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Wie die Dienstmädchen lebten

Der Archivverbund Bautzen startet jetzt wieder seine Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Archiv“. Vorträge geben Einblick in verschiedene Lebenswelten.

Mit der Arbeit und Stellung von Dienstmädchen befasst sich ein Vortrag vom Archivverbund Bautzen am 7. September.
Mit der Arbeit und Stellung von Dienstmädchen befasst sich ein Vortrag vom Archivverbund Bautzen am 7. September. © Archiv Dörte Schimke

Bautzen. „Stets zu Diensten“ in der Bautzener Schloßstraße: Mit dem Vortrag „Häusliches Dienstpersonal in städtischen Bürgerhaushalten in Sachsen“ beginnt der Archivverbund Bautzen am 7. September nach der Sommerpause seine Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Archiv“. Referentin Dörthe Schimke hat in den vergangenen Jahren zu den sprichwörtlichen „Mädchen für alles“ geforscht. Beim Vortrag gibt die Historikerin anhand von Fallbeispielen aus verschiedenen Städten Sachsens spannende Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt dieser (fast vergessenen) Erwerbsgruppe.

Treu, fromm und gehorsam: So sollte das Dienstmädchen um die Jahrhundertwende sein. Wer etwas auf sich hielt, beschäftigte im 19. Jahrhundert in größeren Städten, wie auch in Bautzen, eine Angestellte. Sie kümmerte sich um alles Anfallende: Kochen, Putzen, Kinderbetreuung, Wäsche, Einkäufe und teilweise Alten- und Krankenpflege. Betuchtere Familien leisteten sich zusätzlich Köchinnen, Stuben- oder Kindermädchen, in seltenen Fällen männliches Personal wie Kutscher oder Gärtner. Der Arbeitsalltag der Bediensteten war hart: Arbeitszeiten von 16 Stunden waren üblich, ebenso Verfügbarkeit rund um die Uhr. Die Unterbringung war in der Regel so miserabel wie die Bezahlung.

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Zum Vortrag über August Bergt erklingt Kammermusik

Trotzdem hatte der Dienstberuf Konjunktur, zu Tausenden strömten meist junge Frauen in dieser Zeit in die Städte, um anderen zu dienen. Für die Lausitz ist die massenhafte Abwanderung sorbischer (wendischer) Frauen und Mädchen in die Großstädte und die Beschäftigung sorbischer (wendischer) Ammen und Dienstmädchen in Berlin typisch. Auch sie verließen ihre Heimat vor allem in der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum I. Weltkrieg.

Nach dem Ausflug mit den Dienstboten folgt am 12. Oktober im Archivverbund ein Vortrag über den Bautzener Domorganisten August Bergt. Der Musiker brachte 1802 die Landhauskonzerte nach Bautzen, die in der heutigen Bibliothek aufgeführt wurden. Der Vortrag von Měrko Šołta erläutert den Ablauf der Konzerte und erzählt über das Leben des Musikpädagogen und Komponisten, dessen Geburtstag sich am 17. Juni zum 250. Mal jährte. Zum Vortrag erklingt Kammermusik von August Bergt mit dem Instrumentalkreis „Consonare St. Petri“ unter der Leitung von Evelyn Fiebiger.

Als die Wende über ein Lehrer-Kollektiv hereinbrach

Die geplante Veranstaltung am 9. November führt zurück in das „außergewöhnliche Schuljahr 1989/90“. Die Regisseurin Bettina Renner aus Bautzen liest aus der Chronik der Polytechnischen Oberschule Adolf Diesterweg Bautzen. Das Dokument zeigt, wie die Veränderungen nach der Wende über das Lehrer-Kollektiv hereinbrachen. Aus den Zeilen klingt Verunsicherung, Verärgerung, aber auch Aufbruchsgeist. Das Zeitdokument vermittelt ein Gefühl für die Zeit – an einem passenden Datum. Am 9. November 1989 fiel die Mauer.

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Der Jahrgang 2021 der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Archiv“ soll am 7. Dezember zu Ende gehen. Friedrich Pollack berichtet dann über „Chancen und Nöte der Oberlausitzer Universitätsabsolventen im 18. Jahrhundert am Beispiel des evangelischen Pfarrernachwuchses. Seinerzeit häuften sich im Land die Klagen über die „Studiersucht“ der Jugend. Alles würde an die Universitäten drängen und keiner mehr einen bodenständigen Beruf erlernen wollen. Ob die Klage berechtigt war, beantwortet der promovierte Historiker vom Sorbischen Institut in Bautzen in diesem Vortrag.

Die Reihe „Treffpunkt Archiv“ findet immer dienstags um 19 Uhr im Veranstaltungsraum des Archivverbunds statt. Der Eintritt ist frei.

Archivverbund, Schloßstraße 12 in Bautzen. Es wird um Anmeldung per E-Mail ([email protected]) oder 1 03591 534878 gebeten. Die Kapazität ist auf 30 Personen begrenzt.

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