auf diese Frage bisher nicht, berichtet der Jenkwitzer.

Gemeinde will das Problem beheben

Ein bisschen, das geben die Anwohner zu, fühlen sie sich und ihren Ortsteil von der Gemeinde vergessen. Am Telefon darauf angesprochen reagiert Bürgermeister Olaf Reichert mit Unverständnis. "Die Jenkwitzer haben die schönste Straße im gesamten Gemeindegebiet bekommen", sagt er. Gleichwohl, fährt er fort, sei ihm das Problem bewusst: "Ich verstehe, dass dieser Zustand ärgerlich ist. Da gibt es keine Frage." Und: Reichert stellt Besserung in Aussicht. Derzeit werde innerhalb der Verwaltung geprüft, ob an dem Weg eine Regenentwässerung anliege. In diesem Fall sichert er das nachträgliche Einbringen eines Wasserablaufs zu.

Anfang der kommenden Woche sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann will er genauere Informationen zu zeitlichem Ablauf und zum Umfang der Maßnahme präsentieren. An der Oberfläche der Straße Am Steigerturm werde sich aber nichts ändern, fährt der Bürgermeister fort: "Der grundsätzliche Ausbau der Straße ist nicht vorgesehen. Ich kann diesen Weg, der zu drei Grundstücken führt, nicht asphaltieren lassen", stellt der Bürgermeister mit Verweis auf die zu erwartenden Kosten klar.

Für Agnes Mittasch klingt das nach einer versöhnlichen Lösung. "Mit dem Ausbau der Straße haben wir auch gar nicht gerechnet", sagt sie. Die Anwohner könnten sich mit dem losen Belag anfreunden - wenigstens, so lange die Auswaschungen regelmäßig wieder aufgefüllt werden.

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