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Bautzen: Drei Künstlerinnen stellen aus

Von farbenprächtig bis schwarzweiß: Almut-Sophia Zielonka, Ulrike Mětšk und Maja Nagel zeigen ihre nachdenklichen Liebeserklärungen an die Welt.

Optimistische Farbenpracht: Almut-Sophia Zielonka zeigt in der Ausstellung „In die Welt gerückt“ Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren. Zur Personal-Schau hat die Künstlerin das Museum Bautzen eingeladen.
Optimistische Farbenpracht: Almut-Sophia Zielonka zeigt in der Ausstellung „In die Welt gerückt“ Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren. Zur Personal-Schau hat die Künstlerin das Museum Bautzen eingeladen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Harlekine wirken traurig. Zu ihren Füßen liegen auf dem Gemälde von Almut-Sophia Zielonka kugelrunde Planeten. „Narren präsentieren Ersatz-Erdkugeln“, hat die Bautzener Künstlerin ihr Werk mit Botschaft genannt. Das ernsthafte Thema verpackt die Malerin in fast heiterem Gelb und Meeresblau. „Ich habe mich lange in alten Fabriken wohlgefühlt, in gedämpfter Farbigkeit und kühler Erdigkeit. Um das Gelb bin ich immer herumgeschlichen“, sagt die 55-Jährige. Anlässlich ihres Geburtstags zeigt das Museum Bautzen die Personalausstellung „In die Welt gerückt“.

Almut-Sophia Zielonka steht mitten in der Ausstellung. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Entstanden sind die Arbeiten fast alle in den vergangenen fünf Jahren. „Sie zeigen eine komplett neue Schaffensphase mit dem Mensch im Mittelpunkt zu aktuell politischen Themen“, sagt Kunsthistorikerin Ophelia Rehor. Neben dem Narren-Bild fällt besonders ein weiteres Großformat mit dem Titel „Der Tierheit eine Kirche – Haus- und Wildtiere protestieren gegen die Massentierhaltung“. Es wirkt wie die Apokalypse der „Arche Noah“.

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Neben diesen aktuellen Themen bereitet Almut-Sophia Zielonka besonders Menschen eine Bühne auf ihren Leinwänden. „Ich wollte schon immer Porträts malen. Ich habe das Gefühl: Es ist folgerichtig“, sagt sie. Ihre ersten professionellen künstlerischen Schritte geht sie an der Abendschule der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Nadelwitz. Nach dem Studium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und Dresden streift sie mit Staffelei und Malutensilien nach der Wende durch die größer gewordene Welt. Sie legt ein künstlerisches Intermezzo in der Uckermark ein, sucht in Dresden und Leipzig ihr Glück und kehrt 2002 nach Bautzen zurück.

20 Bilder zu Franz Schuberts Liederzyklus

Ihre Ausstellung „In die Welt gerückt“ wird im Museum Bautzen in der Reihe „KunstWerke“ gezeigt. Dazu werden seit 2012 regelmäßig lebende zeitgenössische Künstler mit einem Bezug zu Bautzen eingeladen. Zur Ausstellung entsteht jeweils auch ein Katalog. Neben der großen Personalschau sind derzeit im Haus am Kornmarkt die Collagen mit dem Titel „Die schöne Müllerin“ von Ulrike Mětšk zu sehen. Die Bautzener Künstlerin hat die 20 Bilder nach Liedern Franz Schuberts und Texten des Dichters Johann Ludwig Wilhelm Müller gestaltet.

