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Bautzen: Meditation mit der Motorsäge

Mit viel PS schnitzt Barbara Wiesner aus Hölzern kraftvolle Skulpturen. Ihre Arbeiten stellt sie jetzt in der Galerie Budissin aus.

Bildhauerin Barbara Wiesner zeigt ihre Werke in Bautzen in einer neuen Ausstellung.
Bildhauerin Barbara Wiesner zeigt ihre Werke in Bautzen in einer neuen Ausstellung. © Steffen Unger

Bautzen. Eng umschlungen halten sich Mutter, Vater und Kind. Sie stützen sich gegenseitig, geben sich Halt. Nichts kann dieses Miteinander auseinanderbringen. Aus schwerem Eichenholz hat Barbara Wiesner mit der Kettensäge diese grobe „Dreieinigkeit“ herausgeschält. 

„Für mich symbolisiert dieses Werk den Schutz des Privaten, dass man sich in der Familie den Rücken stärkt“, sagt die Künstlerin und wandert weiter zwischen ihren riesigen Skulpturen, kleinen Terracotta-Arbeiten und Bildern in der Galerie Budissin. Dort sind bis 6. November ihre Arbeiten unter dem Titel „Autark II“ zu sehen.

Stars im Strampler aus Bautzen
Stars im Strampler aus Bautzen

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die im Landkreis Bautzen zu Hause sind.

Die großen Hölzer im Raum strecken sich gen Decke. „Ich mag die Vielfalt der Materialien, aber Eichenholz bleibt für mich immer etwas Besonderes“, sagt die 46-jährige Plastikerin und bleibt an einer weiteren Skulptur stehen. Ihr Holz stammt von einer der alten Eichen aus ihrem Heimatdorf Baruth. Die Giganten säumten einst den Weg zum Kindergarten und inspirierten sie schon als Kind zum Zeichnen. „Baruth ist für mich die ursprüngliche Quelle der Inspiration. Das ist Heimat, das ist Kindheit“, sagt sie. Bis heute gibt es in dem Dorf einen kreativen Platz, wo sie Hölzer bearbeitet.

In der Kunst ein Ventil gefunden

An diese kraftvollen Arbeiten war am künstlerischen Anfang noch nicht zu denken. Mit Stift und Zeichenblock steigt Barbara Wiesner schon als Grundschülerin auf ihr Fahrrad, um Landschaft, Kühe, Pferde, ja Natur, zu zeichnen. Auch die Familie wird immer wieder porträtiert. Die Anerkennung spornt an. „Ich habe in der Kunst ein Ventil gefunden“, sagt sie im Rückblick. Zuweilen landet sie bei ihren Ausflügen bei der Keramikerin Eva Ursula Lange, die in Baruth ihr Atelier hat. Dort fängt sie an, kleine Plastiken aus Ton aufzubauen und zu modellieren.

Sowohl bunte als auch schwarz-weiße Bilder sind unter dem Titel "Autark II" bis zum 6. November in der Galerie Budissin zu sehen.
Sowohl bunte als auch schwarz-weiße Bilder sind unter dem Titel "Autark II" bis zum 6. November in der Galerie Budissin zu sehen. © Steffen Unger

Langsam beginnt eine Idee von der Bildhauerei zu reifen. Ihr Talent bleibt nicht unerkannt. Im Künstlerhaus in Nadelwitz findet Babara Wiesner Mitte der 1980er-Jahre Gleichgesinnte und Mentoren. Neben der Keramikerin aus dem Heimatdorf gehören Hans Kutschke und Jan Buck zu ihnen. Mit ihren wissbegierigen Schülern gehen sie zum Zeichnen in die Natur und die Stadt, legen Grundlagen für ein künftiges Kunststudium. Im ehemaligen Rittergut ist eine Außenstelle der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Der künstlerische Weg ist so fast vorgezeichnet. Nach dem Abitur geht es direkt in die Bildhauerklasse an der Elbe.

Tauscht das Schnitzmesser gegen die Säge

Barbara Wiesner bleibt wieder stehen. Sie betrachtet ein Bild, auf dem sich Bäume gegen die „Gewitterstimmung“ stemmen. „Aus der Natur bekomme ich meine Inspiration und auch meine Energie“, sagt sie. Während die Künstlerin im Studium ihre Arbeit mit Stein, Ton, Terrakotta und Bronzen perfektioniert, entdeckt sie das Holz nach ihrer Rückkehr in die Oberlausitzer Heimat im Jahr 2003. Beim Symposium „Grenzenlos für die Lausitz“ bei Cottbus wagt sie sich erstmals an das spröde wie schöne Material, eine Pappel beginnt unter ihren schnitzenden Händen zu leben.

Skulpturen, Terracotta-Arbeiten und Bilder präsentiert Barbara Wiesner derzeit in Bautzen.
Skulpturen, Terracotta-Arbeiten und Bilder präsentiert Barbara Wiesner derzeit in Bautzen. © Steffen Unger

Inzwischen tauscht Barbara Wiesner das Schnitzmesser lieber gegen starke PS. „Wenn ich die Motorsäge höre, ist es für mich wie der Klang einer Meditationsschale. Es macht was mit mir – und erinnert mich an meine Meditation mit meiner Säge und meiner Plastik“, sagt die Bildhauerin. Mit den Schützern auf den Ohren kann sie die Welt um sich herum vergessen. Bei diesem Versinken in die Arbeit lässt sie sich dann von ihren Emotionen leiten. Sie will innere Zustände darstellen. Auch aus Granit und anderen Steinen bricht die zierliche Frau ihre Figuren. Metall gibt sie Form.

Auf der Staffelei warten Mallorca-Eindrücke

Wieder hält sie vor der „Dreieinigkeit“ inne. „Ich entfremde gern Körperteile, so dass die Plastiken Bewegung bekommen“, sagt Babara Wiesner. Für die Ausstellung in der Galerie Budissin hat sie vor allem jüngeren Arbeiten ausgesucht. Der Titel „Autark II“ war ihr dabei besonders wichtig. „Ich möchte autark leben, unabhängig im Einklang mit der Natur. Es ist mir wichtig, mir selbst treu zu bleiben“, sagt die Plastikerin, die immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ist. 

Im Atelier probiert sie gerade, eine Symbiose aus Holz und Hartplastik plastisch zu bearbeiten. Auf der Staffelei warten noch die angefangenen Eindrücke von einer Mallorca-Auszeit auf ihre Vollendung. Auch über Arbeiten in Stein denkt die kraftvolle Künstlerin schon wieder nach.

Galerie Budissin: Öffnungszeiten Dienstag bis Sonnabend 14 bis 18 Uhr, in der Schloßstraße 19 in Bautzen.

Termine: Treffpunkt Galerie – Kunstgespräche am 15. Oktober, 19 Uhr; Lesung am 6. November, 19 Uhr „...von verlorenen Illusionen“ mit Elisa Ueberschär in Gedenken an Brigitte Reimann.

Mehr Informationen über den Bautzener Kunstverein.

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