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Zu wenig Bewerber: Aus für die Bäckerlehre in Bautzen

Kreis und Ministerium hatten vereinbart, dass hier noch drei Jahre Bäcker lernen dürfen. Daraus wird nichts. Als Tiefschlag bezeichnet das ein Abgeordneter.

Anthony Ludewig absolviert seine Bäcker-Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum Bautzen. Doch alle neuen Lehrlinge müssen nun zur Ausbildung nach Görlitz.
Anthony Ludewig absolviert seine Bäcker-Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum Bautzen. Doch alle neuen Lehrlinge müssen nun zur Ausbildung nach Görlitz. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Aufatmen war groß, als vor wenigen Wochen der Kompromiss feststand: Am Beruflichen Schulzentrum in Bautzen dürfen noch weitere drei Jahre Bäcker ausgebildet werden. Doch daraus wird nun nichts. Das steht seit Mittwoch fest.

Laut Sabine Gotscha-Schock, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, konnte der Landkreis nur sieben neue Bäckerlehrlinge an das Landesamt für Schule und Bildung melden. „Damit ist das Thema wohl durch“, bedauert die Handwerkschefin. Bis zuletzt hatten Kreishandwerkerschaft und Bäcker-Innung „in alle Richtungen gekurbelt“, um das Ziel von 16 neuen Lehrlingen zu schaffen. Dann wäre in Bautzen eine neue erste Bäckerklasse geschaffen worden.

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Das war der Kompromiss, auf den sich Landkreis und Kultusministerium geeinigt hatten. Zuvor hatte es ein monatelanges Tauziehen gegeben, nachdem das Kultusministerium seinen Plan für die Berufsschulen im Freistaat öffentlich gemacht hatte. Das Ministerium möchte die Bäckerausbildung in der Oberlausitz gern in Görlitz bündeln. Dort gab es in den jüngsten Jahren stets mehr Lehrlinge als in Bautzen. Der Aufschrei in Bautzen war groß, auch das Landratsamt versagte der Kultus-Idee seine Zustimmung. Was das Ministerium in Dresden aber nicht davon abhielt, die Konzentration der Bäckerlehre in Görlitz trotzdem zu beschließen.

An der Mindestschülerzahl führt kein Weg vorbei

Sogar eine Klage des Landkreises gegen den Freistaat stand im Raum, angeregt von der AfD-Fraktion im Kreistag. Am Ende einigten sich Ministerium, Landkreis und Kreishandwerkerschaft auf eben jenen Kompromiss: Noch drei Jahre lang darf in Bautzen eine neue Bäckerklasse starten. Vorausgesetzt, sie besteht aus mindestens 16 jungen Leuten. Und mindestens 16 hätten es dann auch über alle drei Lehrjahre bleiben müssen.

Pressesprecher Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung hatte unmissverständlich klargestellt: "Kann die Mindestschülerzahl 16 nicht erreicht werden, darf am Beruflichen Schulzentrum Bautzen keine Bäckerklasse gebildet werden. Die Ausbildung im Bäckerhandwerk für die Einzugsbereiche Bautzen und Görlitz erfolgt dann am Beruflichen Schulzentrum Görlitz."

Handwerkerschaft: "Wir kurbeln in alle Richtungen"

Und genau das ist nun passiert, dem ausgehandelten Kompromiss zum Trotz. Denn bis zum 11. August hätte der Landkreis Bautzen die 16 künftigen Bäckerlehrlinge an das Landesamt melden müssen. "Wir kurbeln wirklich im Moment in alle Richtungen, haben Arbeitsagentur, Jobcenter und Handwerkskammer ins Boot geholt, aber es reicht noch nicht. Wir haben mehr offene Stellen als Bewerber, und das in allen Ecken des Landkreises", hatte Gotscha-Schock noch in der vorigen Woche mitgeteilt.

Wie schwer Bewerber für die Bäckerausbildung zu finden sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Seit 2010 fingen in Bautzen nie mehr als 15 junge Leute eine Bäckerlehre an, 2012 waren es gar nur sechs, im vergangenen Jahr zehn.

Bäcker müssen gut im Kopfrechnen sein

Auch Bäckermeister Stefan Richter in Kubschütz würde gern wieder eine junge Frau oder einen jungen Mann ausbilden. "Im Moment habe ich einen Lehrling, der jetzt auslernt. Danach ist der Ausbildungsplatz noch unbesetzt."

Bei Bäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz lernt jetzt ein Lehrling aus. Danach würde er gern wieder einen Auszubildenden nehmen.
Bei Bäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz lernt jetzt ein Lehrling aus. Danach würde er gern wieder einen Auszubildenden nehmen. © Archivfoto: Steffen Unger

Richter ist in der Landes-Bäckerinnung für die Berufsausbildung zuständig und schreibt sich mit auf die Fahnen, "dass wir erst die Zentralisation der Bäckerlehre in Dresden abwenden konnten". Bautzen und Görlitz durften weiter angehende Bäcker ausbilden. Doch nun fällt eben auch Bautzen durch das Raster.

Markus Thonig würde in seiner Bäckerei in Wilthen auch gern einen Lehrling ausbilden. "Ich nehme gern jemanden, wenn die Zensuren stimmen." Besonders in Mathematik müssten schon gute Kenntnisse da sein, vor allem die Fähigkeit zum Kopfrechnen. "Da muss in der Backstube ausgerechnet werden, wie viel Zutaten in den Teig kommen. Geben wir zum Beispiel zu viel oder zu wenig Salz dazu, schmeckt das Produkt nicht und die Kunden kommen nicht wieder."

Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) äußerte sich enttäuscht darüber, „dass es nicht gelungen ist, ausreichend Auszubildende für das Bäckerhandwerk am Beruflichen Schulzentrum Bautzen zu finden.“

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Als "weiteren Tiefschlag für Bautzen" bezeichnet der AfD-Landtagsabgeordnete Frank Peschel den Verlust der Bäckerlehre in der Spreestadt. Für ihn ist "das Nichterreichen der Mindestklassenstärke kein Argument, die Bäckerlehre in Bautzen einzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass es Möglichkeiten gegeben hätte, für die Bäckerlehre eine Ausnahmeregelung zu finden." Die Ausbildungsvielfalt in Bautzen werde wissentlich von der Staatsregierung zerstört, ohne auf die lokalen Befindlichkeiten einzugehen. "Der Verlust der Bäckerlehrlinge in Bautzen ist ein weiterer Baustein für die Vernachlässigung des ländlichen Raumes“, urteilt Peschel.

Der Beitrag wurde am 12. August 2021 um Reaktionen auf die Entscheidung ergänzt.

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