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Ärger um Bautzens Sporthallen-Pläne

Weil der Stadt Geld fehlt, hat sie den geplanten Bau einer Drei-Felder-Turnhalle verschoben. Vereine und Schulen schlagen Alarm.

Steffen Waldmann, Geschäftsführer des MSV 04 Bautzen, hofft, dass die neue Drei-Felder-Sporthalle an der Müllerwiese möglichst bald gebaut wird. Derzeit platzen die Sportstätten in der Stadt aus allen Nähten, sagt er.
Steffen Waldmann, Geschäftsführer des MSV 04 Bautzen, hofft, dass die neue Drei-Felder-Sporthalle an der Müllerwiese möglichst bald gebaut wird. Derzeit platzen die Sportstätten in der Stadt aus allen Nähten, sagt er. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Als Ende August vergangenen Jahres die Sporthalle des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) in Bautzen wegen Legionellen gesperrt werden musste, hat das Steffen Waldmann noch einmal alles vor Augen geführt. Wie schwierig die Lage für den Sport in Bautzen gerade ist; dass es einfach an Platz mangelt.

„Plötzlich standen viele unserer Nachwuchssportler ohne Heimspielstätte da“, erinnert er sich. Vor allem Volleyball und Handball seien betroffen gewesen. „Die Halle war monatelang dicht“, sagt der Geschäftsführer von Bautzens größtem Sportverein, dem MSV 04 Bautzen. Dadurch, dass wegen Corona kurz darauf ohnehin alles abgeblasen werden musste, sei das dann nicht mehr so aufgefallen. „Aber es hat uns gezeigt, was alles passieren kann.“

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Es ist ein Thema, das in Bautzen schon seit vielen Jahren auf der Agenda steht. Eines, das bei Weitem nicht neu ist: Die Stadt hat ein Sporthallen-Problem.

Es mangelt schlichtweg an Platz, an Hallenkapazitäten. Seit Langem wird deshalb in der Stadt über eine neue Sporthalle gesprochen. Eine Summe von 4,5 Millionen Euro hatte die Verwaltung dafür noch im Haushalt vergangenen Jahres im Mittelfristplan vorgesehen. Doch nun steht im neuen Haushaltsentwurf nur eine kleine Summe für die Planungen. Das eigentliche Bauprojekt rückt in die Zukunft, es steht nicht mehr im Mittelfristplan. Erst nach 2024 soll es umgesetzt werden.

Vereinssport für Erwachsene erst ab 20 Uhr möglich

Von einer „mittelschweren Katastrophe für die Vereine“ spricht Steffen Waldmann deshalb. Die Lage für den MSV sei prekär. „Einige Abteilungen bei uns können keine Kinder mehr aufnehmen, weil es an Hallenkapazitäten fehlt“, sagt er. Gerade die Sportarten, die viel Platz brauchen, hätten es in Bautzen nicht sonderlich gut. „Volleyball, Basketball, Handball“, zählt Steffen Waldmann auf, „all das geht in Bautzen nur in bestimmten Hallen.“ Konkret: in der Sporthalle des BSZ, in der Schützenplatzhalle, in der Daimler-Halle. „Wenn dann, wie im vergangenen Herbst, eine Halle ausfällt, können viele Sportler nicht trainieren“, erklärt Steffen Waldmann.

Das Problem betreffe den Nachwuchsbereich und auch die Erwachsenen. In Bautzen dürfen die Vereine erst nach 16 Uhr in die Sporthallen, erklärt Waldmann. Vorher stehen diese den Bautzener Schulen zur Verfügung. Für den Erwachsenensport bedeutet das: Vor 20 Uhr beginnt kaum ein Training. Und für die Übungsleiter der Gruppen heißt das: Sie müssen von Training zu Training zwischen den Hallen wechseln, stets einen Sack mit Bällen im Gepäck. „Mit einer weiteren Halle könnten wir unser Terminmanagement verbessern und mehr Angebote machen“, sagt der MSV-Geschäftsführer.

Schulen: weite Wege und keine Geschlechtertrennung

Aber nicht nur die Vereine betreffe das Problem – auch an Schulen gebe es deshalb einen regelrechten Wandertourismus, sagt er. Davon berichtet auch Karsten Vogt, Schulleiter des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums. „Ab Klasse acht müssen die Kinder auch zu den entfernten Hallen laufen“, berichtet er; anders „könnten wir keinen Sportunterricht anbieten“. Zur Müllerwiese, wo die neue Drei-Felder-Halle errichtet werden soll, bräuchten die Schüler etwa zehn Minuten zu Fuß. Das sei für seine Schule ebenso wie für das benachbarte Schiller-Gymnasium im Rahmen.

Schwerer noch als die Zeiten, die zwischen den Unterrichtsstunden für Fußmärsche draufgehen, wiegt für ihn aber ein anderes Argument. „Wir können das Thema Geschlechterteilung im Sportunterricht nicht so umsetzen, wie wir müssten“, sagt er. „Eigentlich sollten die Schüler und Schülerinnen ab Klasse sieben getrennt voneinander unterrichtet werden“, sagt er, „wir können das erst ab Klasse neun umsetzen. Wir sind dazu aber verpflichtet.“ Die Stadt als Schulträger müsste die Möglichkeiten dafür schaffen.

Auch kleine Vereine hoffen auf eine neue Halle

Vom Sporthallen-Mangel betroffen sind vor allem Bautzens größter Sportverein, der MSV, und eben die beiden Gymnasien. Aber auch kleinere Vereine sprechen sich für eine neue Halle aus. So berichtet Matthias Tracksdorf vom Verein TaekwonDo - Dojang Bautzen, dass der Verein zwar eigene Trainingsräume hat – sich aber über die Möglichkeit freuen würde, einen Ausweichort für die jährliche Meisterschaft zu haben. Und auch Christoph Mehnert vom Bautzener Leichtathletik-Verein Rot-Weiß 90 berichtet von maroden Hallen und einem Mangel an Platz. „Ein breiteres Angebot wäre sicher schön. Es fehlt uns aber auch an Übungsleitern“, gibt er zu.

Bautzens Finanzbürgermeister Robert Böhmer erklärt, dass das Projekt „Dreifeld-Sporthalle weiterhin mit sehr hoher Priorität bewertet“ wird. Die Entscheidung, den Bau aus dem Mittelfristplan zu nehmen, begründet er mit der finanziellen Lage der Stadt. „Wir gehen davon aus, dass dieses Projekt finanzielle Ressourcen in Millionenhöhe bindet“, sagt er. Derzeit suche die Stadt nach Fördermitteln.

Stadtverwaltung: Andere Projekte haben Priorität

Das Projekt „wurde nicht weit nach hinten verschoben“, sagt Robert Böhmer. „Kein Gebäude wird ad hoc errichtet.“ Es werde immer ein Planungsvorlauf benötigt – und im kommenden Jahr solle auch für dieses Projekt ein Fördermittelantrag gestellt werden. Dennoch hätten angesichts der Haushaltslage eben andere Dinge Priorität – zum Beispiel die Sanierung der Allende-Oberschule oder des Schiller-Kindergartens.

Gibt es denn für die Zwischenzeit eine Lösung? „Die Probleme sind uns bekannt, und es gibt einen regelmäßigen Austausch im Rahmen der Schulträgerschaft, aber auch mit den Vereinen“, sagt Robert Böhmer. „Allerdings können wir so oder so aktuell keine zusätzliche Sporthalle anbieten.“

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