Musik trifft auf Malerei: Ulrike Metsk hat nach Franz Schuberts Liederzyklus „Die Schöne Müllerin“ 20 Gemälde-Miniaturen entworfen. Sie sind in der Kabinettausstellung des Museums Bautzen zu sehen.
Musik trifft auf Malerei: Ulrike Metsk hat nach Franz Schuberts Liederzyklus „Die Schöne Müllerin“ 20 Gemälde-Miniaturen entworfen. Sie sind in der Kabinettausstellung des Museums Bautzen zu sehen. © SZ/Uwe Soeder

Ein bisschen märchenhaft wirken die kleinen Arbeiten. „Ich bin in einem Pfarrhaus groß geworden, da gab es ein Klavier und viel Schubert. Seine Musik begleitet und inspiriert mich schon ein ganzes Leben“, sagt die Künstlerin. Die zeitgenössische Adaption des bekannten Liederzyklus hat die studierte Schauspielerin dem Museum geschenkt. Die Ausbildung als Puppenspielerin führte sie 1979 ans Puppentheater nach Bautzen. Nach dem Abschied dort 2002 gründete sie die freie Theatergruppe „Kontakt“ mit Russlanddeutschen und Arbeitslosen.

Zeichnungen von Weiß bis Schwarz

Doch nicht nur das Museum Bautzen widmet sich in den aktuellen Sonderausstellungen ausdrucksstarken Künstlerinnen. Im Sorbischen Museum behandelt Maja Nagel die Welt in ihren Zeichnungen und grafischen Blättern unter dem Titel „Zeitschläge. Von Weiß bis Schwarz“. Ihre letzte Ausstellung im Haus auf der Ortenburg liegt 30 Jahre zurück. „Wir waren aber immer im Kontakt, haben thematische Ankäufe gemacht und 60 Arbeiten im Bestand“, sagt Museumsleiterin Christiana Bogusz. Für sie ist es wichtig, dass im Museum regelmäßig zeitgenössische Kunst zu sehen ist, um das Bewegliche und die Lebendigkeit der Sorben zu zeigen.

Konzentration durch Reduktion: Maja Nagel zeigt im Sorbischen Museum in Bautzen Zeichnungen und grafische Blätter. Die Ausstellung trägt den Titel „Zeitschläge. Von Weiß bis Schwarz“.
Konzentration durch Reduktion: Maja Nagel zeigt im Sorbischen Museum in Bautzen Zeichnungen und grafische Blätter. Die Ausstellung trägt den Titel „Zeitschläge. Von Weiß bis Schwarz“. © SZ/Uwe Soeder

Wie Almut-Sophia Zielonka hat die Pandemie auch Maja Nagel Zeit zum Arbeiten geschenkt. Die gebürtige Bautzenerin zeigt Kohlezeichnungen, Radierungen und Teile ihres Kunstprojekts „Im Feld“. Seit 2012 zeichnet die Künstlerin (fast) jeden Tag 1.000 stilisierte Figuren auf ein Blatt Rechenpapier. Sie scheinen wie Soldaten in eine Richtung zu marschieren. Die Figuren-Felder stehen für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg. Zehn Millionen Soldaten. „Das ist eine Zahl, mit der man konfrontiert wird, aber sie nicht fassen kann. Jede Figur steht für ein Schicksal“, sagt die 60-Jährige. Zwei komplette Ausstellungswände bedeckt ihre tägliche, gut einstündige Handarbeit auf schlichtem Papier. Es ist eine Chiffre für unnötiges Sterben.

Maja Nagel möchte den Betrachter zum Nachdenken anregen. „Meine Arbeiten sind ein Halbprodukt. Sie werden erst vollendet, wenn jemand draufschaut und seine Intention mit hineingibt“, sagt sie. Besonders gern verwendet die sorbische Grafikerin aus Eula bei Nossen Schwarz und Weiß, weil sie durch die Reduktion eine große Konzentration erreiche. „Zwischen schwarz und weiß ist zudem ein unendlicher Raum“, schwärmt die Sammlerin von Formen auf dem Papier. Besonders reizt sie, das Alltägliche zu hinterfragen.

Das Nachdenken über ihre Arbeiten gibt die Künstlerin auch gern weiter. Dazu bietet das Sorbische Museum Zeichen-Workshops für Erwachsene und Jugendliche, selbstverständlich unter der Leitung Maja Nagels.

Informationen zu den Ausstellungen und Begleitprogrammen im Internet:

Museum Bautzen

Sorbisches Museum

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