merken
PLUS Bautzen

Optimismus in Klein-Wacken

Förderung ist da, erste Bands sind gebucht: Das Los Pampos-Festival will in Hochkirch der Pandemie trotzen; mit Hygienekonzept und einer besonderen Einladung.

Auf dem Gelände dieses Vierseithofes in Zschorna bei Hochkirch, wo Gerda Weiß und Michael Lange vom Organisationsteam jetzt noch in idyllischer Ruhe sitzen, soll im August das Los Pampos-Festival stattfinden.
Auf dem Gelände dieses Vierseithofes in Zschorna bei Hochkirch, wo Gerda Weiß und Michael Lange vom Organisationsteam jetzt noch in idyllischer Ruhe sitzen, soll im August das Los Pampos-Festival stattfinden. © SZ/Uwe Soeder

Hochkirch. Die Hummeln nutzen diesen ersten Sonnentag zum Ausflug. Brummend und um Aufmerksamkeit buhlend geht es über die Wiese am Vierseithof im Hochkircher Ortsteil Zschorna. Gerda Weiß und Michael Lange sitzen mitten in der Idylle über Planungen. In viereinhalb Monaten verwandelt sich die Beschaulichkeit wieder in die Kulisse für das Los Pampos-Festival. „Klein-Wacken in der Oberlausitz, nur nicht so schlammig“, sagt der 42-Jährige schmunzelnd.

Die Planungen sehen bis jetzt vor: Am 20. und 21. August treffen im kleinen Dorf zwischen Bautzen und Löbau wieder Dorfbewohner auf Metal-Fans. Der Termin stand schon lange, aber wie für viele andere Veranstaltungen hat Corona das Organisationsteam auf die Folter gespannt. „Im vergangenen Jahr hatten wir erst auch Bedenken, ob das Festival stattfinden kann, haben dann aber mit 230 Leute gefeiert. In diesem Jahr zittern wir etwas mehr. Wir gehen aber stark davon aus, dass wir das Festival durchziehen werden“, sagt Michael Lange.

Anzeige
Die Tamanduas freuen sich über Daria
Die Tamanduas freuen sich über Daria

Mutter Kiwi brachte ihr drittes gesundes Jungtier im Februar zur Welt.

Koch aus dem Bundestag versorgt Festivalgäste

Ein Geburtstag des Chemikers vor sieben Jahren ist quasi die Geburtsstunde des kleinsten Rockfestivals Deutschlands. Bei Bier und viel guter Laune kommen die Freunde auf die Idee, eine ihrer Lieblingsbands über ein Crowdfunding zu unterstützen. Gesagt, getan: Die sechs legen für das Konzert von DŸSE zusammen. Die Noise-Rock-Band spielte schon im Vorprogramm bei den Beatsteaks und den Ärzten.

Eben jene Musiker sind die ersten, die sich 2015 zum noch improvisierten Konzert in die Pampa verirren. Ihr Auftritt ist wie viele andere Geschichten jetzt auch in einem Buch über das Los Pampos-Festival festgehalten. Die Seiten erzählen nicht nur von Freundschaft, sondern von einer Dorfgemeinschaft, die bei harten Gitarrenriffs und stampfenden Rhythmen zusammenrückt.

An die Anfänge erinnern sich Gerda Weiß und Michael Lange noch gut. „Wir hatten im ersten Jahr nicht einmal eine Toilette auf dem Plan, inzwischen bekommen wir den Toilettenwagen der Gemeinde Hochkirch“, sagen die Organisatoren. Damit den Bands nicht der Strom ausgeht, wurde bei der Elektrik nachgerüstet. Ohne die vielen Unterstützer aus nah und fern wäre das Festival inzwischen fast undenkbar. So bringt zum Beispiel Sebastian Knöschke sein Team aus der Bundestagskantine in Berlin mit, um hungrige Festivalbesucher zu versorgen. Wie der Koch nutzen viele Weggezogene das Festival, um in die alte Heimat zurückzukehren.

Hinterm Biertresen statt vor der Grundschülern

Auch Michael Lange arbeitet normalerweise in Darmstadt bei einem großen Chemie- und Pharma-Konzern. Gerda Weiß dagegen wohnt noch in Zschorna. Die Grundschullehrerin hat nach ihrem Studium in Bamberg ihren Traumjob an der Schule in Horka gefunden. Noch arbeite sie dort als Vertretungslehrerin. Im März 2022 wird aber ihr Referendariat beginnen. Beim „Los Pampos“ steht sie statt vor der Klasse hinter dem Biertresen. „Das Festival beschäftigt uns inzwischen das ganze Jahr immer wieder. Es hat oberste Priorität. Sogar den Urlaub legen wir drumherum“, sagt die 24-Jährige.

Für das Festival ziehen viele aus der Gemeinde an einem Strang, auch das Alter spielt keine Rolle. Unter den Bands hat sich der familiäre Geheimtipp aus der Lausitz inzwischen auch herumgesprochen. „Manche schreiben wir an, andere schreiben uns an“, sagt Michael Lange.

Lediglich bei einer Band hatten die Festivalmacher bisher kein Glück. Schon zwei Mal ging eine Einladung an die Beatsteaks raus. Zurück kamen nette Absagen. Die Berliner gehören zu den erfolgreichsten Punkmusiker in Deutschland. „Sie könnten auch unter Pseudonym bei uns auftreten und ihren Band-Bus an den Teich stellen“, wiederholen die Organisatoren ihre Einladung in die Pampa in dem wohl sonst eher mauen Festivaljahr.

Besucher kommen aus Umkreis von 250 Kilometern

Für die Musiker gibt es neben viel Spaß, Backstage in der Scheune und einem bunten Publikum zwischen Bewohnern der Dresden-Neustadt und Gerdas Großmutter auch eine Gage. Denn das Festival wird sowohl durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien als auch durch die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen gefördert. Für die Auflage 2021 haben die ersten Bands auch schon zugesagt. Es ist eine Mischung aus Musikern, die bereits auf der Dorfbühne aufgetreten sind, und Neulingen, die zum ersten Mal nach Zschorna kommen. Übrigens auch bei den Zuschauern gibt es inzwischen zahlreiche Festival-Wiederholungstäter. Die Besucher kommen meist aus einem Umkreis von 250 Kilometern.

Obwohl noch ein bisschen Zeit ins Land gehen kann, steigt inzwischen bei den Pampanauten die Vorfreude – und die Hoffnung auf eine Ende der Pandemie. „Wir stehen außerdem in Verbindung mit dem Gesundheitsamt und bringen das Wissen aus dem Vorjahr mit“, sagt Michael Lange. Dann übernehmen in der Abendsonne die Hummeln wieder den Sound im Vierseithof. Noch geben die kleiner Brummer hier in der Idylle den Ton an.

Tickets: www.lospamposfestival.wordpress.com

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen