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2.000 Vorschläge fürs Lausitz-Monopoly

Tagebau, Senf, Ostern: Bis Ende März können die Lausitzer Ideen für die Sonderedition einreichen. Viel Interessantes liegt schon vor.

Es soll eine Lausitz-Sonderedition des Brettspiels Monopoly geben. Dafür wird noch nach Vorschlägen gesucht.
Es soll eine Lausitz-Sonderedition des Brettspiels Monopoly geben. Dafür wird noch nach Vorschlägen gesucht. © Steffen Unger

Bautzen. Die Bautzener Reichenstraße wird zur Schlossallee, die Böhmische Brücke in Obergurig muss auch dabei sein, und als Spielfiguren könnten Saurier aus Kleinwelka, ein Senfeimer oder die Osterreiter übers Brett rücken. In Sozialen Medien stellen sich die Menschen aus der Region so das Lausitz-Monopoly vor, das demnächst auf den Markt kommen soll.

Diese Liebe zur Heimat stellt Florian Freitag bei den Lausitzern immer wieder fest, sagte er zu Beginn der vergangenen Woche. Da hat der Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Polar1 die Idee für eine eigene Lausitz-Version des Brettspiels Monopoly vorgestellt. Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Spieleverlag Winning Moves werde es entwickelt.

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Dass die Lausitzer ihre Ideen entwickeln und einbringen, ist von Polar1 gewünscht. Noch bis zum 30. März können Vorschläge eingereicht werden. Auf der Internetseite zum Lausitz-Monopoly waren bis zum frühen Freitagnachmittag bereits 113 Ortsvorschläge aufgeführt, darunter Bautzen, Calau, Göda, Herrnhut, Lauchhammer, Pulsnitz oder Zittau. Über diese werde am Ende auch abgestimmt. Sehenswürdigkeiten können ebenso genannt werden, erklärt Florian Freitag.

„Aus unserer Sicht bemerkenswert ist, dass auch Lausitzer Traditionen wie die Sorbischen Ostereier, das Osterreiten und die Trachten genannt worden sind. Aktuell haben wir insgesamt rund 2.000 Vorschläge vorliegen.“

Viele Vorschläge sollen umgesetzt werden

Bei Polar1 sei man von dem großen Interesse begeistert. „Dies zeigt die hohe Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat, und wir sind froh, dass wir mit der Monopoly Lausitz Edition unseren Teil dazu beitragen können“, führt der Geschäftsführer aus. „Wir versuchen, so viele Vorschläge wie möglich auf dem Spielfeld, in den Ereigniskarten sowie im Begleitheft, das dem Spiel beiliegen wird, zu berücksichtigen.“

Vielleicht finden sich dann auch Ideen wieder, die Friedrich Pollack mit seinem Tweet vom 10. Februar hervorgerufen hat. Der Historiker und Kulturwissenschaftler vom Sorbischen Institut hatte auf Twitter nach Spielfiguren sowie Ereignis- und Gemeinschaftskarten gefragt und zahlreiche Antworten erhalten.

Die Ankündigung eines Lausitz-Monopolys habe ihn zuerst etwas irritiert. „Ziel des Spiels ist es, seine Gegner in den Ruin zu treiben.“ Wie das Wort Monopol schon sagt, gehe es darum, alles zu besitzen. Doch die Erfahrungen mit Kapitalismus seien in der Lausitz seit 1990 nicht die besten, meint Friedrich Pollack. Dazu müsse man sich nur mit den Themen Löhne, Rente oder Arbeitsbiografien befassen.

Zudem stehe der Strukturwandel an. „Viele Fragen sind ungeklärt, und jetzt soll man sich durch die Lausitz kaufen?“ Bei dem Ursprung des Spiels sei es vielmehr darum gegangen, sich spielerisch mit den negativen Folgen von Kapitalismus zu beschäftigen, wie man ausführlich bei dieser Monopoly-Geschichte des Online-Magazins Krautreporter nachlesen kann.

Lausitzbegriff mit Strukturwandel entstanden

Friedrich Pollack habe sich aber auch überlegt, wie man das Thema humorvoll aufgreifen könne und daraufhin seinen Tweet veröffentlicht. Und es gebe Potenzial mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. „Ich habe über die Breite der Antworten gestaunt.“

Dazu zählen etwa „Graf Gero lädt Dich zum Essen ein. Du scheidest aus dem Spiel aus“ oder die vielen Inhalte zum Thema Tagebau. Auch der Wissenschaftler selbst hat dazu getwittert: „Durch Tagebaurutschungen bilden sich Risse und Senkungen in der Bundesstraße. Das halbe Spielfeld wird für zehn Runden gesperrt“, schrieb Friedrich Pollack.

Und es seien auch kulinarisch gute Ideen dabei. „Ich will den Leuten nicht den Spaß am Spiel verderben, schließlich soll es Identifikation stiften“, sagt Friedrich Pollack. Überhaupt sei das ein spannendes Thema, denn was bedeute eigentlich Lausitz für die Menschen? „Einen umfassenden Lausitzbegriff beobachte ich erst seit dem Beginn des Strukturwandels und der Kohlemillionen.“ Das Spiel könne Fragen um die Lausitz neu aufwerfen.

Beidseitiger Druck des Spielfelds denkbar

Die Macher planen je eine deutsche, nieder- und obersorbische Variante. Auch das findet Friedrich Pollack reizvoll. „Schön wäre es allerdings, wenn es eine Variante gibt, die mehrsprachig ist.“ Auf jeden Fall sollten sorbische Bezeichnungen angemessen berücksichtigt werden. „Sorbische Geschichte und Kultur ist in wesentlichen Punkten Lausitzer Landesforschung.“

Deswegen seien die Spielemacher auch mit der Domowina, dem Dachverband der Sorben, im Austausch, erklärt Florian Freitag. Dort würde alles Textliche geprüft und übersetzt. „Ein Spielbrett mit drei Sprachen ist allerdings sehr schwer umzusetzen. Wir überlegen aber noch, das Spielbrett beidseitig zu bedrucken.“

Vorschläge für das Lausitz-Monopoly sowie Vorbestellungen für das Spiel: über die Internetseite www.lausitz-spiele.de, die Facebook-Seite facebook.com/monopolylausitz sowie per Post an die Agentur Polar1, Humboldtstraße 14, 08056 Zwickau.

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