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Drei Schüsse für Sherlock Holmes

Der Bautzener Theatersommer startet mit neuer Personage und altbewährten Mustern.

Deutschland, Sachsen, Bautzen, 21.06.2021, Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Theatersommer auf der Ortenburg, Sherlock Holmes - Die Beatles-Bänder
von Lutz Hillmann nach Motiven der Erzählungen von Arthur Conan Doyle, 2.Durchlaufprobe
Deutschland, Sachsen, Bautzen, 21.06.2021, Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Theatersommer auf der Ortenburg, Sherlock Holmes - Die Beatles-Bänder von Lutz Hillmann nach Motiven der Erzählungen von Arthur Conan Doyle, 2.Durchlaufprobe © SZ/Uwe Soeder

Von Jens Daniel Schubert

Mit drei Revolverschüssen startete am Donnerstag der 25. Bautzner Theatersommer. Auf der Ortenburg jagte diesmal nicht die Olsenbande dem Supercoup hinterher. Sherlock Holmes musste einen Fall lösen, bevor es ihn überhaupt gab. Theaterspektakel mit allen Zutaten, wie man es hier alle Jahre wieder und immer wieder gerne erlebt. Das Publikum feierte ein Feuerwerk von Einfällen, Livemusik und Verwandlungskunst, die vom Ensemble mit höchstem Eifer zelebriert wurden.

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Lutz Hillmann, regieführender Intendant, hat aus Literatur und Film die theatralisch wirksamsten Elemente der Sherlock-Holmes-Geschichten zur Story „Die Beatles-Bänder“ zusammengeschrieben.

Er holt den Meisterdetektiv ins 20. Jahrhundert. Watson wird in den Kämpfen der Suezkrise verwundet, die unerträgliche Flower-Power-Hektik verleidet ihm die Straße, und so landet er in einer WG mit Holmes. Die hübsche Krankenschwester Mary, seine spätere Frau, schenkt ihm zur Eigentherapie seiner posttraumatischen Belastungsstörung ein Kassetten-Aufnahmegerät. Damit dokumentiert er die Fälle seines so kapriziösen wie genialischen Partners. Immer enger ziehen sich die Kreise um den großen Coup: der Raub der Beatles-Bänder, also des Mitschnittes des legendären Rooftop-Concertes der Pilzköpfe.

Miroslaw Nowotny hat eine London-Silhouette mit Drehbühne und Laufband auf den Burghof gezaubert. Hinter der grauen Fassade öffnen sich verschiedene Spielflächen. Die Bühne bietet schnelle Umbaumöglichkeiten und viel Platz, um neben den intimen Szenen im Hause Baker Street 221b auch große Revue zu entfalten. Carlos Matos choreografierte das um Tänzer und Kleindarsteller erweiterte Schauspielensemble zur großen Chorus Line, die mit Livemusik, Farbbeleuchtung und Feuerwerk ganz große Show präsentieren.

Eingepasst in die graue, von Lichteffekten verfremdete London-Fassade spielt eine vierköpfige Band um Tasso Schille. Ein Girl-Terzett wechselt von hier auch auf die Spielfläche, fünf Schauspieler interpretieren die Beatles-Songs. Im Arrangement von Tasso Schille sind sie unverkennbar und doch ganz eigen und prägen den Abend.

Die Besetzungsliste ist schier endlos. Es gehört zu den unterhaltsamen, stilprägenden Elementen der Aufführung, dass Schauspieler innerhalb kürzester Zeit in andere Rollen schlüpfen. Durch Kostüm und Maske unkenntlich gemacht, mit großem Spaß und nie ohne Augenzwinkern werden sie zu immer neuen Figuren.

Genregemäß verzichten Inszenierungsteam und Spieler weitgehend darauf, Charaktere zu entwickeln, Feinheiten in den Figurenbeziehungen herauszuarbeiten und mit leisen Zwischentönen in die Tiefen menschlicher Psyche einzudringen. Der Abend setzt auf Typen, auf Aktion und Show, schnelle, überraschende, fast filmische Szenenwechsel und den Witz durch gut gesetzte Pointen, skurrile Choreografien und an Slapstick erinnernde szenische Vorgänge.

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Beim Bautzener Theatersommer sind Richard Koppermann und Mirko Brankatschk ein Team. In der Realität trennen sich ihre Wege bald.

Den herrlich verkopften, trocken sarkastischen und doch auch emotional berührbaren Titelhelden gibt Richard Koppermann, Mirko Brankatschk den Dr. Watson. Er ist immer gut geerdet, verbündet sich als Erzähler mit dem Publikum und bleibt auch der Moderator, wenn es mal wieder schwerfällt, den aberwitzigen Kombinationen des Chefermittlers zu folgen. Gabriele Rothmann gibt die Zimmerwirtin Mrs. Hudson in ihrer unverwechselbaren direkten Art. Ansonsten macht es einfach Freude zuzusehen, wie sich das gesamte Schauspielerensemble, und mit ihnen Kleindarsteller und Tänzer, mit Spiellust auf die Figuren stürzt, im Ensemble aufgeht und überaus überzeugend die Beatles Musik interpretiert. Rundum gute Sommerunterhaltung also, bei der das pyrotechnische Feuerwerk das spielerische und musikalische ergänzt.

Knapp 40 Vorstellungen auf der Ortenburg Bautzen bis zum 8. August;

Kartentelefon: 03591/584-225

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