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Kamera ab für das „Sorbenkind“

Die Leipziger Regisseurin Patricia Kaube hat fünf Tage lang in Ostro und Umgebung gedreht. Entstanden ist ein etwas anderer Heimatfilm.

Im Kurzfilm "Sorbenkind" spielt Juan David Mendez den jungen Mann Daniel, der neu in einem sorbischen Dorf ist.
Im Kurzfilm "Sorbenkind" spielt Juan David Mendez den jungen Mann Daniel, der neu in einem sorbischen Dorf ist. © PR

Bautzen/Ostro. Die Geschichte beginnt mit einem Telefonat. Gut erinnert sich Regisseurin Patricia Kaube noch an die Runde mit Tee nach Dreharbeiten im September 2019. Mittendrin erhielt der Kameramann einen Anruf seiner Mutter und unterhielt sich auf einmal in einer anderen Sprache mit ihr. „Das sei Sorbisch und er käme aus Bautzen erklärte er uns“, erinnert sich die Leipziger Filmemacherin. Das Gespräch hinterlässt viele offene Fragen bei der 26-Jährigen, denn bis dahin weiß sie eigentlich nichts über die Minderheit in Sachsen.

Ihre Spuren- und Abenteuersuche hat sie nun in einen Film verpackt. „Sorbenkind“ feierte am Donnerstag online seine Premiere und ist jetzt auf Youtube zu sehen. In dem Kurzfilm geht die Regisseurin der Frage nach, was passiert, wenn jemand zufällig auf die sorbische Welt trifft.

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Fünf Drehtage im Oktober 2020 haben sie erstmals in das sogenannte sorbische Kerngebiet gebracht - und die meisten aus ihrem Team ebenso. Gedreht wurde in Ostro und Umgebung. „Wir wussten nicht, was uns erwartet. Anfangs gab es ein paar kritische Blicke. Doch zum Schluss gehörten wir zur großen Familie“, sagte Patricia Kaube bei der Filmpremiere. Gefördert wurde die Produktion über die Kampagne „So geht sächsisch“.

Fünf Minuten Film war die Ursprungsidee. Jetzt dürfen sich die Zuschauer auf eine gut viermal so lange Geschichte freuen. Im Mittelpunkt steht Daniel, der ratlos ist und es satt hat, immer wieder gefeuert zu werden. Die Rolle hat Schauspieler Juan David Mendez aus Berlin und mit kolumbianischen Wurzeln übernommen. Neben den Profis sind zahlreiche Laien vor der Kamera zu erleben. So feiert zum Beispiel Gabriela Korch, Disponentin am Deutsch-Sorbischen Volkstheater, ihr Filmdebüt. Sie gibt erst die Distanzierte gegenüber dem Fremden, lädt den rastlos Suchenden dann aber an den großen Familien-Abendbrot-Tisch mit Gebet auf Sorbisch ein, um ihm zu zeigen, was wirklich im Leben zählt.

Fünf Stunden Material sind bei den Dreharbeiten im Team aus Kamera, Ton, Make-Up-Artist und Regisseurin entstanden. „Es war unsere bislang anspruchsvollste Produktion. Wir hatten das Gefühl, dass unheimlich viele Geschichten zu erzählen sind“, sagt Patricia Kaube. Als freischaffende Regisseurin dreht sie Werbespots, Musikvideos, aber eben auch Filme - wie das „Sorbenkind“ - von der Idee bis zum finalen Schnitt. Zwölf Monate Arbeit stecken in ihrem jüngsten Projekt über die eingeschworene wie liebevolle Gemeinschaft in der Lausitz. Die Fördersumme beträgt 3.500 Euro.

Regisseurin will die Geschichte weiter ausrollen

Das Fazit dieses etwas anderen Heimatfilms? „Es braucht eine starke Basis, um zu wissen, was einen selbst ausmacht“, sagt die Regisseurin. Sie sieht ihr gemeinsames „Sorbenkind“ als ein Pilotprojekt, möchte gern die Geschichte weiter ausrollen und eine größere Förderung organisieren, vielleicht sogar für einen 45-Minüter. Denn ihre Recherchen hätten gezeigt, dass es wenig Wissen und viele Vorurteile gegenüber den Sorben gebe.

Ihrem Protagonisten öffnet sich am Ende des Films eine alte Tür neu. Sein Trip auf der Suche nach Freiheit klingt mit den Worten aus: „In den Dörfern der Sorben trifft man selten neue Leute. Die wenigsten wissen, dass man hier sogar eine ganz eigene Sprache spricht. Doch, wenn man einmal da gewesen ist, kennt man sich selbst auch ein bisschen besser.“

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