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Feuilleton

Sorben künftig fest im MDR-Rundfunkrat

Mit dem neuen Rundfunkstaatsvertrag darf der Sorben-Dachverband Domowina erstmals einen ständigen Vertreter in den MDR-Rundfunkrat entsenden.

David Statnik, Vorsitzender der Domowina - Bund Lausitzer Sorben.
David Statnik, Vorsitzender der Domowina - Bund Lausitzer Sorben. © Robert Michael/dpa

Bautzen. Nach knapp drei Jahrzehnten erhalten die Sorben erstmals einen festen Platz im MDR-Rundfunkrat. Eigenen Angaben zufolge wurde der Dachverband Domowina (Bund Lausitzer Sorben) aufgefordert, bis Ende September einen Vertreter für das Gremium zu benennen. "Es ist für uns wichtig, dass wir uns unabhängig von parteipolitischen Konstellationen mit eigener Stimme Gehör verschaffen können. Das tut auch den drei Ländern gut, die damit den geltenden Forderungen des Minderheitenschutzes und einer breiteren gesellschaftlichen Beteiligung entsprechen", sagte der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik. Auf der jüngsten konstituierenden Sitzung des neuen Domowina-Bundesvorstandes am Wochenende hatten die Mitglieder beschlossen, dass sich Interessierte als Kandidierende melden können.

Hintergrund der Neubesetzung des Rundfunkrats ist der neugefasste MDR-Rundfunkstaatsvertrag, der zum 1. Juni in Kraft getreten ist. Der Domowina war es im Freistaat von 1998 bis 2004 und 2004 bis 2010 gelungen, über einen der sogenannten freien Plätze einen Vertreter zu entsenden. Er regte unter anderem erfolgreich ein sorbisches Rundfunk-Jugendmagazin (Radio Satkula) an. Ab 2010 war kein Vertreter der Sorben mehr im Rundfunkrat - anders als in Brandenburg. Dort sind die Sorben/Wenden wie schon im Rundfunkrat des ORB mit einer Stimme auch im Rundfunkrat des rbb vertreten.

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"Sandmännchen" auf Sorbisch

Derzeit sendet das MDR-Studio in Bautzen nach eigenen Angaben mit seinen mehr als 30 Beschäftigten täglich ein vierstündiges Frühprogramm auf Obersorbisch. Einmal im Monat läuft sonnabends das halbstündige Fernsehmagazin "Wuhladko" ("Ausblick") mit Beiträgen aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Jeden Sonntag wünscht das "Sandmännchen" den Kindern wahlweise auf Deutsch oder auf Sorbisch "Gute Nacht!". Jeweils montags von 20.00 bis 22.00 Uhr ist das sorbische Radio- Jugendprogramm "Satkula" zu hören. Wunsch vieler Sorben ist ein 24-Stunden/7-Tage-Rundfunk-Angebot in sorbischer Sprache im MDR, auch mit Hilfe der neuen digitalen Techniken.

Der Rundfunkrat hat unter anderem ein umfassendes Mitspracherecht in Programm-, Personal- oder Finanzfragen. Die Amtszeit des aktuellen Rundfunkrats endet am 8. Dezember 2021. Der Dachverband Domowina ist als gesetzlich anerkannte Interessenvertretung des sorbischen Volkes für die Benennung der Person verantwortlich. Nach offiziellen Angaben gibt es etwa 60.000 Sorben und Wenden, von denen zwei Drittel in Sachsen leben. Das Siedlungsgebiet der Sorben liegt in Ostsachsen, die niedersorbisch sprechenden Wenden sind im Süden Brandenburgs beheimatet. (dpa)

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