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Bautzen: So war die Komödienpremiere

„Der dressierte Mann“ wird am Deutsch-Sorbischen Volkstheater zum Fest der Schauspieler.

Das Stück „Der dressierte Mann“ hatte am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen Premiere.
Das Stück „Der dressierte Mann“ hatte am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen Premiere. © Miroslaw Nowotny

Bautzen. Es sollte der schönste Abend ihres Lebens werden. Der Bankangestellte Bastian will seiner Helen die von ihr ersehnte Heirat antragen. Ganz romantisch. Mit 5-Gänge-Menü, Kerzenschein, Champagner und Ring. Er will nichts falsch machen – und alles geht schief. Er vergisst die Tischdecke, verbrennt sich in der Küche die Finger, wirft sein Handy in die Suppe. Als Helen verspätet eintrifft, sagt er: „Wir müssen reden.“ 

Als sensibler Mann sei er für Partnerschaft auf Augenhöhe, für materielle Unabhängigkeit und gleiches Einkommen von Mann und Frau. Das gilt jedoch nur, bis er erfährt, dass Helen in den Vorstand der Bank aufrückt und künftig das Zehnfache von ihm verdient. Bastian erstarrt. Auf diesen Posten hatte er selber gehofft. Die eigene Frau als Vorgesetzte, das geht zu weit. Der alte Adam meldet sich zurück.

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© Miroslaw Nowotny

Am Freitag gab es im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen die Premiere der Komödie „Der dressierte Mann“ von John von Düffel – nach dem antifeministischen Bestseller von Esther Vilar aus dem Jahr 1971. Die Thesen der Autorin lösten damals einen Skandal aus. „Spätestens mit zwölf Jahren – einem Alter, in dem die meisten Frauen beschlossen haben, die Laufbahn einer Prostituierten einzuschlagen, das heißt, später einen Mann für sich arbeiten zu lassen und ihm als Gegenleistung ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung zu stellen – hört die Frau auf, ihren Geist zu entwickeln“, so Vilar.

Er will nicht so, wie die Frauen wollen

John von Düffels Stück ist die satirische Antwort auf diese krummen Thesen. Witzig, voller Bonmots und bissigen Wortgefechten. Gängige Mann-Frau-Klischees werden hoppsgenommen. Mancher (und manche) im Publikum ertappt sich beim Lachen. Bautzens Oberspielleiter Stefan Wolfram inszeniert die Komödie mit Tempo, Situationskomik und Augenzwinkern. 

Das meistbenutzte Requisit des gut zweistündigen Abends ist der Corona-Schutz-Spender. Im Wohnzimmer-Bühnenbild von Katharina Lorenz laufen die wie aufgedreht agierenden Darsteller zu großer Form auf. Zum jungen Paar gesellen sich beider Mütter. Alles dreht sich um den Mann, der nicht so will, wie es die Frauen wollen.

© Miroslaw Nowotny

Bastians Mutter Dr. Schröder-Röder, herrisch gespielt mit scharfer Zunge und lässiger Krawatte von Gabriele Rothmann, hält vom angeblich starken Geschlecht nichts. Die Alt-68erin und Feministin kennt nur labernde Weicheier und kann deren Psycho-Geschwurbel nicht mehr hören. Der schlimmste Spießer: ihr eigener Sohn. In einer Art Schule der Frauen bringt sie ihren Mitstreiterinnen bei, wie die Kerle zu dressieren sind. Am Beispiel der Neandertalerinnen kommt sie zum Schluss: „Die Ehe ist eine Erfindung der Frauen zur Unterwerfung des Mannes.“

Lächerliches Sexkätzchen-Spiel

Helens Mutter Konstanze Engelbrecht, umwerfend gespielt von Katja Reimann, hat sich in dritter Ehe zur Zahnarztgattin hochgeheiratet. Der Mann ist in ihren Augen nur dafür da, sie gut zu versorgen mit exquisiten Klamotten und Weltreisen. Dafür mimt sie das Weibchen, schaut zu ihm hoch, geizt nicht mit ihren Reizen. Zeigt Bein, betont Busen, richtet das üppige Haar. Konstanzes einziges Problem ist Tochter Helen. Sie habe nur den Beruf im Sinn: „Ein Mädchen, das nicht täglich zwei Stunden vor dem Spiegel verbringt, hat einen genetischen Defekt.“ Katja Reimann macht mit ihrer Persiflage deutlich, wie lächerlich und entwürdigend dieses Sexkätzchen-Spiel ist.

© Miroslaw Nowotny

Neu im Ensemble sind Larissa Ruppert, 26, und Julian Laybourne, 27. Er gibt den hin und her gerissenen Bastian mal als weinenden Schisshasen, mal als wilden Macho. Aufgewachsen in der Frauen-WG seiner Mutter, wo zum Heiligabend die Weihnachtsfrau kam, war er auf dem Abi-Ball der Einzige, der nur die Damen-Schritte kannte. Einerseits bewundert er die Karrierefrau an seiner Seite, andererseits will er nicht als Versager dastehen. 

Larissa Rupperts beinharte Managerin Helen ist die Vernünftigste im Quartett. Sie hält die Mütter-Ansichten für längst überholt. „Mich muss kein Mann ernähren, ich kann gut für mich selber sorgen.“ Auf Liebe will sie nicht verzichten. Deshalb lässt sie sich zum Schein auf eine Maskerade ein und stöckelt mit ausgestellter erotischer Pose über die Bühne. Als handzahme Kindfrau mit Petticoat und Wischwedel entzückt sie die Mütter, nur Bastian riecht den Braten.

Wie die Komödie endet, sei nicht verraten. Nur so viel: Das Stück stellt Vilars Vorlage auf den Kopf. Zum Gaudi der Zuschauer. Bei allem Spaß zeigt die Inszenierung eines: Vom schönen Traum der Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt.

Wieder am: 17., 18. und 23. Oktober sowie am 8. und 19. November am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. Kartentelefon: 03591 584225

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