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Erneut Corona-Protest in Bautzen

Zum zweiten Mal in dieser Woche trafen sich Menschen in der Stadt, um gegen die Maßnahmen zu demonstrieren. Eine groteske Versammlung.

Rund 100 Leute trafen sich am Mittwoch in Bautzen zum Corona-Protest auf der Ortenburg. Sie trugen symbolisch die Grundrechte zu Grabe.
Rund 100 Leute trafen sich am Mittwoch in Bautzen zum Corona-Protest auf der Ortenburg. Sie trugen symbolisch die Grundrechte zu Grabe. © Steffen Unger

Bautzen. Am frühen Mittwochabend haben sich in Bautzen etwa 100 Menschen, so viele sind es nach Angaben der Polizei, versammelt, um gegen die Corona-Regeln zu protestieren. Zu ungewohnter Zeit. Denn seit einigen Wochen treffen sich die Teilnehmenden sonst immer montagabends auf dem Bautzener Kornmarkt. An diesem Montag hatten sich dort rund 200 Menschen zusammengefunden.

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Am Mittwoch nun findet der Protest vor dem Oberverwaltungsgericht auf der Ortenburg in Bautzen statt. Viele der Teilnehmer haben keine Maske auf, die Polizei kontrolliert sie. Insgesamt 26 Personen fordert die Polizei auf, ein Attest zu zeigen – alle weisen eins vor. „Anderer Ort, anderer Tag, selber Teilnehmerkreis“, resümiert ein Polizist gegenüber Sächsische.de. Das passt zu dem Bild, das sich an diesem Abend bietet: Die Leute kennen sich. Viele begrüßen sich fröhlich; umarmen einander – entgegen der Corona-Regeln. Ohne Maske.

Reichsbürger-Sprech erntet Applaus

Gäbe es Corona nicht, könnte das Prozedere auf den ersten Blick fast einladend und freundlich wirken. Die Leute singen, sie dichten, sie lachen. Kinder laufen umher, die Sonne scheint. Eine Frau mit Kindern kommt an, winkt den Teilnehmenden strahlend zu. Die Kleinen reißen sich von ihren Händen, laufen lachend in die Menge.

Doch dann wird es grotesk. So hat die Gruppe entschieden, symbolisch die Grundrechte zu Grabe zu tragen – und kleine Särge gebastelt. Pro Sarg nennen sie ein Grundrecht. So trägt eine Teilnehmerin der Versammlung das Versammlungsrecht zu Grabe.

Und die Worte, die aus den Mündern der Teilnehmenden kommen, klingen nicht nach dem fröhlichen Volksfest, das sie optisch abgeben. „Verräter“, schreit eine Person, „Widerstand“, rufen viele. Eine Frau hält ein Schild hoch, auf dem von „Corona-Lügen“ die Rede ist.

Von Corona-Lügen ist die Rede - der Redner rechts im Bild warnt auf seinem Plakat unter anderem vor 5G-Strahlung.
Von Corona-Lügen ist die Rede - der Redner rechts im Bild warnt auf seinem Plakat unter anderem vor 5G-Strahlung. © Steffen Unger

Viele Inhalte sind nicht so harmlos wie das Bild, das sich auf den ersten Blick bietet. So stellt sich ein Mann vor die Protestierenden und erklärt: „Wir beerdigen hiermit etwas, was es gar nicht gibt: die Gründungsurkunde der Bundesrepublik Deutschland.“ Die Leute pfeifen, klatschen und johlen. Es ist klassische Reichsbürger-Sprache.

So informiert beispielsweise das Innenministerium Sachsen-Anhalts über einen Fall mit einer ähnlichen Aussage und ordnet das in die Kategorie Reichsbürger ein. „Reichsbürger und Selbstverwalter lehnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland, ihrer Institutionen und ihres Rechtssystems ab“, erklärt der sächsische Verfassungsschutz auf seiner Homepage. „Folglich sprechen sie den demokratisch gewählten Repräsentanten die Legitimation ab oder negieren die geltende Rechtsordnung.“ In der Szene gibt es Überschneidungen zum Rechtsextremismus.

Verschwörungsmythen auf Plakaten

Auch ansonsten sind auf der Versammlung klassische Aussagen aus der Verschwörungsszene zu entdecken. Auf mehreren Protestplakaten geht es um 5G-Strahlung; ein klassisches Thema in der Verschwörungsideologie. „Verschwörungserzählungen konstruieren einfache, in sich geschlossene Weltbilder und Rollen“, hatte die Internet- und Extremismusforscherin Dr. Josephine Schmitt aus Bochum vor einiger Zeit gegenüber Sächsische.de erklärt. Gefährlich kann das Ganze werden, weil in den Verschwörungsmythen meist festgelegt ist, wer gut und wer böse ist.

Oftmals geht es dann um bestimmte Akteure im Hintergrund, die angeblich die Fäden ziehen. Häufig sind wirtschaftliche oder politische Eliten gemeint. „Menschen, die an Verschwörungserzählungen zu 5G glauben und diese verbreiten, glauben oft daran, dass sich dahinter eine geheime Technologie von Regierungen oder ähnlichem verbirgt, die darauf abzielt, die Menschen zu vergiften, krank zu machen - oder gar Kontrolle über sie zu gewinnen“, ordnet Josephine Schmitt ein. Es werden Feindbinder geschürt – was am Ende auch zu Gewalt führen kann.

Am Mittwochabend blieb es friedlich, so das Fazit der Polizei. Nach weniger als einer dreiviertel Stunde war die Versammlung vorbei.

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