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Dresdener Künstler zeigt Skulpturen in Bautzen

Klaus Drechsler stellt in der Galerie Budissin aus. Es ist eine Premiere gleich im doppelten Sinn.

Der Dresdner Künstler Klaus Drechsler zeigt seine Ausstellung "Sinnbild - Allegorie - Vision im plastischen Werk" in der Galerie Budissin.
Der Dresdner Künstler Klaus Drechsler zeigt seine Ausstellung "Sinnbild - Allegorie - Vision im plastischen Werk" in der Galerie Budissin. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein Bootsmann mit Staken schaut stoisch nach vorn. Auf dem Heck des Gefährts liegt ein aufgebahrter Leichnam. Über den Verstorbenen hält Gevatter Tod ein Tuch, irgendwie schützend und doch treibt der „Lumpen“ den schmalen Kahn immer voran. Ein Kind hockt trauernd neben dem Schiffsführer, eine Frau steht hüllenlos neben ihm.

„Charons Nachen“ nennt Klaus Drechsler diese Bronze in Anlehnung an den Mythos vom Fährmann in die Unterwelt. „Die Überlieferung erzählt von der Vergänglichkeit des Seins. Die Dramatik des Lebens ist mein Sujet“, sagt der Künstler.

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Mit Drechslers Arbeiten unter dem Titel „Sinnbild – Allegorie – Vision im plastischen Werk“ meldet sich die Galerie Budissin aus dem Corona-Kunst-Lockdown zurück. Die Mitglieder des Bautzener Kunstvereins setzen mit Klaus Drechsler auf einen guten Freund und langjährigen Wegbegleiter. Die Oberlausitz ist für den Dresdener ein Stück Heimat. Nach erzwungener Aussiedlung seiner Familie aus Schlesien 1947 findet er in der Region neue Wurzeln auf Zeit.

Impulse durch einen Künstler aus Görlitz

1940 wird der Künstler in Ober-Dammer, dem heutigen Dąbrowa Górna, nahe Breslaus in einer Landarbeiterfamilie geboren. Die Flucht, die Vertreibung, die durchziehenden Fronten, die er als Fünfjähriger erleben muss, den Tod seiner Schwester, Soldaten, die über seinem Bett Löcher in die Zimmerdecke schießen - all das wird sich später im künstlerischen Werk Drechslers einen Ausdruck suchen.

Sein Talent entdeckt ein Kunsterzieher an der Oberschule in Reichenbach/Oberlausitz. Mit seiner Hingabe zur Naturbeobachtung erlebt der Schüler erste „Achtungserfolge“ mit dem Zeichnen einer Landkarte im Fach Geografie oder einer Blüte in Biologie, wie er sagt. Aus vielen Mosaiksteinchen setzt sich immer mehr der Wunsch zusammen, Malerei, Grafik, Bildhauerei zu studieren.

Einen solchen Impuls gibt ein Künstler aus Görlitz, der den Zeichenlehrer an der Schule unterstützt. Er bringt zum Unterricht Bücher über Kunst vor 1933 mit. „Diese einfachen Schwarz-Weiß-Abbildungen eröffneten mir eine völlig neue Welt. Es war eine Bilderwelt, die ich bis dato nicht kannte“, sagt Klaus Drechsler. Jener Künstler geht mit dem schüchternen Jungen zu dessen Eltern auf den Bauernhof und überredet sie, ihren Sprössling 1957 nach Dresden zum Vorstudium an der Hochschule für Bildende Künste zu schicken. Sie willigen ein.

Erste Ausstellung mit Schwerpunkt auf Plastik

Der damals 17-Jährige springt aus der ländlichen Oberlausitz ins pralle Großstadtleben. Knapp zehn Jahre später beendet er sein Studium. Flächen faszinieren ihn, Farb- und Druckgrafik genau wie Aquarelle. Mit einem bisschen Kunsthandwerk schafft er sich in der Weihnachtszeit ein zweites Standbein. Aus Holz werden Nussknacker und Leuchter.

Immer wieder liebäugelt der freischaffende Künstler auch mit der Skulptur. „Wenn man sich über Jahrzehnte mit der Fläche beschäftigt, dann ist es irgendwann reizvoll, im Dreidimensionalen zu arbeiten“, sagt der 80-Jährige. Gut hundert Mal hat er wohl inzwischen seine Arbeiten landauf, landab ausgestellt.

Vor gut 25 Jahren beginnt Klaus Drechsler, sich mit dem Thema Plastik auseinanderzusetzen. Die Bautzener Auswahl zeigt 30 Skulpturen. „Es ist meine erste Ausstellung mit dem Hauptgewicht auf der Plastik“, sagt der Künstler. Sie zeigt menschengroße Bronzen genau wie kleine Figuren, Büsten und Tierstatuetten, unter ihnen angriffslustige Hunde, erschreckte Katzen, aufmerksame Enten – und den Fährmann in die Unterwelt.

Galeriebesuch derzeit nur nach Anmeldung

Ihr Premierenauftritt vor Publikum wird aufgrund der Pandemie nur im kleinsten Rahmen stattfinden. Interessierte können die Galerie vorerst nur nach telefonischer Anmeldung besuchen. Statt bei der Vernissage soll der Künstler dann bei der Finissage am 3. April gewürdigt werden – und auch an einem Kunstgespräch am 8. April hält der Kunstverein derzeit noch fest.

Ausstellung vom 9. März bis 9. April, Galerie Budissin, Schloßstraße 19 in Bautzen, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend 14 - 18 Uhr, Voranmeldung unter 03591 42223

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