Bautzen
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Roman Knižka tritt in der Gedenkstätte Bautzen auf

Der Schauspieler widmet jüdischen Autoren ein literarisches Kammerkonzert. Begleitet wird er vom Bläserquintett „Opus 45“.

Von Miriam Schönbach
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Mit dem Programm „Ich hatte einst ein schönes Vaterland…“ sind Schauspieler Roman Knižka und das „Ensemble Opus 45“ am 1. November zu Gast in der Gedenkstätte Bautzen.
Mit dem Programm „Ich hatte einst ein schönes Vaterland…“ sind Schauspieler Roman Knižka und das „Ensemble Opus 45“ am 1. November zu Gast in der Gedenkstätte Bautzen. © PR/Tom Solo

Bautzen. Mit ihrem Programm „Ich hatte einst ein schönes Vaterland…“ sind Roman Knižka und das Bläserquintett „Ensemble Opus 45“ am 1. November zu Gast in der Gedenkstätte Bautzen. Dabei liest der gebürtige Bautzener Schauspieler aus Texten jüdischer Autoren, unter anderem Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Else Dormitzer, Anita Lasker-Walfisch und Mascha Kaléko.

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Neben den literarischen Werken stehen autobiographische Texte von deutschen Juden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Diese Berichte aus dem Alltagsleben zeigen Glanz und Elend der jüdischen Emanzipation, die nicht selten mit einem als schmerzlich empfundenen Identitätsverlust einherging. Sie veranschaulichen die faszinierende Vielfalt jüdischen Lebens auf deutschem Boden und berichten von der Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung deutscher Juden unter dem NS-Regime.

Schauspieler und Musiker arbeiten erfolgreich zusammen

Am Ende des knapp zweistündigen Programms gibt es einen Sprung in die Gegenwart – mit der Frage: Wie gestaltet sich heute, 75 Jahre nach dem Holocaust, jüdisches Leben in Deutschland?

Den musikalischen Teil des Abends bilden Werke jüdischer Komponisten, wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Alexander Zemlinsky, Jaques Ibert, Endre Szervánszky, Pavel Haas und György Ligeti, gespielt vom Bläserquintett „Opus 45“.

Das Ensemble und Roman Knižka haben schon bei unterschiedlichen Produktionen zusammengearbeitet. So entstanden literarische Kammermusikabende, die in Deutschlands Konzertlandschaft einmalig sind, etwa das Programm zum NS-Widerstand („Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen!“) oder die szenische Lesung zu Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland, die das Ensemble mit dem Primo-Levi-Zitat „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen …“ betitelte. Die jüngste Zusammenarbeit ist das Programm „Ich hatte einst ein schönes Vaterland…“.

International erfolgreicher Schauspieler aus Bautzen

In Bautzen ist Roman Knižka kein Unbekannter. An der Spree wuchs der 1970 geborene Schauspieler in einer Künstlerfamilie auf. Nach seiner Lehre als Theatertischler an der Dresdener Semperoper verließ er noch im Sommer 1989 die DDR über die Grüne Grenze. Nach seinem Studium an der Bochumer Schauspielschule spielte er zunächst am dortigen Schauspielhaus.

Bald kamen auch Angebote für Film und Fernsehen. Zuletzt war Knižka unter anderem in der Netflix-Serie „Dark“ zu sehen, der bislang erfolgreichsten deutschen Serie des Streamingdienstes. Daneben spricht er regelmäßig Hörbücher ein und ist auf der Bühne erfolgreich.

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Der Titel des literarischen Kammermusikabends geht zurück auf das Gedicht „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“, das Heinrich Heine 1832 im Pariser Exil dichtete. Mit diesem Satz beginnt Mascha Kaléko ihr Gedicht „Im Exil“. Es wurde 1943 veröffentlicht, fünf Jahre vorher floh die jüdische Dichterin 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA. Sie thematisierte in diesem wie in vielen anderen Werken ihr Heimweh nach Deutschland.

Die Veranstaltung in der Gedenkstätte Bautzen ist in das Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ eingebunden. Nachweislich begann vor 1.700 Jahren die jüdische Gemeinschaft damit, auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands ihre Heimat zu suchen. Das Jahr 321, aus dem die älteste überlieferte Urkunde einer jüdischen Ansiedlung in Köln stammt, ist der historisch belegte Beginn einer komplexen und wechselvollen jüdisch-deutschen Beziehung, geprägt von Zeiten der Blüte, aber auch von Hass und Gewalt.

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