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Das bietet das Neue Oberlausitzer Hausbuch

Das Jahrbuch für 2022 versammelt ein Kaleidoskop an Geschichten. Darin geht es unter anderem um Oberlausitzer Künstler, Gottesanbeterinnen und eine Hinrichtung.

Die Bautzener Buchhändlerin Reingard Kretschmar-Dietrich hat das neue Oberlausitzer Hausbuch 2022 im Angebot.
Die Bautzener Buchhändlerin Reingard Kretschmar-Dietrich hat das neue Oberlausitzer Hausbuch 2022 im Angebot. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. 176 Seiten, 30 Autoren und viele noch nie aufgeschriebene Geschichten: Der neue Jahrgang des Neuen Oberlausitzer Hausbuchs ist da. „Vielleicht blieb hier und da mehr Zeit zum Lesen. Und genau diese Zeit möchten wir verkürzen“, schreiben die Herausgeber Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath in ihrem Vorwort. Der Blick ins Inhaltsverzeichnis verspricht wieder ein buntes Oberlausitz-Kaleidoskop, vielleicht um auch andere Ecken der Region ein bisschen besser kennenzulernen.

So schafft die Publikation aus dem Via Regia Verlag den Spagat zwischen Ersterwähnungen, Künstlerporträts, Phänomenen der Fauna und Flora, Skurrilem, wissenschaftlicher Geschichtsforschung und der letzten Hinrichtung in Rodewitz mit Leichtigkeit. Wobei die Geschichte vom Brandstifter Johann Mirtschin, aufgeschrieben von Trudla Malinkowa, eher mit einer gewissen Schwere daherkommt.

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Jener Sohn des Rodewitzer Dorfrichters soll seinem Vater Quecksilber ins Essen gemischt haben, um ihn um die Ecke zu bringen. Beim Verhör gestand der 20-jährige Jüngling auch, unter anderem Brände beim Gemeindehirten und Schwiegervater gelegt zu haben.

Oberlausitzer Künstler nehmen viel Platz ein

Die Hintergründe dieses Kriminalfalls aus dem Jahr 1781 würde ein Richter heute so beschreiben: Habgier, Neid, Erbstreitigkeiten, und um die Frauen ging es auch noch. Gestraft wurde allerdings nach damaligen Regeln. Das Urteil hieß: „Johann Mirtschin solle auf einer Kuhhaut zum Richtplatz geschleift werden, wo ihn der Scharfrichter mit glühenden Zangen reißen und nachher bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrennen sollte“, schreibt die Autorin. Dem Schicksal wollte sich der Übeltäter aber so nicht hingeben. Wie die Geschichte ausgeht, berichtet das Hausbuch.

Verraten werden darf, dass im Neuen Hausbuch wieder die Oberlausitzer Künstler einen großen Platz einnehmen. Stefan Wollmann schreibt über den vergessenen Maler Wilhelm Schulze-Rose. „Falscher Baron“ tituliert Tilo Böhmer die seltsame Lebensgeschichte des Bautzener Malers Friedrich von Gersheim. Kunsthistorikerin Christina Bogusz würdigt den sorbischen Maler Jan Buk (1922 – 2019) anlässlich seines 100. Geburtstags im kommenden Jahr.

Wissenswertes über Tiere und Natur der Oberlausitz

Aufmerksamkeit erhält auch der sorbische Komponist Korla Awgust Kocor anlässlich seines 200. Geburtstags. Aus seiner Feder stammen nicht nur zahlreiche bekannte Kompositionen, der gebürtige Großpostwitzer gilt auch als Begründer der Sorbischen Gesangsfeste im 19. Jahrhundert.

Im 18. Jahrhundert indes wurde 1722 der Ort Herrnhut gegründet. Die Siedlung, wissen Geschichtsinteressierte, geht auf die Initiative des Berthelsdorfer Gutsherrn Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf zurück, der einer Gruppe evangelischer Glaubensflüchtlinge aus Mähren Zuflucht gewährte. Das Titelbild des Neuen Hausbuchs fängt einen Blick auf die 300-Jährige ein.

Auf 800 Jahre Geschichte schauen dagegen unter anderem Hochkirch, Wilthen, Cunewalde, Guttau, Gröditz und einige Orte mehr im kommenden Jahr zurück, wie die Seite Oberlausitzer Ortsjubiläen verrät. Eine Tradition in dem Heimatgeschichtskonvolut sind darüber hinaus auch der Oberlausitzer Hundertjährige Kalender, Finsternissse sowie Trächtigkeits- und Brütekalender.

Tierkundliches Wissen frischt dieses Buch auch über Heuschrecken auf. Für jeden Monat des Jahres beschreibt Bernhard Klausnitzer eine ihrer Art – von A wie Ameisengrille bis W wie (Europäische) Wanderheuschrecke. Der Insektenkundler beschreibt die Maulwurfgrille fast als liebevolle Brutpfleger, die die gelegten Eier bewachen und sich acht bis zehn Tage um die schlüpfenden Larven kümmern.

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