merken
PLUS Bautzen

Bautzen: Wo Museums-Objekte in Quarantäne gehen

Ein Großteil der Sammlungen vom Sorbischen Museum lagerte bisher unter mangelhaften Bedingungen. Das neue Zentraldepot bietet einige Raffinessen.

Museologe Alexander Polk zeigt eine historische Geige aus der Instrumentensammlung des Sorbischen Museums in Bautzen. Auch sie hat nun einen neuen Platz im Zentraldepot.
Museologe Alexander Polk zeigt eine historische Geige aus der Instrumentensammlung des Sorbischen Museums in Bautzen. Auch sie hat nun einen neuen Platz im Zentraldepot. © Miriam Schönbach

Bautzen. Fast andächtig zieht Alexander Polk ein Fach nach dem anderen im vollsortierten Regal auf. Auf einer Ablage über den Schüben präsentieren sich ein Akkordeon und eine Trommel nebeneinander. Manche Plätze sind noch frei. Der Museologe des Sorbischen Museums zeigt auf den Inhalt der mit weißem Papier ausgeschlagenen Lade für die Flöten. Es folgt ein Extra-Fach für einen alten sorbischen Dudelsack.

Zuletzt streift er sich weiße Handschuhe über, um eine historische Geige aus der fahrbaren Anlage im neuen Zentraldepot in der Löbauer Straße in Bautzen in die Hand zu nehmen. „Wir können erstmals richtig in unseren Bestand hineinsehen – und das Beste ist, dass wir auch noch Platz für die Aufnahme neuer Exponate haben“, sagt der Museumsmitarbeiter.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Tageslicht richtet große Schäden an

Über sieben Jahre liegen zwischen den ersten Plänen für ein Zentraldepot für das Sorbische Museum und der Fertigstellung des 2.000 Quadratmeter großen, modernsten Museums-Stauraum auf zwei Etagen in dem alten Industriebau. Knapp 1,2 Millionen Euro wurden investiert. „Bei einer Objektbegehung 2014 gab es für die Unterbringung unserer Sammlungsbestände auf dem Gelände der Ortenburg ein Mangelhaft“, sagt Museumsleiterin Christina Bogusz.

Zur Sammlung des Hauses gehören 37.000 Exponate. Ein Großteil davon lagerte bis jetzt im ausgebauten Dachgeschoss der Ortenburg unter schwierigsten klimatischen Bedingungen.

Restaurator und Konservator Jan Barth öffnet einen wohltemperierten Raum für die gesammelten Metall-Exponate. „Metall braucht andere Bedingungen als beispielsweise Holz. Hier herrschen immer 18 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 35 Prozent“, sagt der Projektleiter. Zudem seien alle neu eingerichteten Zentraldepot-Räume abgedunkelt, denn Tageslicht richte bei Museumsexponaten den größten Schaden an. Etwa 90 Prozent der Sammlungsbestände sind für die Öffentlichkeit gar nicht sichtbar.

Christina Bogusz bezeichnet das Depot gerade aus diesem Grund als Herzstück des Museum. „Unsere Aufgaben sind neben Erforschen und Vermitteln in erster Linie Sammeln und Bewahren. Unsere Bestände sind das materiell-kulturelle Gedächtnis des sorbischen Volks“, sagt sie.

Die Neuzugänge ihres Hauses kommen nun übrigens erstmals seit Bestehen des Museums in einen Quarantäne-Raum. „Dort beobachten wir das Objekt, schauen, ob zum Beispiel im Holz ein Schädling ist“, sagt Jan Barth. Erst danach werden die Gegenstände in den langen Regalen in Räumen mit Überschriften wie Metall, Holz, Porzellan oder Plastiken durch die Experten „verstaut“.

Neuordnung macht es leichter, Objekte zu finden

Alexander Polk hat vielleicht die Hälfte der inzwischen im Zentraldepot einsortierten 25.000 Exponate in der Hand gehabt. „Wir führen mit dem Umzug eine vollständige Inventur durch, schauen uns den Objekt-Zustand an und bringen die digitale Sammlung auf den neuesten Stand. Mit der Neuordnung im Zentraldepot fällt uns nun viel leichter, Objekte zu finden“, sagt der Museologe.

Weiterführende Artikel

Bautzen: Sorbisches Museum soll aufs Lauenareal

Bautzen: Sorbisches Museum soll aufs Lauenareal

Schon länger gibt es Pläne für ein sorbisches Begegnungszentrum auf der Brachfläche in der Bautzener Innenstadt. Nun werden sie konkreter.

Neben dem Sorbischen Museum erhält auch das Kamenzer Museum der Westlausitz auf 500 Depot-Quadratmetern in dem kreiseigenen Objekt an der Löbauer Straße in Bautzen Platz für seine Exponate. Die Fläche wird als Ersatz für das Depot im Keller des Sammelsurium-Schaumagazins an der Kamenzer Macherstraße genutzt. Im dortigen Untergeschoss können die Ausstellungstechnik und Objekte der Geologie wegen eines Wasserschadens nicht mehr sachgemäß gelagert werden. Der Landkreis ist Träger beider Museen. Umgesetzt werden konnte das Projekt des neuen Depots auch durch Förderung vom Freistaat und vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien.

Mehr zum Thema Bautzen