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Tenor Casapietra startet Tournee in Cunewalde

Am 3. Juli meldet sich Björn Casapietra nach der Corona-Auszeit auf der Bühne zurück - mit Liedern, die besonders in diese Zeit passen.

Mit seinem Konzert in Cunewalde am 3. Juli meldet sich der Tenor Björn Casapietra zurück auf der Konzertbühne. Im August ist der Italiener mit sächsischen Wurzeln gleich nochmal in der Region.
Mit seinem Konzert in Cunewalde am 3. Juli meldet sich der Tenor Björn Casapietra zurück auf der Konzertbühne. Im August ist der Italiener mit sächsischen Wurzeln gleich nochmal in der Region. © PR

Cunewalde. Es liegt keine leichte Zeit hinter der Kunst. Doch Björn Casapietra hat sich in den vergangenen Monaten auf ein Lebensmotto besonnen: „Mach das Beste draus“. Durch Zufall startet seine „Himmelslieder“-Tournee jetzt in der Oberlausitz. Sächsische.de sprach mit dem Tenor über Homeschooling, nachzuholende Konzerte und Wut.

Herr Casapietra, am 3. Juli machen Sie mit Ihrer „Hallelujah“-Tour und den „Himmelsliedern“ Stopp in Deutschlands größter Dorfkirche in Cunewalde. Warum ist das ein besonderes Datum für Sie?

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Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr auf ein Konzert gefreut, weil ich nach einem Jahr und drei Monaten unfreiwilliger Arbeitslosigkeit wieder meinen Beruf ausüben kann. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Alle Maßnahmen, die getroffen wurden, um diese Pandemie einzudämmen, waren richtig und wichtig. Die Gesundheit meines Publikums ist heilig. Aber ich glaube, wenn ich in Cunewalde zum ersten Mal wieder auf der Bühne stehe und für die Menschen singen darf, werde ich vermutlich ein Tränchen im Auge verdrücken müssen.

"Dieses Gefühl, keine Arbeit zu haben, war furchtbar"

Wie haben Sie die auftrittsfreie Pandemiezeit erlebt?

Es war eine schreckliche Zeit. Ich bin ein bisschen stolz, dass ich regelmäßig joggen war und abends nur Salat gegessen habe. Ich wollte verhindern, am Ende der Pandemie wie Luciano Pavarotti auszusehen. Dieses Gefühl, keine Arbeit zu haben, war furchtbar. Ein bisschen, wie auf Leim laufen.

Inwieweit haben die vergangenen Monate Sie verändert?

Ich habe erkannt, das Wichtigste im Leben fasst ein Satz zusammen: Mach das Beste draus! Da ich die Zeit hatte, habe ich meine Tochter beim Homeschooling unterstützt. Englisch, Gesellschaftswissenschaften, Deutsch. Ich muss aber auch sagen, dass ich im Gegensatz zu anderen Eltern, die Zeit hatte. Interessanterweise ist meine Tochter durch das Homeschooling und den Wechselunterricht viel selbstständiger und viel besser in der Schule geworden.

Können Sie alle abgesagten Auftritte nachholen?

Selbstverständlich wird jedes unserer geplanten Konzerte nachgeholt. Wir haben einen vollen Terminkalender in diesem und kommendem Jahr. Aber das hat natürlich nicht wirklich über all die Monate geholfen, in denen man nichts zu tun hatte. Ich kann leider nur singen. Aber das dann hoffentlich so, dass es die Menschen immer wieder berührt.

"Ich empfinde mich durchaus zum Teil als Sachse"

Warum, denken Sie, sind Ihre „Himmelslieder“ das richtige Konzert zur richtigen Zeit?

85.000 Menschen sind in Deutschland durch Covid-19 gestorben. Viele Menschen haben Angehörige, andere ihr Einkommen verloren. Wenn wir in diesem Moment etwas brauchen, dann ist es Trost, Zuversicht und Hoffnung. Das alles können meine Himmelslieder, wie das „Hallelujah“ von Leonard Cohen oder das „Ave Maria“ von Franz Schubert, sein.

Wie kommt es zum Tourneestart in Cunewalde?

Zufall. Wir hatten eigentlich geplant, im Mai und im Juni schon Konzerte zu geben. Als klar wurde, dass wir im Mai nicht loslegen können, bin ich tatsächlich in ein tiefes Loch gefallen. Aber auch diese zwei Monate habe ich nun überstanden. Erfreulich ist, dass wir in Görlitz, Bautzen, Zittau und Umgebung ein treues Publikum haben. Am 20. August zum Beispiel sind wir gleich wieder in der Region und geben im Barockschloss Rammenau ein Freiluftkonzert.

Was verbindet Sie mit Sachsen?

Ich bin Sachse. Mein Vater, Herbert Kegel, stammt aus Kleinzschachwitz bei Dresden. Er war ein berühmter Dirigent in der DDR. Geboren bin ich in Italien, meine Mutter ist Italienerin. Aber ich empfinde mich durchaus zum Teil als Sachse. Umso wütender und trauriger war ich, dass in Sachsen besonders viele Menschen am Coronavirus verstorben sind.

Warum wütend?

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Ich war wütend auf jene, die dieses tödliche Virus und den damit einhergehenden qualvollen Erstickungstod permanent heruntergespielt und relativiert haben. Ich hatte den Eindruck, dass diesen Menschen jegliches Maß an Empathie fehlt. Das glichen sie dafür mit einem hohen Maß an Ignoranz wieder aus. Natürlich waren diese Menschen eine Minderheit. Die große Mehrheit in unserem Land hat sich an die Maßnahmen gehalten – und verstanden, dass es darum geht, Solidarität zu üben. Ich glaube, auch wegen dieser Erfahrung wird Deutschland durchaus gestärkt aus dieser Pandemie hervorgehen.

Tickets gibt es im DDV Lokal in Bautzen, Lauengraben 18, Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr, 10 bis 15 Uhr, sowie Mi, 11 bis 16 Uhr, oder online.

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