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Neue Schau weckt Sommer-Sehnsucht

Das Dresdner Elbtal prägt besonders das Werk der Künstlerin Gabi Keil. In Bautzen zeigt sie jetzt aber auch ferne Landschaften.

Neue Ausstellung in der Galerie Budissin: Die Künstlerin Gabi Keil kommt mit ihren Landschaften in Öl nach Bautzen. Ihre Werke werfen einen Blick auf das unaufgeregte Alltägliche.
Neue Ausstellung in der Galerie Budissin: Die Künstlerin Gabi Keil kommt mit ihren Landschaften in Öl nach Bautzen. Ihre Werke werfen einen Blick auf das unaufgeregte Alltägliche. © Steffen Unger

Bautzen. Der Himmel liegt in einer Abendstimmung. Ganz still schaut eine Frau auf das Flusstal. Das Bild „Ausblick Salzburg“ fällt dem Betrachter in der neuen Ausstellung der Galerie Budissin sofort ins Auge. Große Ruhe stahlt die Szenerie aus, die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Sommer weckt. „Quo vadis?“ hat Gabi Keil ihre neue Schau in Bautzen überschrieben. Durch die Corona-Notbremse wird es am 29. April nur eine kleine Eröffnung geben. Geplant ist die Ausstellung bis zum 25. Mai.

Die Künstlerin eilt in die Galerie in der Schloßstraße, sie bringt noch ein letztes großformatiges Bild in Öl mit. Vor 20 Jahren gab sie ihr Ausstellungsdebüt beim Bautzener Kunstverein nach ihrem Diplom an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Die aktuelle Schau prägen Landschaften. Besonders die Elbe in Verbindung mit Dresden findet sich immer wieder auf ihren Werken, oft in einer „goldenen Abendstimmung“. „Abends ist meine Zeit, für das Arbeiten, aber auch zum Spazierengehen“, sagt Gabi Keil.

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Sechs Wochen lang Barock-Engel gereinigt

Zur Malerei kommt die Künstlerin, aufgewachsen im Leipziger Umland, über Umwege. Denn den Traum, von der Kunst zu leben, wagt sie sich als Jugendliche nicht zu träumen. Stattdessen macht die heute 50-Jährige eine Ausbildung zur Schrift- und Grafikmalerin. Dort lernt sie nicht nur perfekt, die Schrift "Obst und Gemüse" hinter Glas zu malen, sondern bekommt auch eine fundierte zeichnerische Ausbildung. Mit der Wende wächst der Wunsch, ein Restauratoren-Studium zu beginnen.

Ihren neuen Ankerplatz findet sie in Dresden. Tagsüber kann die junge Frau in Radebeul zuerst einmal ihr Abitur nachmachen, danach besucht sie die Abendschule der Kunsthochschule, die künftige Studenten auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet. Im Meißner Dom absolviert sie ihr Vorpraktikum für das Restauratoren-Studium. „Ich weiß noch, dass ich von einer Reise aus Portugal voller Eindrücke zurückkam und dann sechs Wochen Barockengel gereinigt habe. Da fragte ich mich schon: Will ich das immer“, erinnert sie sich.

Italien-Aufenthalt bringt Farbe in ihre Werke

Das innerliche Zwiegespräch endet mit einer Bewerbung in Fachrichtung Malerei und Grafik. „Nach dem Jahr wusste ich, ich brauche das Kreative mehr“, sagt sie. Im vierten Studienjahr erhält die Studentin ein Atelier mit Blick auf die Elbe. Dazu gibt es eine Oskar Kokoschka-Ausstellung mit seinen Dresden-Bildern. Gabi Keil begibt sich auf die Suche nach seinen Mal-Standorten und stellt fest, dass sich das Atelier des Expressionisten wohl seinerzeit gleich neben ihrem damaligen Arbeitsplatz mit Aussicht befand. Ihr erstes künstlerisches Zuhause wird der Steindruck, Schwarz-Weiß-Flächen, Grauschattierungen. Die Farbe tröpfelt der Sommer 2003 mit einen Gastaufenthalt im berühmten Künstlerhaus in Florenz, der Villa Romana, in ihr Atelier. „In Italien bleibst du nicht bei Schwarz-Weiß“, sagt die Künstlerin.

Die Bilder in der Galerie Budissin zeigen stimmungsreiche Landschaften, oft in Verbindung mit Architektur. Dresden, Portugal, Italien. Ihre Eindrücke hält Gabi Keil immer in einem Skizzenblock, aber auch mit der Kamera fest. Auf die weiße Leinwand geht die Künstlerin zuerst mit Kohle, es folgen dünne Striche mit Wasserfarben. Erst dann kommt die Kraft mit der Ölfarbe für ihre ungewöhnlichen Perspektiven auf das unaufgeregte Alltägliche, dessen Magie den Betrachter auch beim Blick durch das Fenster in Besitz nimmt – falls die Galerie Budissin geschlossen bleiben muss.

Infos zur Ausstellung: Telefon 03591 42223
www.kunstverein-bautzen.de

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