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Bautzens vergessener Starkomponist

August Bergt organisierte in Bautzen die erste öffentliche Konzertreihe – und wirkte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Mehr über ihn verrät jetzt eine Ausstellung.

August Bergt trat 1802 eine Stelle als Organist im Bautzener Petri-Dom an. Er organisierte in der Stadt auch Konzerte und komponierte viel.
August Bergt trat 1802 eine Stelle als Organist im Bautzener Petri-Dom an. Er organisierte in der Stadt auch Konzerte und komponierte viel. © Quelle: Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, Urhebe

Bautzen. Die Winterkälte steckt noch im Dom St. Petri in Bautzen. Evelyn Fiebiger wartet schon. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sich die Bautzenerin mit August Bergt beschäftigt. Der Organist und Komponist trat im Februar 1802 seine Stelle in der Bautzener Kirche an, wahrscheinlich fröstelte es ihn genauso wie die Besucher an diesem Nachmittag. Knapp vier Jahrzehnte prägt der Zugezogene das Musikleben Bautzens. In diesem Jahr jährt sich sein 250. Geburtstag. Aus diesem Anlass ist ab 15. Mai im Dom eine Ausstellung über ihn zu sehen.

Auf die Spur des Zeitgenossen von Mozart, Haydn und Beethoven bringt Evelyn Fiebiger das Notenarchiv im Dom. Beim dortigen Stöbern im August 2019 fällt der studierten Hornistin eine Kiste mit der Aufschrift „Choralbuch – August Bergt“ in die Hände. Der Name erinnert sie an Besuche auf dem Taucherfriedhof. Immer wieder ist sie am Grabstein des Komponisten vorbeispaziert.

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Mit Stipendium an die Dresdner Kreuzschule

Doch zurück zu Bergts Bautzener Ankunft vor knapp 220 Jahren. So richtig klar ist nicht, was den studierten Theologen, Organisten und Einzelgänger an die Spree lockt. Im Gepäck hat er eine gute musikalische Ausbildung. Sein Vater ist Stadtmusikus in Oederan, wo August Bergt am 17. Juni 1771 geboren wird. Ihn und seine Geschwister unterrichtet das Familienoberhaupt früh auf Instrumenten. August lernt Geige, Bratsche, Violoncello und erhält Orgelunterricht beim Oederaner Kantor. Auf dessen Fürsprache erhält der Junge mit 14 Jahren ein Stipendium für die Kreuzschule in Dresden. Von der Elbe geht es nach dem Ende der Schulzeit nach Leipzig. Bergt studiert ab 1791 Theologie, beschäftigt sich weiter mit Musik. Der Gewandhauskapellmeister Johann Gottfried Schicht wird unter anderem sein Lehrer.

Der Neuankömmling genießt das Kulturleben in der Messestadt. Im Gewandhaus werden Bergt-Kompositionen aufgeführt, weiß Evelyn Fiebiger, die bei ihren Recherchen für die Ausstellung im Dom im Archivverbund und Museum Unterstützer fand. Ein Empfehlungsschreiben Schichts ebnet August Bergt den Weg nach Bautzen – für 100 Taler Mini-Jahressalär. „Der Organist lieferte damals das Grundgerüst für den Gottesdienst“, sagt Evelyn Fiebiger.

Die Stelle lässt dem Wahl-Bautzener die Freiheit, in seiner neuen Heimat „Leipziger Verhältnisse“ aufzubauen. Schon wenige Monate nach seiner Ankunft veranstaltet Bergt das erste Konzert im Ständehaus, dem heutigen Lesesaal der Stadtbibliothek. Die Orchester für Bautzens erste öffentliche Konzertreihe stellt er aus Stadtmusikanten, Militärmusikern und Hausmusiker zusammen. Gespielt werden seine Werke wie zeitgenössische Kompositionen.

Werk-Vermächtnis üppig, persönlicher Nachlass dürftig

Doch nicht nur dort ist Bergt zu hören. Seine Opern und Sinfonien erklingen im Bautzener Schauspielhaus, seine Lied-Kompositionen sind bald zwischen St. Petersburg und Philadelphia bekannt, hat der Bergt-Biograf Michael Breugst recherchiert. Der Schriftsteller E.T.A Hoffmann findet herzlichste Worte über Bergt in der „Allgemeinen Zeitung für Musik“. Bergt komponiert unermüdlich und macht sich einen Namen als Lehrer am neu gegründeten Landständischen Seminar. Er bildet junge Männer als Lehrerkantoren für die Volksschule aus. Dort findet der Musiker seine zweite Lebensaufgabe neben dem Orgelspiel – bis zu seinem Tod. Mit nur 66 Jahren stirbt August Bergt nach einem Schlaganfall am 10. Februar 1837.

Das Werk-Vermächtnis ist üppig. Sein Nachfolger im Dom, Carl Gottlieb Hering, notiert unter anderem 21 Oratorien, 14 Opern und Operetten, 18 Sinfonien, 29 Konzerte und über 500 Motetten. Sein persönlicher Nachlass dagegen ist eher dürftig, mit wenig Barem und einem rot-gestreiften Kopfkissen, wie die Archivakten verraten. „Bergt war kein Beethoven, aber er hat wohlklingende und gut aufführbare Musik geschrieben, er war eine integrative Persönlichkeit und hat jegliche Art von Musik komponiert – von profaner Tanzmusik über Opern, Sinfonien bis zur Kirchenmusik“, sagt Evelyn Fiebiger. Doch wie viele andere begnadete Komponisten geriet leider auch er in Vergessenheit.

Die Ausstellung zu August Bergt ist ab 15. Mai im Dom St. Petri zu sehen. Bei einer Orgelvesper spielt um 18 Uhr die Kantorin Yuko Ikeda Werke von Bergt.

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