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A 4: Fehlende Rettungsgasse behindert Helfer

Vom Burkauer Berg bis Görlitz hatte sich der Verkehr letzte Woche gestaut. Das THW aus Bautzen sagt, wie es dazu kam und wie man solche Situationen vermeiden könnte.

Stabsleiter Andreas Heinrich (links) und André Stickel vom THW Ortsverband Bautzen berichten von Problemen bei der Rettungsgassenbildung beim Wintereinsatz auf der A 4 in der vergangenen Woche.
Stabsleiter Andreas Heinrich (links) und André Stickel vom THW Ortsverband Bautzen berichten von Problemen bei der Rettungsgassenbildung beim Wintereinsatz auf der A 4 in der vergangenen Woche. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Erst fiel der Schnee, dann kam der Stau auf der A 4: Vom Burkauer Berg bis Görlitz reichte die Auto- und Lkw-Schlange in der vergangenen Woche zu Spitzenzeiten. Drei Tage lang war das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz - und hatte dabei mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Bautzener THW-Stabsleiter Andreas Heinrich und André Stickel, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, berichten im Gespräch mit Sächsische.de, was sie erlebt haben und was sie sich jetzt von der Politik wünschen.

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Stundenlang hatte Sie in der vergangenen Woche auf der A 4 zu tun. War das für Sie ein großer Einsatz?

Andreas Heinrich: Ja, das war ein ziemlich großer Einsatz für uns. Er hat vor allem lange gedauert – ich kann mich an kaum einen anderen Einsatz erinnern, der so lange gedauert hat.

Wieso ist es zu so einer Lage überhaupt gekommen?

Andreas Heinrich: Der Winterdienst fährt ja nicht überall und rund um die Uhr. Dass sich eine Schneedecke bildet, ist bei solch einem Schneefall nicht zu vermeiden. Und irgendwann bleibt dann ein Lkw hängen, der beispielsweise zu wenig Profiltiefe auf den Reifen hat. Ein anderer versucht sich vorbeizuquetschen – bleibt auch hängen. Und plötzlich haben wir Stillstand. Und sobald dieser Stillstand ist, kommen auch die Winterdienste nicht mehr durch. Das Ganze hat sich dann verkettet: Viele Lkw kamen, als sie erst einmal standen, nicht mehr alleine in Schwung. Wir mussten fast jedes Fahrzeug anschleppen – das dauert.

Tagelang war das THW in der vergangenen Woche auf der A 4 im Einsatz.
Tagelang war das THW in der vergangenen Woche auf der A 4 im Einsatz. © LausitzNews.de/Toni Lehder

Ein Problempunkt war ja – mal wieder – der Burkauer Berg. Warum?

André Stickel: Dass es dort Probleme gibt, hatten wir bereits erwartet. Der Burkauer Berg ist ja bereits berühmt-berüchtigt. Beim letzten Wintereinsatz, im Januar, hatten wir aber auch Probleme auf den Landstraßen.

Andreas Heinrich: Der Burkauer Berg ist nun einmal die höchste Erhebung auf der Autobahn zwischen Dresden und Görlitz. Für eine Autobahnsteigung ist die schon recht knackig. Ich habe auch das Gefühl, dass der Berg eine Wetterscheide ist. Baulich ist da ja sogar schon etwas gemacht worden – zum Beispiel gibt es mittlerweile eine lange Verzögerungsspur in Richtung Görlitz bei der Abfahrt selber und eine lange Beschleunigungsspur in Richtung Dresden. Aber der Burkauer Berg ist und bleibt ein neuralgischer Punkt.

Wie Sie sagen: Das Problem ist nicht neu. Müsste da nicht mehr getan werden, um das zu vermeiden?

André Stickel: Wir kommunizieren bei solch einem Einsatz übers Internet mit vielen Leuten. Dabei sind wir immer wieder gefragt worden, warum es denn keine Tauanlage auf dem Burkauer Berg gibt. Das gibt es in einigen Ländern bereits; das sind Anlagen, die Taumittel versprühen. So etwas wäre am Burkauer Berg sicher sinnvoll. Gefragt ist da aber die Politik.

Andreas Heinrich: Wir hoffen, dass dort im Zuge des Autobahnumbaus mehr getan wird, um den Abschnitt zu entschärfen. Ich meine damit eine ganz andere Trassenführung an dieser Stelle.

Viele Leser haben uns gefragt, warum es denn keine Winterreifenpflicht für Lastwagen gibt – oder die A 4 nicht für Lkw gesperrt worden ist, wie Autobahnen in anderen Bundesländern.

André Stickel: Es stimmt, dass auf der Autobahn Leute mit Sommerreifen unterwegs waren. Das waren aber normale Pkw. Lastwagen haben Allwetterreifen – da gibt es gar keine Winterreifen.

Andreas Heinrich: Eine Idee wäre natürlich eine Schneekettenpflicht. Klar, um die anlegen zu können, bräuchten die Lastwagen erst einmal Parkplätze. Und an denen mangelt es. Wenn die Lkw aber sowieso erst einmal stehen, wie dieses Mal, könnten sie natürlich Schneeketten anlegen und selbstständig weiterfahren. Was ich aber ganz klar sagen muss, ist: Ein Lkw-Fahrverbot sehen wir nicht als zielführend an. Wir sind doch alle auf die Waren angewiesen, die darin transportiert werden.

Sie sprachen von einem schwierigen Einsatz. Mit welchen Problemen hatten Sie zu kämpfen?

Andreas Heinrich: Uns hat vor allem das Problem der Rettungsgasse beschäftigt. Die war ständig blockiert. Teilweise war die zweispurige Autobahn vierspurig belegt. Wir mussten helfen, den Weg für den Winterdienst überhaupt erst freizubekommen. Die Autobahnmeisterei Weißenberg hat mit ihren Räumfahrzeugen von Weißenberg bis Uhyst schlappe sechs Stunden gebraucht. Immer wieder haben sich Auto- und Lkw-Fahrer in die Rettungsgasse gedrängelt, um schneller voranzukommen – und damit den Weg für uns blockiert. Bei dem Einsatz im Januar ist so übrigens sogar der Weg für einen Knochenmarkspender versperrt worden.

Was muss passieren, damit es besser wird?

André Stickel: Es wäre schön, wenn es beim nächsten Stau Radiodurchsagen gibt, warum die Rettungsgasse so wichtig ist. Und zwar am besten gleich mehrsprachig.

Andreas Heinrich: Wir hoffen sehr, dass die Polizei da mehr durchgreift und die Rettungsgassenzusteller abstraft. Vielleicht hätte das langfristig Wirkung – und der Einsatz geht beim nächsten Mal schneller.

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