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Bautzen: Domherren feiern 800. Geburtstag

Eine Schenkungsurkunde führt zurück zu den Anfängen des Bautzener Domkapitels. Zum Jubiläum kommt höchster Besuch in die Stadt.

Der Tragealtar, den Birgit Mitzscherlich gemeinsam mit zwei Kelchen in einer Vitrine präsentiert, ist eine der größten Kostbarkeiten der Bautzener Domschatzkammer.
Der Tragealtar, den Birgit Mitzscherlich gemeinsam mit zwei Kelchen in einer Vitrine präsentiert, ist eine der größten Kostbarkeiten der Bautzener Domschatzkammer. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Golden glänzt der üppig verzierte Tragaltar in der Vitrine der Domschatzkammer in Bautzen. Datiert ist die Kostbarkeit auf die Zeit um 1220. „Dieses Exponat ist so alt wie wir. Wir wissen, dass Domdekan Johann Leisentrit es im 16. Jahrhundert restaurieren ließ, wohl auch, weil er den Altar als wesentlichen Teil unserer Geschichte sah“, sagt Birgit Mitzscherlich, Domschatz-Hüterin und Leiterin des Diözesanarchivs.

Am 24. Juni feiert das Domkapitel Bautzen sein 800-jähriges Bestehen. Das Datum geht zurück auf eine Schenkungsurkunde des Meißner Bischofs Bruno II. Er überträgt dem Bautzener Domkapitel den Ort Schmiedefeld und den Zehnten in Cunnersdorf als Wirtschaftsgrundlage. „Der 24. Juni bildet den Abschluss einer mehrere Jahre dauernden Gründungsphase“, erklärt Birgit Mitzscherlich die Errichtung des Meißner Bischofsitz-Ablegers. Er sei auf die besondere Beziehung des Bischofs zu Bautzen zurückzuführen sowie auf die Stärkung des Bistums in Richtung Osten.

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Domstift Bautzen mit direktem Draht zum Papst

Es ist die Zeit des Landesausbaus, der erst 1241 mit der Oberlausitzer Grenzurkunde abschließt. Das Schriftstück regelt die Verhältnisse zwischen der zum Königreich Böhmen gehörenden Oberlausitz und den Besitzungen des Bischofs von Meißen.

Sieben Bautzener Kanoniker sollen seinerzeit die feierliche Liturgie im Dom gestalten und die kirchliche Verwaltung unterstützen. Das heißt aber nicht, dass jene Domherren auch persönlich dafür sorgen müssen. Stattdessen nutzen die oft jungen Männer aus „Bürgerlichkeit und niedrigem Adel“ ihre zugewiesenen Pfründe als Einkommensquelle, um Vikare für ihre übertragenen Tätigkeiten einzustellen. Erst im 16. Jahrhundert verfügt Domdekan Leisentrit eine Domherren-Residenzpflicht.

Unter Leisentrit ist die Reformation auf dem Höhepunkt. Dem Bistum Meißen kommt sein Territorium abhanden, lediglich in der Lausitz bleibt ein kleiner Rest erhalten. Der Domstift Bautzen hat nun einen direkten Draht zum Papst. Im Rest Sachsens fällt die katholische Kirche in Dornröschenschlaf. Erst August der Starke bringt wieder – weil er Polens König werden will – etwas Bewegung ins katholische Leben. Vor allem die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und Einwanderer aus katholischen Gebieten sorgen im sächsischen Mini-Vatikan-Ableger für mehr Arbeit.

Hoher Besuch kommt zum 800. Geburtstag

Die Weimarer Reichsverfassung ordnet 1919 die Trennung von Kirche und Staat an und gibt dem damaligen Dekan des Bautzener Kollegiatstifts, Bischof Franz Löbmann, die Chance, mit Rom Verhandlungen über eine Wiedererrichtung des Bistums Meißen mit Sitz in Bautzen zu führen. Am 26. Juni 1921 ist es so weit, wie eine Schwarz-Weiß-Fotografie in der Domschatzkammer zeigt.

Gleich daneben liegt in einer Vitrine die frisch restaurierte Errichtungsurkunde mit dem Papst-Siegel. „Die Bulle im Original fehlte allerdings vor 100 Jahren. Wichtige Unterlagen aus Bautzen hatten es wegen eines Eisenbahnerstreiks nicht über den Brenner nach Rom geschafft“, weiß Birgit Mitzscherlich, die promovierte Historikerin. Aktuell feiert das Bistum Dresden-Meißen das Jubiläum mit ganz unterschiedlichen Formaten.

Zur Feier vor 100 Jahren an die Spree schafft es aber Nuntius Eugenio Pacelli – der spätere Papst Pius XII. „Bei den Feierlichkeiten zur Wiedererrichtung durfte seit der Reformation der Dom erstmals komplett genutzt werden“, sagt Birgit Mitzscherlich. 1980 wird der Bischofssitz nach Dresden verlegt.

Die Verbundenheit zum Bautzener Domkapitel aber bleibt, wie die Feier zum 800. Geburtstag zeigt. Neben Bischof Heinrich Timmerevers und Domdekan Andreas Kutschke kommt erneut Deutschlands Papstbotschafter, Nikola Eterović, zum Gottesdienst an die Spree.

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