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Dieses Buch macht Lust, in Kleidertruhen zu stöbern

Die Bautzener Textilrestauratorin Ulrike Telek hat lange zur Oberlausitzer Bekleidung früherer Zeiten geforscht - und macht jetzt teils Erstaunliches öffentlich.

Um Oberlausitzer Bekleidung des 19. Jahrhunderts geht es in einem Buch von Ulrike Telek (r.), das kürzlich erschienen ist. Die langjährige Mitarbeiterin des Bautzener Museums hat 30 Jahre dazu geforscht.
Um Oberlausitzer Bekleidung des 19. Jahrhunderts geht es in einem Buch von Ulrike Telek (r.), das kürzlich erschienen ist. Die langjährige Mitarbeiterin des Bautzener Museums hat 30 Jahre dazu geforscht. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Dicht an dicht stehen die Männer und Frauen für den Empfang König Antons am 19. Oktober 1829. Die Honoratioren in ersten Reihe tragen schwarze Fracks und Westen, dahinten trifft Eleganz auf Vielfalt. Die Damen im Hintergrund fallen durch ihre unterschiedlichen Schürzen, Hauben und Tücher auf.

Die Lithografie aus dem Deutschen Damast- und Frottiermuseum ist insofern eine Rarität, als dass der Druck Menschen in der Oberlausitz im 19. Jahrhundert in ihrer Fest- und Alltagskleidung zeigt. Solche Abbildungen sind selten wie textile Sammlungen an Museen. Für Wissenschaftler sind solche Bilder deshalb ein Faden, um die Textil-Geschichte zu einem Ganzen zu verweben.

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Gleich viele Fäden hat Ulrike Telek im jüngst erschienenen Buch „Samt, Seide und feiner Zwirn – Oberlausitzer Bekleidung zwischen 1800 und 1870“ zusammengeführt. Grundlage der knapp 450-seitigen, reich bebilderten Publikation war eine Ausstellung im Bautzener Museum 2018. Sie gab einen Überblick über die 30 Jahre Forschung der Textilrestauratorin in der Sammlung am Kornmarkt – und zeigte mehr als 150 handgenähte Kleidungsstücke, von denen ein Großteil im 19. Jahrhundert getragen wurde. An der Schau zur Oberlausitzer Bekleidung beteiligten sich 14 Museen und zwei Privatsammler.

Kleidung wurden immer wieder modisch angepasst

Von den 400.000 Objekten im Museum Bautzen sind allein 2.000 reine textile Exponate, die dessen langjährige Mitarbeiterin Ulrike Telek ab 1987 im Haus sicherte, untersuchte, Biografien einzelner Kleidungsstücke rekonstruierte und vor allem auch für deren Erhalt sorgte.

Die Restauratorin schreibt in dem Buch: „Das Museum Bautzen birgt in seiner Sammlung rund 500 handgefertigte Kleidungsstücke, darunter Hauben, Spenzer und Frauenröcke, Männerwesten, Hosen und Mäntel aus der Zeit von etwa 1770 bis 1870. Aufgrund fehlender Herkunftsangaben blieben die meisten Objekte weitgehend anonym, aber gerade dieser Umstand regte dazu an, sich ihnen immer wieder neu zu widmen und nach Vergleichsstücken zu suchen.“

Beim Durchblättern des Buchs bekommen sogar Laien Lust, in Oberlausitzer Kleidertruhen zu stöbern. Eine unerwartet große Vielfalt an Farben und Mustern prägt die Kleidung jener Zeit, wie die vielen Fotos zeigen. Auch eine große Sparsamkeit im Umgang mit textilen Materialien, die teilweise über Jahrzehnte getragen und immer wieder repariert und modisch angepasst wurden, ist an den dargestellten Kleidungsstücken ablesbar. Ulrike Telek analysiert akribisch jedes Einzelne, weist modische Anpassungen oder Reparaturen aus und legt Kriterien zur zeitlichen Einordnung dar. Dazu gibt es Ausflüge in die Welt der Knöpfe, Schuhe, Schürzen und Kopfbedeckungen.

Museen können Forschung nicht allein leisten

Weitere Beiträge widmen sich der Kleidungsforschung aus wissenschafts­geschichtlicher Perspektive und beleuchten regionale Besonderheiten. Herausgeberin Andrea Geldmacher wirbt in ihrem Beitrag „Von der Trachtenkunde zur Kulturwissenschaft“ um weitergehende Forschungen zur Kleidung ausgehend von der methodisch wegweisenden Publikation und um Mitarbeit von Partnern aus verschiedenen Disziplinen, denn „Museen können dies alles nicht allein leisten“.

Ines Keller diskutiert die Berührungspunkte zwischen sorbischer und deutscher Kleidung. „Die sorbische und deutsche Bevölkerung lebte nie völlig abgeschirmt nebeneinander, sondern oft zusammen und im sozialen Austausch, was sich letztlich auch in der Kleidung spiegelt, wie die im ... Katalog beschriebenen Objekte aus sorbischen und deutschen Familien nahelegen.“

Buch erweist sich als wahre Schatztruhe

Katja Margarethe Mieth, Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, schreibt im Vorwort: „Dieses Buch ist eine wahre Schatztruhe! ... Zum Abschluss ihrer beruflichen Laufbahn publiziert Ulrike Telek ... ihren über Jahrzehnte aus genauer Beobachtung, fundiertem Fachwissen und aufwendigen Recherchen gewonnenen Kenntnisreichtum zur Oberlausitzer Kleidung des 19. Jahrhunderts“.

Die Publikation aus dem Imhof-Verlag ist unter Herausgeberschaft der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen sowie des Museums Bautzen in der Reihe „Sächsische Museen – fundus“ erschienen, die in loser Folge ihren Fokus auf Reichtum, Spezialitäten und Besonderheiten der Sammlungen in Sachsens Museen richtet.

„Seide, Samt und feiner Zwirn – Oberlausitzer Bekleidung zwischen 1800 und 1870“, Imhof-Verlag, ISBN978-3-7319-1061-9, 39,95 Euro

Das Buch „Seide, Samt und feiner Zwirn – Oberlausitzer Bekleidung zwischen 1800 und 1870“ ist im Imhof-Verlag erschienen.
Das Buch „Seide, Samt und feiner Zwirn – Oberlausitzer Bekleidung zwischen 1800 und 1870“ ist im Imhof-Verlag erschienen. © PR

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