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Besondere Landschaftsfotos in der Galerie Budissin

Matthias Weber zeig in Bautzen bis Anfang Juli einige seiner unzähligen Aufnahmen. Dass er sich gern mit der Kamera ausdrückt, hat vor allem einen Grund.

Matthias Weber stellt derzeit in der Galerie Budissin in Bautzen einige seiner Fotos aus. Die Schau trägt den Titel „Stilles Land 3“.
Matthias Weber stellt derzeit in der Galerie Budissin in Bautzen einige seiner Fotos aus. Die Schau trägt den Titel „Stilles Land 3“. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die großen Planen über den unförmigen Strohballen-Skulpturen auf den Schwarz-Weiß-Fotografien lassen der Fantasie freien Lauf. Daneben fällt ein verfallendes Schild mit der Aufschrift „Imbiss“ auf, dass vor langer Zeit mal bessere Tage gesehen hat. Dazu stellt der Fotograf Matthias Weber fast grenzenlos wirkende Landschaftsaufnahmen. „Stilles Land 3“ hat der Künstler seine Ausstellung betitelt. Zu sehen sind Bilder voller Poesie bis 2. Juli in der Bautzener Galerie Budissin.

Der fast menschenleeren Magie in Schwarz-Weiß stellt Matthias Weber eine farbige Foto-Gruppe gegenüber. Nicht nur der tote Fuchs auf der Straße ist ein Schnappschuss vom Blick auf den Boden bei unzähligen Corona-Spaziergängen. „Wo die Natur sich etwas zurückholt, interessiert mich genauso wie die immer schneller werdenden Veränderungen um uns herum“, sagt der 64-Jährige. Aufgewachsen ist der Autodidakt im Muldental, seit fast 30 Jahren lebt er in der Oberlausitz.

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Plüschtiere sind seine ersten Models

Die Kamera begleitet Matthias Weber fast immer. Im Fotoalbum mit den Bildern seines Schaffens müsste er inzwischen aufgrund der Vielzahl lange blättern. Wenn er sich jedoch spontan für zehn Lebens-Motive entscheiden müsste, würde er mit einer fotografierten Gruppe Plüschtiere beginnen. Mit der Pouva Start macht er seine ersten Aufnahmen, mit 18 Jahren wird er sich dann die Spiegelreflexkamera seines Vaters borgen.

Die Bilder vom Treffen mit Freunden an der Mecklenburgischen Seenplatte kämen genauso dazu wie Porträts seiner Großmutter in seinem Heimatort Werdau. Die Faszination des Lichtmalens erklärt der Fotograf ganz einfach: „Für jemanden, der nicht viel erzählt, ist die visuelle Ausdrucksweise besser.“

Trotz seiner Leidenschaft für das Fotografieren schlägt Matthias Weber nach Schule erst berufliche Umwege ein. Weil er nicht weiß, was er werden will, wird er Baufacharbeiter. Danach entscheidet er sich für eine Krankenpfleger-Ausbildung und schließt schließlich noch auf dem Katharinen-Hof in Großhennersdorf eine Ausbildung aus Heilerziehungspfleger mit Behinderten an. Damals kommt er erstmals in die Oberlausitz.

Aus der Hauptstadt in die Oberlausitz

Bevor er Großhennersdorf später als seinen Lebensmittel- und Ruhepunkt auswählt, ist er an verschiedenen Stationen aktiv, wie die Lebensbilder erzählen. Nummer 4 zeigt die Söhne auf einer Decke spielend im Garten des Pfarrhauses in Höfgen, wo sich Matthias Weber um die Sanierung des Gebäudes kümmert. Die Bilderserie von der Fährfrau Brigitte in den 1980er-Jahren, die immer wieder über die Mulde übersetzt, zeigt schon eine professionellere Handschrift.

Im Sommer vor dem Mauerfall zieht der Suchende schließlich nach Berlin. Er kommt beim Verein „Rambazamba“ unter, arbeitet in der Foto-Werkstatt mit Behinderten und fotografiert das Wende-Geschehen. Lebensbild Nummer 6 ist für den Wahl-Oberlausitzer deshalb ein Foto vom Loch in der Mauer vom Westen aus fotografiert. „Auf der anderen Seite stand noch der DDR-Grenzer in Uniform“, sagt er.

Ein Konzertfoto des australischen Musikers Nick Cave ist die Nummer 7 und zugleich ein Abschied von Berlin, wo er nach 1990 erste Schritte als freiberuflicher Fotograf, unter anderem für die linke Tageszeitung TAZ gegangen ist und erste Ausstellungen hatte. „Ich habe festgestellt, dass die Großstadt auf Dauer nicht mein Ding ist. Da ich hier Menschen kannte, fiel meine Wahl auf die Oberlausitz“, sagt Matthias Weber.

In seiner neuen Heimat bekommt er für seiner Serie „Fasching“ 1996 nicht nur den ersten Preis des Bautzener Kunstvereins in der Kategorie Fotografie, sondern auch seinen Einstieg als freier Fotograf bei der Sächsischen Zeitung. Am Anfang steht ein Bild mit Flüchtlingskindern. Es wäre das Lebensbild Nummer 8.

Jenem Motiv folgen Blütenbilder – aller entstanden mit Hilfe des Scanners. Mit diesen Scanogrammen hat er vor zwei Jahren den Preis in der Kategorie „Natur abstrakt beim Epson-Fotowettbewerb gewonnen.

Künstler übernimmt Galerie-Aufsicht

Das Bild Nummer 10 führt zurück in die Galerie Budissin. Auf dem Foto hat sich eine Werbeplane gelöst und weht wie ein modernes und gigantisches Windspiel in der Luft. Er ist wieder so ein stiller Sehnsuchtsort, wo sich die Natur ein Stück Zivilisation zurück trotzt.

Wer mit dem Fotografen über seine Arbeiten ins Gespräch kommen will, hat am 12. Juni die Chance. Da übernimmt Matthias Weber die Galeria-Aufsicht in der Schloßstraße. Zudem gibt es am 1. Juli um 19 Uhr das Kunstgespräch beim „Treffpunkt Galerie“.

Galerie Budissin, Schloßstraße 19 in Bautzen, geöffnet Dienstag bis Sonnabend 14 bis 18 Uhr
www.kunstverein-bautzen.de

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